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Pflegeheim Celle offenbar Bewohner misshandelt

Bildbeschreibung: Eine ältere Frau.
Foto: © Brandon Hoogenboom

In einem Heim sollen offenbar, in der Nähe des Stadtfriedhofs mehrere Bewohner schwer misshandelt worden sein. Die „Süddeutschen Zeitung“ berichtet, dass gegen eine 26-Jährige Frau sowie zwei 27 und 31 Jahre alten Männern, die in dem Pflegeheim gearbeitet hatten, ein Verfahren eingeleitet wurde. Dabei gehe es bei dem Verfahren um den Verdacht der Freiheitsberaubung und der Körperverletzung. Zurzeit würden die Vorwürfe geprüft werden, so die Sprecherin der Anklagebehörde am Dienstag. Fotos und Videos haben die dreie gemacht, diese verletzen den höchstpersönlichen Lebensbereich der Betroffenen. So zeige ein Foto einen Bewohner, der mit einer Decke im Bett festgebunden worden sei, das er sich kaum bewegen könne.

Sowie auf einem anderen Bild sei ein Bewohner zu sehen, dessen klaffende Wunde am Bein eines Bewohners zu sehen, dem wenige Tage zuvor der Unterschenkel amputiert worden war. Das Pflegepersonal habe der Mann nachts gebeten ihn auf die Toilette zu begleiten. Daraufhin sei die Antwort gewesen, er habe doch eine Vorlage, "wo er reinscheißen kann". Daraufhin habe er versucht, aus eigener Kraft zur Toilette zu kommen. Dabei seien die Nähte geplatzt, ein Rettungswagen habe den Mann ins Krankenhaus gebracht.

Zudem schreibe in einem Chat eine beschäftigte Pflegekraft im Haus einer Kollegin, Bewohner würden mit Decken die ganze Nacht über fixiert, damit ihre Vorlagen, also ihre Inkontinenz-Windeln, nicht verrutschten, so die berichtete die "Süddeutsche Zeitung (SZ)." Das sei in dem Haus nicht ungewöhnlich, "das machen sie hier alle so". Bewohner lägen in dieser Position dann stundenlang in ihren Ausscheidungen und würden vom Personal nicht umgelagert. An Dritte sollen die Aufnahmen weitergeben wurden sein. Dafür könne eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe verhängt werden, so die Staatanwaltschaft.

Markus Mai, der Präsident der Pflegekammer Rheinland-Pfalz, kenne die Fotos aus dem Pflegeheim. Zur "SZ" sagte er, was dort geschehen sei, “grenzt an Folter”. Das Fixieren von Bewohnern sei nur in absoluten Ausnahmefällen erlaubt und setze einen richterlichen Beschluss voraus, so Mai weiter. Von der Unternehmensgruppe die Geschäftsführerin, die unter anderem das Heim betreibt, sagte auf Nachfrage der "SZ", auch ihr seien “schlimme Vorfälle” aus dem Heim bekannt geworden. Sie habe deshalb Mitte Mai drei Pflegekräfte entlassen und zudem Strafanzeige gegen sie gestellt. So wolle sie sich nicht zu den genauen Vorwürfen äußern, da die Verfahren noch nicht abgeschlossen seien. Die Angehörigen der Geschädigten seien aber informiert worden und hätten Anzeigen gegen die entsprechenden Pflegekräfte gestellt.

Nadya Klarmann, Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen äußert sich zu den mutmaßlichen Misshandlung Vorfällen in Celle:

„Die Informationen rund um die mutmaßlichen Vorfälle in einem Pflegeheim in Niedersachsen haben uns schwer erschüttert. Solche Missstände sind nicht zu akzeptieren. Wenn wir verhindern wollen, dass es so weitergeht, müssen wir endlich handeln. Grundsätzlich leisten Pflegefachpersonen unter oft widrigen Bedingungen hervorragende Arbeit. Sie setzen sich über alle Maßen dafür ein, dass die Ihnen anvertrauten Pflegebedürftigen professionell pflegerisch versorgt werden. Die Rahmenbedingungen unter denen die Pflegefachpersonen ihren Beruf ausüben, sind teilweise unhaltbar. Personalnot, ständige Erreichbarkeit, hohe psychische Belastung, Einspringen aus den freien Tagen gepaart mit geringer Bezahlung führen dazu, dass viele Kolleginnen und Kollegen aus dem Job aussteigen.

Die Kammerversammlung der Pflegekammer Niedersachsen wird sich mit Hochdruck damit beschäftigen, Lösungen zu entwickeln, wie zukünftig mit solchen Vorfällen umgegangen werden soll. Die Heimaufsichtsbehörden und der Medizinische Dienst der Krankenversicherung sind wichtige Instanzen, um die Patientensicherheit und die Pflegequalität sicherzustellen. Daher ist dringend erforderlich, dass die Begehung von Heimen standardmäßig durch Pflegefachpersonen begleitet wird. Das trifft bislang in den seltensten Fällen zu.

Viele Angehörige, aber auch Pflegende wissen oft nicht, an wen sie sich vertrauensvoll wenden können, wenn ihnen Missstände bekannt werden. Beschäftigte der Einrichtungen haben oft Angst, ihre Arbeit zu verlieren oder aus dem Team ausgeschlossen zu werden. Angehörige befürchten, dass Beschwerden die Situation für ihre pflegebedürftigen Familienmitglieder verschlechtern könnten. Hier braucht es eine neutrale Anlaufstelle, die dann in Zusammenarbeit mit den ohnehin bestehenden Instanzen wie Heimaufsicht und medizinischer Dienst der Krankenversicherung prüft, ob und in welchen Bereichen die Pflegequalität gefährdet ist und mit den Pflegeeinrichtungen konstruktive Lösungen erarbeitet.“

Anlässlich aktueller Ermittlungen gegen ehemalige Mitarbeitende eines Celler Alten- und Pflegeheims, reagiert Niedersachsen Gesundheitsministerin Carola Reimann von der SPD schockiert und kündigt eine Beschwerdestelle für die Pflege an:

„Ich bin entsetzt über diese Vorfälle und erwarte eine lückenlose Aufklärung! Freiheitsentziehende Maßnahmen müssen immer die absolute Ausnahme bleiben und bedürfen der richterlichen Anordnung. Die Lage von Pflegebedürftigen darf nicht ausgenutzt werden, sie dürfen weder Gewalt, Vernachlässigung noch finanzieller Ausbeutung ausgesetzt sein.

Deswegen werden wir mit den neuen Nds. Pflegegesetz in Niedersachsen ein Whistleblowing-System in der Pflege einführen - Pflegekräfte sowie Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollen künftig Missstände oder Anhaltspunkte für Gefährdungen an eine Beschwerdestelle melden können, bei Bedarf auch anonym.

Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sowie Beschäftigte in der Pflege werden sich somit in Niedersachsen künftig an eine neutrale und unabhängige Stelle wenden können, um Missstände in der pflegerischen Versorgung aufzuzeigen und Hilfe zu erhalten. Die Meldungen können auch anonym erfolgen. Die Beschwerdestelle für den Pflegebereich soll zentral im Sozialministerium angesiedelt werden.

Ich sehe hier einen wichtigen Baustein, um die Qualität der pflegerischen Versorgung in Niedersachsen weiter zu verbessern.

Autor: md / © EU-Schwerbehinderung



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