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OECD stellt internationalen Bericht "Bildung auf einen Blick" vor

Bildbeschreibung: Logobild des OECD Berichts
Foto: © Bundesministerium für Bildung und Forschung

Die OECD hat heute gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz (KMK) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ihren Bericht "Bildung auf einen Blick 2021" vorgestellt. Schwerpunktthema ist dieses Jahr die Chancengerechtigkeit.

Dazu erklärt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek:

"Unser Bildungssystem schneidet im internationalen Vergleich in vielen Bereichen sehr gut ab - zum Beispiel beim Übergang in das Berufsleben: In kaum einem anderen Land finden so viele junge Menschen sofort nach ihrer Ausbildung einen Job wie in Deutschland. Nur sechs Prozent gelingt das nicht - im OECD-Durchschnitt sind es 21 Prozent.

Dennoch sind wir in puncto Chancengerechtigkeit noch nicht am Ziel. Der Anteil einfachqualifizierter junger Menschen ist in Deutschland mit 13 Prozent zu hoch.

Um allen Kindern frühzeitig gute Bildungschancen zu bieten, engagiert sich der Bund auch finanziell so stark wie nie zuvor für gute Bildung: So haben wir vergangene Woche einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung beschlossen. Hier unterstützt der Bund den Ausbau mit 3,5 Milliarden Euro und die laufenden Kosten jährlich mit 1,3 Milliarden Euro. So können zusätzliche Angebote in Sprache und kultureller Bildung gemacht werden. Auch die Digitalisierung in den Schulen treiben wir mit dem DigitalPakt Schule weiter voran, über den wir 6,5 Milliarden Euro bereitstellen. Eine gut konzipierte digitale Bildung hilft uns, jedes Kind optimal zu fördern und für Chancengerechtigkeit zu sorgen. Und zum Ausgleich von Leistungsunterschieden, die durch die Corona-Krise verschärft wurden, haben wir das "Aktionsprogramm Aufholen nach Corona" mit zwei Milliarden Euro auf den Weg gebracht."

Der Hessische Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz, Mitglied im Präsidium der Kultusministerkonferenz, erklärt:

"Die Entwicklung der Pandemie zeigt, wie gute Bildung und Ausbildung zur Stabilität des Arbeitsmarktes beitragen können. So ist die Erwerbslosigkeit bei 25- bis 34-jährigen Personen mit Sek.-II-Abschluss trotz des Einbruchs durch die Corona-Pandemie verhältnismäßig gering geblieben: Auch, wenn diese von 3,1 Prozent (2019) auf 3,9 Prozent (2020) angestiegen ist, ist sie weniger als halb so hoch wie im OECD- und EU-Mittel (9 Prozent). Hier zeigt sich die hohe Arbeitsmarktrelevanz der beruflichen Bildung in Deutschland, die selbst in Krisenzeiten, unterstützt von umfangreichen Programmen wie der Kurzarbeiterregelung, gute Perspektiven bietet.

Die Corona-Pandemie hat den Bildungsbereich vor große Herausforderungen gestellt, aber auch deutlich vor Augen geführt, wo wir in Zukunft besser werden müssen. Mit der finanziellen Unterstützung aus dem Digitalpakt und den eigenständigen Programmen der Länder ist ein großer Schub ausgelöst worden. Wir verbinden so die technische Ausstattung der Schulen (Breitband-Anschlüsse, WLan, Laptops und Tablets) mit didaktischen Konzepten für den Unterricht und sorgen damit für einen sinnvollen Einsatz von IT. Um eine bestmögliche individuelle Unterstützung der Schülerinnen und Schüler nach den pandemie-bedingten Schulschließungen zu gewährleisten, ermitteln die Lehrkräfte zum Schuljahresbeginn den Lernstand der Schülerinnen und Schüler. Gerade diejenigen, die sich mit Schule und Unterricht schwertun, bedürfen unserer besonderen Aufmerksamkeit, um mehr Chancengerechtigkeit in unserem Bildungssystem zu erreichen."

Hintergrund:

Der OECD-Bericht "Education at a Glance" hat das Ziel, anhand von quantitativen Indikatoren einen Vergleich der Bildungssysteme von 38 OECD-Staaten sowie acht Partnerstaaten zu ermöglichen. Der Bericht ist in vier Hauptkapitel unterteilt: A: Bildungserträge, B: Bildungsbeteiligung, C: Bildungsinvestitionen, D: Lernumfeld.

Ein zusätzliches Kapitel umfasst Daten zum Nachhaltigkeitsziel Bildung.

Die Daten aus dem Bericht variieren je nach Indikator zwischen 2020 und 2019. Für Finanzdaten gilt das Berichtsjahr 2018.

Zum OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick 2021“ erklären Margit Stumpp, Sprecherin für Bildung, und Kai Gehring, Sprecher für Forschung, Wissenschaft und Hochschule:

Mit dem OECD-Bildungsbericht bekommt Bundesbildungsministerin Karliczek die finale Quittung für ihre Politik nach der Vogel-Strauß-Methode. Anstatt für beste Bildung für alle zu sorgen, hat die Ministerin achselzuckend zugesehen, dass die Bildungsspaltung in Deutschland wieder zunimmt. Anders als im EU-Durchschnitt beenden in Deutschland wieder mehr junge Erwachsene die Schule ohne Abschluss der Sekundarstufe II, die die OECD als „Mindestanforderung“ bezeichnet, um in Wirtschaft und Gesellschaft zurechtzukommen. Bildung ist das höchste Gut für unser Land, das auf die Kreativität und den Erfindergeist seiner Einwohner*innen angewiesen ist. Darum muss die nächste Bundesregierung die Weichen auf Bildungsgerechtigkeit stellen.

Der OECD-Bildungsbericht reiht sich ein in vorherige Alarmmeldungen: Ziele wie die Halbierung der Quote von Jugendlichen ohne Schulabschluss oder die Halbierung der Quote der Erwachsenen ohne Berufsausbildung, die Bund und Länder auf dem Bildungsgipfel 2008 beschlossen haben, rücken wieder in weite Ferne. Die alarmierenden Befunde hat Karliczek beiseite gewischt. Diese Ignoranz wird zu einer weiter wachsenden Zahl von Menschen ohne Ausbildung führen, die nur sehr schwer in Lohn und Brot finden, denn Ungelernte sind die Hauptrisikogruppe für Arbeitslosigkeit.

Bund und Länder müssen gemeinsam gegen die zunehmende Bildungsspaltung vorgehen und eine Bildungsoffensive vereinbaren. Nötig sind dauerhafte Finanzierungswege für Schulen in benachteiligten Regionen und Quartieren sowie insgesamt mehr Engagement des Bundes. Alle Jugendlichen sollen eine Ausbildungsgarantie erhalten und damit die Chance auf einen qualifizierten Berufsabschluss. Das Nachholen eines Schulabschlusses muss auch in späteren Lebensphasen kostenfrei möglich sein. Überfällig ist zudem die soziale Öffnung der Hochschulen. Oberste Priorität hat darum ein Neustart des BAföG mit einer Grundsicherung für Studierende und Auszubildende. All das sind Eckpfeiler einer beherzten und vorbeugenden Bildungspolitik, die kein Kind und keinen Jugendlichen verloren gibt.

Zum OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick“ erklärt der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion Dr. h.c. Thomas Sattelberger:

„Der OECD-Bericht stellt der bundesdeutschen Bildungspolitik erneut ein schlechtes Zeugnis aus. Noch immer haben von den 25- bis 34-Jährigen in Deutschland 13 Prozent höchstens einen Realschulabschluss, aber keine Ausbildung und keinen weiteren Schulabschluss. Wenn Bundesbildungsministerin Karliczek jetzt zum Ende der Legislatur mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung fordert, macht sie sich selbst vom Bock zum Gärtner. Ihr Ministerium hat die Probleme vier Jahre lang nicht angepackt, sondern ausgesessen. Die Corona-Schulkrise hat uns schmerzlich vor Augen geführt, dass unter Unterrichtsausfall allen voran die Schwächsten in unserer Gesellschaft leiden. Alle Kinder, ganz gleich welcher sozialer Herkunft, müssen die gleichen Bildungschancen erhalten. Die nächste Bundesregierung darf keine Sonntagsreden mehr halten, sondern muss endlich mehr für die Zukunft junger Menschen tun. Wir brauchen ein Kooperationsgebot zwischen Bund und Ländern bei Bildungsthemen und einen unbürokratischen Digitalpakt 2.0, mit dem die Mittel schnell bei all denen ankommen, die darauf angewiesen sind.“

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung

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