Herzlich Willkommen

EU-Schwerbehinderung

Das Online-Nachrichtenportal.
Politik, Soziales, Behinderung, Rente 
und vieles mehr .... Kritisch, sachlich und offen.

 

 

 

Wenn dir keiner mehr zuhört ...

Geboren bin ich 1967 in Dachau. Soweit scheint noch alles in Ordnung zu sein, bis auf die kleine Tatsache, dass meine Eltern mich nicht wollten und ich somit als 5 Tage altes Baby in ein Säuglingsheim kam. Bis mich 1970 Pflegeeltern gefunden haben, sollte ich in einer Zeit ohne Liebe existieren. Bei meiner Pflegemutter, die mich mit Liebe überschüttete und ein Vater, der stets zu mir hielt, sollte ich ab jetzt groß werden. Alles soweit in Ordnung, sollte man denken. Nur, dass ich nie gelernt habe,

Liebe zu geben und meine ersten drei Jahre durch Angst geprägt wurden, was mich dann auch in meiner gesamten Kindheit begleitete und ich stets versucht habe, zu verstecken. So verbrachte ich, trotz allem, eine glückliche Kindheit und Jugend. Irgendwann, ich war 29 Jahre, lernte ich eine Frau kennen. Sie sollte die Mutter meiner Kinder werden. So geschah es auch. 


Da ich beruflich einen Wechsel anstrebte, habe ich im Jahr 2000 meinen Job gewechselt. Ein Job, der sich als sehr stressig rausstellte. Somit stand ich vor der Herausforderung, Job und Familie gerecht zu werden. Genau das konnte nicht gut gehen .....

2001 stellte sich dann ein Tinnitus ein, der bis heute geblieben ist. Ich leidete immer mehr unter Kopfschmerzen. Statt nach Stress zu suchen, ab zum Orthopäden, der einen HWS Schaden identifizierte.

Irgendwann, kam der Vermieter an und meinte, unsere Wohnung für andere Zwecke nutzen zu wollen. Was macht man? Man baut ein Haus. Der Stress wurde somit noch mehr. Nachts schlafen? Eher Luxus. Tagsüber versuchen zu funktionieren, ein Muss.

2008 kamen die ersten Symptome eines echten Burnouts, oder anders, ich habe sie vorher ignoriert. Das Telefon flog fast durchs Wohnzimmer, weil mir schon das Klingeln zu viel war. Wären meine Kinder nicht am Frühstückstisch gewesen, hätte das Telefon keine guten Überlebenschancen gehabt. Erste Depressionen stellten sich merkbar ein. Gedanken an Selbstmord. Diese wurden immer konkreter. Also ich zum Arzt. Dieser hat mir eine Liste von Psychotherapeuten gegeben. So um die 32 Stück standen drauf. Das war im Jahr 2010. Die Ernüchterung erfolgte am Telefon sehr schnell. Wartelisten bis 2 Jahre, waren normal, wenn überhaupt auf selbiger aufgenommen wurde.

2011 war dann der Punkt, wo es wirklich für mich konkret gefährlich wurde. Selbstmord? Ja, aber nur noch das wie war offen. Im März 2011 kam dann der Punkt wo auch das wie kein Thema mehr war. Mich beschäftigte nur die Frage, ob ich damit den Kindern nicht unendliches Leid antue, wenn sie mich nach der Schule leblos auffinden? - In dem Gedanken kam ein Anruf von einem Freund. Der einzige Mensch, der irgendwie bemerkt zu haben, dass es mir nicht gut geht. Er sagte nur "Du kommst jetzt her, hier hab ich einen Psychotherapeuten für dich" - So etwas lässt man sich nicht 2* sagen. Ich hatte jetzt die Wahl zwischen Heimat verlassen und Psychotherapie oder zu Hause auf das Ende hin zu arbeiten. Es waren meine Kinder, niemand sonst, die mich zu dem ersten Gedanken trieben.
Schließlich sollte es kein Abschied auf Dauer sein. Nur erst einmal der Versuch überhaupt irgendwo in Behandlung zu kommen. An diesem Punkt kam aber alles ganz anders. Ich fuhr zu meinem Freund, der mir half, mich zu retten. Alleine fehlte bereits jede Kraft. Genau hier sollte mir aber der Weg zurück nach Hause verwehrt werden, denn meine Frau bevorzugte offensichtlich lieber den Kontakt zu einem anderen Mann. Das Ende der Ehe war somit ein weiterer Part, den es in dieser Phase zu meistern gab.

Der Tag war also gekommen, wo ich meine Sachen aus dem gemeinsamen Haus herausholen musste. Doch was da geschah, brachte mich zu einem erneuten Nervenzusammenbruch. Sowohl meine Frau als auch mein Schwiegervater meinten "ich würde meine Krankheit nur spielen". Als ich wieder auf dem Weg zu meinem Freund war, der mir immer noch half und zur Seite stand, passierte auf der Autobahn etwas, was mein Leben beeinflussen sollte. Ich bekam einen dissoziativen Zustand - Blackout - mitten auf der Autobahn. Zum Glück in einem Baustellenbereich, so dass nichts weiter passierte.

Diese Zustände wiederholten sich immer wieder, sind bis heute nicht verschwunden, nehmen mir jede Möglichkeit am Straßenverkehr teil zu nehmen. Selbst als Fußgänger bin ich bis heute nicht davor geschützt. Es kann überall passieren. Der Trigger dazu? Vermutlich eine minimale Stresssituation, par hektische Bewegungen vor meinem Sehfeld reichen da oft schon aus.
Das Beste was mir aber in meiner Behandlung passieren durfte, war wohl meine Psychotherapie. Diese half mir viel zu erkennen. Leider sind in der Trauma Behandlung auch Dinge hochgekommen, die man als Kleinkind lieber nicht erleben sollte und die sich sogar als wirklich geschehen, heraus stellten.

Was am Ende meiner Geschichte bleibt, ist für mich eine psychosomatisch bedingte Schwerbehinderung, die sich noch durch meinen irreparablem HWS-Schaden ergänzt. {Play}

 

Möchten auch sie uns ihre Geschichte erzählen? Hier haben sie die Möglichkeit dazu Ihre Geschichte

 

 

 

0
+

Gefällt Ihnen der Artikel?

Liken Sie uns. Vielen Dank