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FFP2 - Maskenpflicht: Alltagstauglichkeit und Finanzierbarkeit fragwürdig

Bildbeschreibung: FFP2 Maksen auf einer Holzunterlage liegend
Foto: kk | © 2021 EU-Schwerbehinderung

In Bayern hat man sich zu einer FFP2 Maskenpflicht im Personennahverkehr (ÖPNV) und im Einzelhandel entschieden. Viele Bürgerinnen und Bürger kritisieren dabei die Finanzierbarkeit. Zudem stellt sich auch die Frage, in wie weit eine FFP2-Maske überhaupt alltagstauglich ist.

Ob FFP2-Masken überhaupt alltagstauglich sind, ist eine Bewertungsfrage. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) schreibt zu den grundsätzlichen Tragezeiten, die auf unsere Anfrage hin ebenfalls bestätigt wurde: "Hiernach beträgt die maximale Tragezeit grundsätzlich längstens zwei Stunden mit anschließender Mindesterholungsdauer von 30 Minuten. Bei einer FFP-Maske ohne Ausatemventil beträgt die maximale Tragezeit längstens 75 Minuten mit anschließender Mindesterholungsdauer von 30 Minuten."

"FFP2-Masken sind für den Einsatz bei der Arbeit gedacht“, sagt Dr. Peter Paszkiewicz vom Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA). „Deshalb gelten nicht nur strenge Zulassungs- und Überwachungsanforderungen für diese Produkte, sondern auch besondere Nutzungsregeln. Dazu zählen eine vom Arbeitgeber anzubietende medizinische Vorsorgeuntersuchung und eine Unterweisung zur richtigen Handhabung."

Hierzu erklärt der Spitzenverband der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV):

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"FFP2-Masken sind für den Arbeitsschutz konzipiert. Sie sind Persönliche Schutzausrüstung, mit der sich Beschäftigte vor partikelförmigen (staubförmigen) Gefahrstoffen und Krankheitserregern schützen. Um die optimale Schutzwirkung der Maske zu gewährleisten, ist eine Unterweisung erforderlich. Denn wenn eine FFP2-Maske nicht richtig dicht sitzt, dann nützt sie nicht mehr als eine Mund-Nase-Bedeckung aus Stoff. Bundesländer, die FFP2-Masken im ÖPNV vorschreiben, könnten zum Beispiel eine Video-Unterweisung an Bahnsteigen und im Fahrgastraum anbieten - ähnlich den Hinweisen, die wir im Flugzeug bekommen.

Wichtig ist aber auch: Wenn Millionen Menschen in Bussen, Bahnen und Supermärkten FFP2-Masken tragen sollen, dann darf dies nicht zu Engpässen bei der Versorgung mit Persönlicher Schutzausrüstung führen. Es muss sichergestellt sein, dass für Beschäftigte, die für ihre Arbeit den Schutz von FFP2-Masken benötigen, weiter ein ausreichender Schutz vorhanden ist. Das betrifft besonders Menschen im Gesundheitsdienst, aber nicht nur. Es gibt viele Berufsgruppen, die regelmäßig mit Gefahrstoffen oder Stäuben umgehen müssen und auf Atemschutzmasken angewiesen sind."

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) gibt auf ihrer Internetseite noch ein paar wichtige Tipps:

  • Gebrauchsanleitung befolgen: Reguläre, nach EN 149 geprüfte FFP2-Masken dürfen nur mit einer Gebrauchsanleitung in deutscher Sprache verkauft werden. Diese beschreibt genau, wie die Maske anzulegen ist. Die Gebrauchsanleitung, die der kleinsten handelsüblichen Packung beiliegen muss, sollte beim Kauf der Maske also unbedingt nachgefragt und vor der ersten Verwendung sorgfältig gelesen werden. Nur so wird eine optimale Schutzwirkung der Maske erreicht.

  • Rasieren: Was viele nicht wissen: Häufig ist nicht das Filtermaterial das Problem, sondern der Dichtsitz. Damit eine Maske wirkt, muss sie eng am Gesicht anliegen. "Bärte oder Vernarbungen im Bereich der Maskendichtlinie beeinträchtigen daher die Schutzwirkung von FFP2-Masken", erklärt IFA-Experte Dr. Peter Paszkiewicz.

  • Dichtsitz prüfen: "Beim Luftholen sollte die Maske an das Gesicht angesogen werden", so Paszkiewicz. "Wenn man dagegen einen Luftstrom am Gesicht spürt, sitzt die Maske nicht gut."

  • Auf Hygiene achten: Masken mit der Kennzeichnung FFP2 R sind wiederverwendbar. Wie lange und wie oft das möglich ist, bestimmt vor allem der Umgang mit der Maske. Dabei ist auf größtmögliche Hygiene zu achten. Paszkiewicz: "Setzen Sie die Maske auf und ab, ohne dabei die Innenseite oder den Dichtrand zu berühren und bewahren Sie sie nach dem Einsatz gut belüftet auf. Dann ist eine wiederholte kurzzeitige Benutzung für mehrere Tage möglich."

  • Wenn nötig, ärztlichen Rat einholen: Meistens werden FFP2-Masken nur für die Fahrt mit dem Bus oder der Bahn oder den Einkauf im Supermarkt aufgesetzt. "Für die meisten Menschen dürfte die damit verbundene Belastung unkritisch sein", schätzt Paszkiewicz. "Wer aufgrund von gesundheitlichen Beeinträchtigungen unsicher ist, dem empfehlen wir die Rücksprache mit dem Hausarzt."

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Das Bayerische Gesundheitsministerium gibt gegenüber EU-Schwerbehinderung folgende Stellungnahme ab: "FFP2-Masken sind fast ausschließlich zur einmaligen Verwendung mit Entsorgung am Ende z. B. eines Tages gedacht, d.h. eine Aufbereitung ist im Regelfall nicht möglich. Ein Wechsel der Maske ist zudem bei Durchfeuchtung oder Kontamination erforderlich. Zur möglichen Mehrfachverwendung sowie zur korrekten Anwendung verweisen wir auf die Ausführungen des Bundesinstituts für Arzneimittel- und Medizinprodukte: https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Medizinprodukte/DE/schutzmasken.html. Die Limitierung des Tragens am Stück wird meist nicht von der Maske, sondern vom Träger der Maske bestimmt: Gemäß Vorgaben des Arbeitsschutzes ist die durchgehende Tragedauer von FFP2-Masken bei gesunden Menschen begrenzt (siehe Herstellerinformationen, i.d.R. 75 Minuten mit folgender 30-minütiger Pause), um die Belastung des Arbeitnehmers durch den erhöhten Atemwiderstand zu minimieren.

Zu beachten ist aber auch, dass FFP2-Masken in der Regel Einwegprodukte sind. Zum mehrmaligen Gebrauch gibt es Hinweise des Bundesinstituts für Arzneimittel- und Medizinprodukte (siehe oben). Bei Durchfeuchtung oder Kontamination hat auf jeden Fall ein Wechsel der Maske zu erfolgen. Die Frage der Maskenanzahl kann nur individuell entschieden werden, insbesondere hinsichtlich der Dauer der Fahrten mit ÖPNV oder der Einkäufe. Die Staatsregierung geht aufgrund einer Markterkundung davon aus, dass die Versorgung mit diesen Masken sichergestellt ist."

Viele Menschen stellen sich auch die Frage nach der Finanzierbarkeit, da die FFP2-Maske nur einmal verwendet werden darf. Das bedeutet für Berufspendler mindestens 2 Masken täglich, aber auch der normale Einkauf fürht zur weiteren finanziellen Belastung, die sich nicht jeder Haushalt leisten kann. Zumindest will Bayern jetzt FFP2-Masken an bedürftige herausgeben.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek betonte: „Die Masken sollen so rasch wie möglich an die Bedürftigen ausgegeben werden. Dafür haben die Kreisverwaltungsbehörden freie Hand. Sie können die Masken zum Beispiel über die Gemeinden verteilen lassen oder auch direkt an die Bedürftigen schicken. Das Wichtigste ist, dass alle Menschen schnell die Schutzausrüstung bekommen, die sie brauchen. Wir gehen davon aus, dass spätestens Anfang kommender Woche die Bedürftigen ihre Masken haben dürften.“

Der Minister erläuterte: „Seit Montag gilt in Bayern die Pflicht, im ÖPNV und im Einzelhandel FFP2-Masken oder Masken mit einem vergleichbaren Standard (z.B. KN 95, N 95) zu tragen. Wir wissen, dass diese Masken teurer sind als gewöhnliche Mund-Nasen-Bedeckungen. Aber es ist völlig klar: Wir lassen niemanden im Regen stehen! Deswegen stellen wir in einem ersten Schwung 2,5 Millionen FFP2-Masken aus unserem Bestand für die Empfänger von Grundsicherung sowie Obdachlose und Nutzer von Tafeln zur Verfügung. Jeder Bedürftige bekommt fünf Masken gestellt. Wir prüfen, ob wir zu einem späteren Zeitpunkt weitere Masken ausgeben.“



Holetschek rief die Bürgerinnen und Bürger auf, sich an die neue Regelung zu halten. Der Minister bekräftigte: „Wir müssen alles dafür tun, die Infektionszahlen dauerhaft zu senken. Gerade mit Blick auf die offenbar deutlich ansteckenderen Virus-Mutationen können FFP2-Masken hier einen zentralen Beitrag leisten. Damit sich die Bürgerinnen und Bürger auf die neuen Regeln einstellen können, haben wir eine sogenannte Kulanzwoche beschlossen: In dieser ersten Woche sollen bei Verstößen noch keine Bußgelder verhängt werden. Aber ich appelliere an alle: Nutzen Sie das nicht aus, sondern tragen Sie schon jetzt FFP2-Masken im Bus, in der Bahn und beim Einkaufen.“

Für diese Maßnahme musste der Freistaat keine zusätzlichen FFP2-Masken beschaffen. Der Bedarf konnte aus den Beständen des Pandemiezentrallagers gedeckt werden. Daneben gab es bereits weitere Ausstattungsaktionen unter anderem für Lehrer und Besucher von Alten- und Pflegeheimen.

Holetschek verwies auch auf die laufende Verteilung von einer Million FFP2-Masken an pflegende Angehörige. Der Minister sagte: „Auch diese Masken wurden heute an die Kreisverwaltungsbehörden ausgeliefert. Ab dem 25. Januar 2021 können die pflegenden Angehörigen die Masken in der jeweiligen Stadt- bzw. Gemeindeverwaltung der pflegebedürftigen Person kostenfrei abholen. Jeder Hauptpflegeperson sollen auf diesem Weg drei Schutzmasken zur Verfügung gestellt werden. Als Nachweis reicht es aus, ein Schreiben der Pflegekasse vorzuzeigen, aus dem der Pflegegrad der zu betreuenden pflegebedürftigen Person hervorgeht.“

Der Minister begrüßte auch eine Entscheidung des Bundes, 34 Millionen Menschen mit besonders hohem Risiko für schwere und tödliche Krankheitsverläufe Gutscheine für FFP2-Masken zur Verfügung zu stellen. Holetschek sagte: „Das ist ein positives Signal des Bundes. Es war gut und richtig, in der ersten Phase der Pandemie grundsätzlich das Masketragen einzuführen. Jetzt ist die Zeit gekommen, qualitativ nachzuschärfen und auf Masken mit höherem Schutz zu setzen.“

Autor: kro / © EU-Schwerbehinderung



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Vielen Dank für den informativen Bericht. Was allerdings fehlt ist der Hinweis, dass FFP2 Masken nicht vor Viren schützen. Zumindest geht das aus einer mir vorliegenden Gebrauchsanleitung eindeutig hervor. Dort heißt es unter "Bemerkungen,...

Vielen Dank für den informativen Bericht. Was allerdings fehlt ist der Hinweis, dass FFP2 Masken nicht vor Viren schützen. Zumindest geht das aus einer mir vorliegenden Gebrauchsanleitung eindeutig hervor. Dort heißt es unter "Bemerkungen, Einschränkungen" bei FFP2 Masken: "Nicht gegen Partikel radioaktiver Stoffe, Viren und Enzyme".

Um vor Viren geschützt zu sein, braucht es - laut dieser Gebrauchsanleitung - FFP3 Masken.

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  Wilfried Eull
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Sehr geehrter Herr Eull,

weitere Informationen können Sie uns gerne per E-Mail zukommen lassen: redaktionsteam[at]eu-schwerbehinderung.eu
Wir werden diese dann prüfen und Ihnen Rückmeldung geben.

Ansonsten bekommen Sie beim Bundesinstitut für...

Sehr geehrter Herr Eull,

weitere Informationen können Sie uns gerne per E-Mail zukommen lassen: redaktionsteam[at]eu-schwerbehinderung.eu
Wir werden diese dann prüfen und Ihnen Rückmeldung geben.

Ansonsten bekommen Sie beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, weitere Informationen:
https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Medizinprodukte/DE/schutzmasken.html

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  Redaktion
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