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Pflegende Angehörige als Verlierer der Pandemie

Bildbeschreibung: Angehöriger hilft einer älteren Dame beim zuknöpfen der Kleidung
Foto: © Gerd Altmann

Der überwiegende Anteil pflegerischer und sozialer Unterstützung für pflegebedürftige Menschen findet in Deutschland innerhalb der häuslichen Umgebung statt. 3,34 Mio. der zum 31.12.2019 gemeldeten 4,25 Mio. pflegebedürftigen Menschen in Deutschland wurden dabei in einem häuslichen Setting versorgt. Das entspricht einem Anteil von 79 % aller Pflegebedürftigen.

57 Prozent der pflegenden Angehörigen fühlen sich durch die Corona-Pandemie noch stärker belastet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Bremen für die DAK Gesundheit.

Angesichts der noch mindestens bis Ende des Monats geltenden Einschränkungen durch die zweite Infektionswelle, steigt bei pflegenden Angehörigen nicht nur die Angst vor einer Infektion. Durch die erneute Ausnahmesituation entfallen wichtige Unterstützungen wie zum Beispiel ambulante Pflegedienste oder die Versorgung in der Kurzzeitpflege. Auf Dauer fürchten viele Betroffene die körperliche und psychische Überlastung.

Dabei zeigen sich folgende zentrale Ergebnisse:

  • Nur ein sehr kleiner Teil der Befragten (<1% ) ist oder war mit dem Coronavirus infiziert, dennoch hat sich die Versorgungssituation 59 % der Befragten geändert.
  • Für 57 % der Befragten ist die Pflege zeitlich aufwendiger geworden. Dabei ist die Belastung durch die Pflege im Durchschnitt deutlich gestiegen, nicht zuletzt, weil professionelle Hilfen nicht mehr im gewohnten Umfang in Anspruch genommen werden (konnten).
  • Für 71 % der Befragten ist die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf durch die Coronavirus-Pandemie noch schwieriger geworden.
  • Der Gesundheitszustand hat sich für 52 % der Befragten verschlechtert und die selbst eingeschätzte Lebensqualität hat sich verringert.​

Bereits vor der Corona-Pandemie war die Situation der informellen Pflegepersonen, in der Regel, aber nicht immer An- und Zugehörige, schwierig und ein Teil war so überfordert, dass er die Fortsetzung der Pflege in Frage gestellt hat. Obgleich die überwiegende Mehrheit der Befragten die von der Bundesregierung getroffenen Maßnahmen teilt, fühlen sich pflegende Angehörige von der Politik in ihrer Rolle nicht hinreichend wahrgenommen. Für die Zukunft ist es daher – auch im Hinblick auf eine zweite und dritte Welle der Pandemie – wichtig, neben Krankenhäusern und Pflegeheimen auch die häusliche Pflege und ihre Spezifika zu beachten. Als hilfreiche Maßnahmen zur Entlastung von Pflegenden in der Coronavirus-Pandemie werden vor allem die Freistellung mit Lohnfortzahlung und die freie Verwendung des Entlastungsbeitrags angesehen.

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Aus den Reaktionen gegenüber unserer Redaktion wurde immer wieder deutlich, dass gerade pflegende Angehörige sich mehr finanzielle Unterstützung wünschen. Organisatorisch sicherlich erfassbar, da den Pflegekassen bekannt ist, wer einen Angehörigen pflegt, politisch aber trotz aller Kritik, keine Reaktion. Dabei würde das Pflegesystem in Deutschland kollabieren, wenn pflegende Angehörige auch nur zu einem geringen Prozentsatz, nicht mehr zur Verfügung stehen würden.

Der Verband Pflegehilfe gibt ein paar Tipps für pflegende Angehörige um bei der Pflege körperlich, psychisch und finanziell zu entlasten:

  1. Beim coronabedingten Ausfall ambulanter Pflegedienste kann der Sachleistungsbetrag für alternative Versorgung verwendet werden.
  2. Der Entlastungsbetrag darf noch bis Ende des Jahres für Nachbarschaftshilfen verwendet werden, sofern dies durch Corona notwendig geworden ist.
  3. Für bis zu 20 Tage kann Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatz gezahlt werden, wenn die häusliche Pflege sonst nicht sichergestellt werden kann.
  4. Lieferservices von Supermärkten oder der postalische Versand von ärztlichen Rezepten und Medikamenten können den Alltag erleichtern.
  5. Die eigene psychische Gesundheit sollte durch Videochats mit Freunden und Familie gestärkt werden. Bei Überlastung kann auch die Telefonseelsorge hilfreich sein.
  6. Beratungsangebote sollten genutzt werden, um sicherzugehen, dass alle Möglichkeiten für die Finanzierung und Organisation der Pflege ausgeschöpft werden.

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung



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