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Ukraine: Dringende Aufklärung der Zivilbevölkerung gefordert - Hilfe für Menschen mit Einschränkungen

Bildbeschreibung: Ein Mädchen auf dem Fahrrad im Kriegsgebiet der Ukraine. Im Hintergrund sind zerstörte Häuser zu sehen
Foto: © Till Maier / HI

Gerade in der Kriegssituation, in der Menschen auf der Flucht oder in unbekannten Regionen unterwegs sind und die Gefahr durch Minen und Blindgänger noch nicht kennen, ist es dringend notwendig, über die Risiken aufzuklären. Handicap International fordert daher Kampagnen, um das Bewusstsein für die Gefahr von Landminen und anderen explosiven Kriegsresten zu schärfen und zu zeigen, wie sich die Zivilbevölkerung sicher verhalten kann.

Zudem erfordern die Folgen der schweren Bombardierungen komplexe, zeitaufwändige und teure Räumungsarbeiten, bevor die Bevölkerung sicher nach Hause zurückkehren und mit dem Wiederaufbau beginnen kann. Diese Räumungsarbeiten sind insbesondere in städtischen oder besiedelten Gebieten aufgrund ihrer Komplexität schwierig. „Die Verseuchung des Landes verhindert auch den Zugang für humanitäre Hilfe und behindert die Versorgung der Menschen in Not“, betont Dr. Eva Maria Fischer, Leiterin der politischen Abteilung von Handicap International Deutschland.

Größte Gefahr durch Explosivwaffen mit großer Reichweite

In Buka, Hostomel, Irpin, Charkiw oder Mariupol stellt die durch die intensiven Bombardierungen und den Einsatz von Minen verursachte Verseuchung eine große Gefahr für Zivilist*innen dar, die in ihre Häuser zurückkehren möchten, sowie für diejenigen, die noch in den Städten ausharren. Der größte Teil der Schäden wird durch den Einsatz von Explosivwaffen mit großer Reichweite, hoher Sprengkraft, ungenauen Trägersystemen oder Systemen, die mehrere Munitionen über ein großes Gebiet abfeuern (Luftangriffe, schwerer Artilleriebeschuss und Mehrfachraketenwerfer), verursacht. Ein beachtlicher Prozentsatz dieser Blindgänger explodiert nicht und kann über Jahrzehnte eine Bedrohung für die Bevölkerung darstellen.

Perfide Mine POM-3

Human Rights Watch berichtet, dass es sich bei der von Russland eingesetzten Mine um einen neu entwickelten Typ namens POM-3 handelt. Sie ist mit einem seismischen Sensor ausgestattet, der eine sich nähernde Person erkennt und daraufhin eine Sprengladung in die Luft schleudert. Die Minen wurden offenbar von Raketen abgefeuert, die von speziell entwickelten Vorrichtungen am Boden abgeschossen wurden. „Alle Landminen sind von Natur aus nicht kontrollierbar, aber die POM-3 in besonderem Maße, da sie durch die Anwesenheit von Menschen ausgelöst wird, bevor diese auf sie treten oder über sie stolpern. Ihre Reichweite von 16 Metern und die Durchschlagskraft ihrer Splitter sind speziell auf die Augen, den Hals und die Leistengegend ausgerichtet“, sagt Eva Maria Fischer.

Einsatz verbotener Streumunition

In der Ukraine setzte das russische Militär Streubomben bereits mehrfach gegen die Zivilbevölkerung ein (Stand März 2022). Auch wurde mittlerweile über den Einsatz durch die ukrainische Seite berichtet. Streubomben enthalten mehrere hundert Minibomben, die sich bei einer Explosion über große Flächen verteilen. Sie treffen, verwunden und töten ohne Unterschied Soldat*innen und Zivilist*innen. Bis zu 40 Prozent der Submunitionen explodieren nicht beim Aufprall. Wie Antipersonenminen können sie durch den geringsten Kontakt ausgelöst werden. So töten und verstümmeln sie Menschen während und nach Konflikten.

Hilfe für Menschen mit Einschränkungen

Millionen Ukrainer und Ukrainerinnen sind bisher geflüchtet, darunter auch viele Menschen mit Behinderung. Bei ihrer Aufnahme und Integration stehen sie in Deutschland jedoch hohen Barrieren gegenüber. Besonders bedarfsgerechter Wohnraum ist schwer zu finden. Die gemeinnützige Hilfsorganisation Handicap International e.V. (HI) und die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben haben deshalb das Portal www.hilfsabfrage.de ins Leben gerufen.

Die Internetseite bündelt bestehende Wohn- und Transferangebote für geflüchtete Menschen mit Behinderung aus der Ukraine und führt diese übersichtlich auf. Deutschlandweit werden Organisationen der Behindertenhilfe gebeten, in den Rubriken „Transfer“ und „Wohnen“ ihre Hilfsangebote zu hinterlegen. Organisationen in der Ukraine, in den Grenzregionen sowie in Deutschland können dann ein sogenanntes „Matching“ zwischen geflüchteten Menschen mit Behinderung, die Wohnraum benötigen, und Hilfsangeboten in Deutschland herstellen. Ein Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen stellt die Seriosität der Angebote sicher und unterstützt Hilfesuchende bei der Suche nach Wohnraum und Beförderung. „Dank der Datenbank haben inzwischen eine Reihe erfolgreicher Matchings stattgefunden. Menschen mit Behinderung auf der Flucht haben auf diese Weise bedarfsgerechten Wohnraum gefunden“, berichtet Karsten Dietze von Handicap International.

Voller Zugang zu Teilhabe für geflüchtete Menschen mit Behinderung aus der Ukraine

Geflüchtete Menschen mit Behinderung seien als vulnerable Personengruppe in besonderem Maße den Belastungen der Flucht ausgesetzt, so Dietze weiter. „Deshalb ist es absolut notwendig, so bald wie möglich nach Ankunft, die individuellen Bedürfnisse zu identifizieren und diese bei Versorgung, Wohnform und Wohnortwahl zu berücksichtigen“, sagt Dietze weiter. Das Ziel sei, dass alle geflüchteten Menschen mit Behinderung, gleich welcher Herkunft, vollen Zugang zu Teilhabe erhalten.

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