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Einkommensrisiko Pflege? Forscherteam veröffentlicht Studie

Bildbeschreibung: In einer Hand hält jemand ein 20,10 und 5 Euroschein fest.
Foto: @ EU-Schwerbehinderung

Übernehmen erwerbstätige Angehörige über längere Zeit familiäre Pflege, büßen sie 2,7 Prozent ihres Stundenlohnes ein. Das ist Ergebnis der Studie "Einkommensrisiko Pflege? Der Zusammenhang von familiärer Pflege und Lohn", die jetzt von der Soziologin Lara Minkus, dem Gerontologen Moritz Heß (beide SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen) und der Soziologin Ulrike Ehrlich (Deutsches Zentrum für Altersfragen, Berlin) veröffentlicht wurde. Sie ist in der Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie erschienen.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wird der Bedarf an professioneller aber auch an privater Pflege steigen. Viele Pflegebedürftige ziehen familiäre Pflege der institutionellen vor. Sollten sich familiär geleisteten Pflegetätigkeiten negativ auf die Erwerbssituation und den Lohn auswirken? Die Annahme fanden die Soziologen Lara Minkus und Moritz Heß, SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen, und Ulrike Ehrlich, Deutsches Zentrum für Altersfragen Berlin, in ihrer Forschung gestützt. Dabei werteten sie umfangreiche Daten des sozio-ökonomischen Panels aus. Sie basieren auf regelmäßigen und repräsentativen Befragungen in deutschen Privathaushalten.

Beginn schon bei einer Stunde täglich

Das Forschungsteam teilte Erwerbstätige am deutschen Arbeitsmarkt in zwei Gruppen ein: Jene, die nicht pflegen und jene, die mindesten eine Stunde von Montag bis Freitag Angehörige bei Körperpflege, Ernährung, Haushaltstätigkeiten oder Mobilität unterstützen. Das Ergebnis: Der Stundenlohn reduziert sich um etwa 2,7 Prozent, sobald Erwerbstätige beginnen, Angehörige zu pflegen. Eine Lohneinbuße ergibt sich sowohl für Frauen als auch für Männer. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass erhebliche Lohneinbußen bestehen, die mit gängigen Faktoren wie zum Beispiel mangelnder Arbeitsmarkterfahrung nicht begründet werden können", sagt die Bremer Wissenschaftlerin und Mitautorin der Studie, Lara Minkus.

Unterschiede zwischen Männern und Frauen werden deutlich

Die Studie bietet auch eine weitere Erklärung für den Lohnabstand zwischen Männern und Frauen, den so genannten Gender Pay Gap. "Frauen übernehmen häufiger als Männer die familiäre Pflegearbeit und sind daher auch deutlich öfter von den damit einhergehenden negativen Lohneffekten betroffen, was zu einer Verstetigung der geschlechtsspezifischen Lohnlücke führt", verdeutlicht Lara Minkus.

Fazit der Autoren

Die Wahrnehmung dafür, dass Pflegepersonen eine gesamtgesellschaftlich wichtige und zeitintensive Tätigkeit ausüben, sollte erhöht werden, lautet das Fazit der Autoren. Einen Beitrag könnten Politik, Arbeitgeber und Gewerkschaften leisten, indem sie verbesserte Bedingungen für die Vereinbarkeit von familiärer Pflege und Erwerbstätigkeit schaffen. Auf betrieblicher Ebene würden Möglichkeiten für eine flexible Arbeitsplatzgestaltung Pflegende unterstützen. Durch ein eine flexiblere Arbeitszeitgestaltung könnten potentielle Reibungspunkte zwischen familiärer Pflege und Arbeitnehmerinnenpflichten umgangen und somit auch Loheinbußen vermieden werden.

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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