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Verweis auf Pflegepersonaluntergrenzen ist absolut unzureichend

Bildbeschreibung: Eine Pflegerin mit Mundmaske.
Foto: © H Shaw

Pflegefachpersonen bilden auch in schleswig-holsteinischen Krankenhäusern die größte Berufsgruppe. Ihr Beitrag zu einem erfolgreichen Behandlungsverlauf ist lange unterschätzt, aber inzwischen durch etliche Studien untermauert worden. Daher fordert der DBfK Nordwest e.V. nicht nur ein echtes Beteiligungs- und Stimmrecht bei der Krankenhausplanung, sondern auch die Verankerung klarer personeller Anforderungen für den Pflegedienst im neuen Krankenhausgesetz des Landes Schleswig-Holstein.

„Als DBfK begrüßen wir ausdrücklich die im Gesetzesentwurf vorgesehene verbindliche Beteiligung einer Pflegefachperson in der Betriebsleitung. Das unterstreicht die maßgebliche Bedeutung der Pflegefachpersonen neben den übrigen für die Patientensicherheit und Versorgungsqualität verantwortlichen Berufsgruppen“, sagt Swantje Seismann-Petersen, stellvertretende Vorsitzende des DBfK Nordwest auch mit Blick auf Gerüchte, künftig auf die Expertise einer Pflegefachperson im Vorstand des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) verzichten zu wollen.

Das neue Landeskrankenhausgesetz biete die beste Gelegenheit, die „Systemrelevanz“ von Pflegefachpersonen zu betonen und vor allem ihre Kompetenzen zur Verbesserung der Sicherheit und Qualität von Krankenhausbehandlungen zu nutzen. Hier gebe es noch erhebliches Verbesserungspotenzial, so der DBfK.

„Dass im Gesetzesentwurf sowohl Pflegefachpersonen als auch Ärztinnen und Ärzte als die maßgeblichen Berufsgruppen in der Gesundheitsversorgung nicht als ‚unmittelbar Beteiligte‘ im Landeskrankenhausausschuss aufgeführt werden, geht an der Realität vorbei“, findet Seismann-Petersen. „Auch hier erleben wir, dass Wirtschaftsinteressen vor Wissen gestellt werden. Denn als unmittelbar beteiligt und damit stimmberechtigt gelten laut aktuellem Gesetzesentwurf nur die Kostenträger und Leistungserbringer. Das geht in erster Linie zulasten der Sicherheit und der Versorgungsqualität von Patientinnen und Patienten.“

Erkenne das Land die Bedeutung von Pflegefachpersonen für eine qualitativ hochwertige, patienten- und bedarfsgerechte Versorgung an, so müsse es zudem weitergehend regulierend eingreifen. „Der Verweis auf die – derzeit ausgesetzten! – Personaluntergrenzen ist absolut unzureichend. Unter der Prämisse, dass eines der zentralen Kriterien der Leistungsfähigkeit eines Krankenhaus eine sowohl nach Anzahl als auch nach Qualifikation ausreichende Personalbesetzung ist, gehört dies in den Krankenhausplan hinein“, so Seismann-Petersen weiter. „Vorgaben zur qualitativen und quantitativen Personalausstattung müssen dringend durch das Land erfolgen. Wenn unsere zentralen Forderungen bei der Gesetzeslegung nicht berücksichtigt werden, vergibt Schleswig-Holstein eine echte Chance: nach allem Applaus und „Systemrelevanz“-Gerede die Berufsgruppe der Pflegefachpersonen endlich angemessen zu berücksichtigen und zu beteiligen.“

Autor: DBfK / © EU-Schwerbehinderung



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Pflege geht uns alle an

Bildbeschreibung: Eine ältere Frau.
Foto: © Mircea Iancu

Anlässlich der Demonstration des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe für bessere Arbeitsbedingungen in den Pflegeberufen in Nürnberg. Erklärt der pflegepolitische Sprecher der Landtags-Grünen, Andreas Krahl „Pflege geht uns alle an – vor und nach Corona“. Er zeigt sich solidarisch mit den gesammelten Forderungen der Pflegekräfte. „War in den letzten Jahren, sogar Jahrzehnten, der Pflegemangel schon augenscheinlich, so hat uns die Corona-Krise das bisherige Versagen wie unter einem Brennglas gezeigt.“

Pflegende bleiben wegen der schlechten Rahmenbedingungen im Schnitt weniger als acht Jahre im Beruf. In der Ausbildung zeigt sich eine hohe Abbruchquote (2019: jede*r Vierte). Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist durch das starre Dreischichtsystem schlecht möglich. Andreas Krahl: „Der schlechte Lohn ist hier nur die Spitze des Eisbergs.“

Andreas Krahl fordert, die Rahmenbedingungen in der Pflege deutlich zu verbessern. Dazu gehört, die Qualität der Ausbildung durch freigestellte Praxisanleitung verbessern, die Akademisierungsquote zugunsten der Karrierechancen zu steigern, denn „Pflege ist viel mehr als Assistenz“, so Andreas Krahl. Außerdem braucht es ein verbindliches Personalbemessungsinstrument, das die pflegerisch optimale Versorgung regelt und nicht nur eine Untergrenze für bestimmte Stationen festschreibt. „Zudem braucht die Professionelle Pflege – die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen – Selbstbestimmung und Selbstverwaltung“, fordert Andreas Krahl: „Hier kommt die immer noch gültige grüne Kernforderung nach einer Pflegekammer ins Spiel.“

Autor: Bündnis 90/Die Grünen Bayern / © EU-Schwerbehinderung



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Wie Sie Kindern Demenz erklären

Bildbeschreibung: Die Großeltern mit ihren Kindern.
Foto: © Phillip Goldsberry

Die steigende Lebenserwartung und der demografische Wandel führen dazu, dass immer mehr Menschen an Demenz erkranken. Die Krankheit ist zwar nicht direkt sichtbar, man erkennt sie aber häufig an Gedächtnisproblemen und Verhaltensveränderungen. Ursache dafür sind Schäden im Gehirn. Mit der Zeit werden immer mehr Zellen abgebaut, wodurch es Betroffenen zunehmend schwerer fällt, Informationen zu speichern und abzurufen. Solche Veränderungen sind nicht nur für Erwachsene zu erkennen, auch Kinder spüren sie.

Die meisten Erwachsenen wissen, dass es sich dabei um Demenz handelt. Kinder verstehen jedoch oft nicht, weshalb sich ein vertrauter Mensch auf einmal ungewohnt verhält. Die Folgen davon können Unsicherheit und Angst sein. Um das zu verhindern ist es wichtig, Kinder von Anfang an in die neue Situation mit einzubeziehen und ihnen ausreichend zu erklären, was die Krankheit in einem Menschen auslöst. Das ist nicht immer einfach und bringt viel Verantwortung mit sich.

Folgende Tipps können dabei helfen, Kindern die Krankheit näher zu bringen und sie im Umgang mit Demenz zu unterstützen.

Nachfragen, was über die Krankheit bekannt ist

Bevor Eltern oder andere Vertrauenspersonen versuchen Demenz zu erklären, ist es hilfreich nachzufragen, was den Kindern bereits über die Krankheit bekannt ist. Möglicherweise kam das Thema in der Schule oder bei Freunden zur Sprache, sodass der Begriff "Demenz" nicht ganz fremd ist. Das Nachfragen hat den Vorteil, dass Kinder spüren, ihre Sorgen teilen zu dürfen und sich geborgen fühlen.

Demenz bildhaft erklären

Einige Kinder wissen bereits, dass Menschen mit Demenz viel vergessen. Sie verstehen aber nicht, weshalb sich Betroffene an die eigene Kindheit erinnern, aber nicht mehr an das gemeinsame Frühstück. Kleinere Kinder benötigen dafür keine medizinische Erklärung. Für sie reicht es aus, zentrale Merkmale der Krankheit anhand von Bildern und Fantasie symbolisch zu verdeutlichen. Auch gibt es eine Vielzahl an themabezogenen Kinderbüchern, die den jungen Familienmitgliedern helfen, die Krankheit und Betroffene besser zu verstehen.

Mögliche zukünftige Situationen besprechen

Derzeit gib es noch keine Heilung für Demenz. Deshalb ist es wichtig, Kinder darauf vorzubereiten, was bei zukünftigen Begegnungen passieren kann. Im zunehmenden Verlauf der Krankheit erinnern sich viele Betroffene nicht mehr an Namen oder erkennen Familienmitglieder nicht mehr. Auch ist es möglich, dass Betroffene unkontrollierbare Gefühlsausbrüche erleiden und zu Unrecht schimpfen. Wenn Kinder über die Entwicklung der Krankheit Bescheid wissen, können sie die Demenz in einer realen Situation besser erkennen und suchen die Schuld nicht bei sich selbst.

Ängste nehmen

Nicht nur der Umgang mit der Krankheit und die veränderte Familiensituation kann Kindern Angst bereiten, auch die Krankheit an sich. Erwachsene sollten Kindern erklären, dass überwiegend ältere Menschen Demenz bekommen. Kinder sind nur in sehr seltenen Fällen betroffen. Zwar gibt es bisher keine Heilung, dennoch forschen unzählige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, ein Medikament gegen Demenz zu entwickeln.

Vorbild sein

Kinder lernen weniger durch Worte, sondern vielmehr durch Erfahrungen und Vorbilder. Ein wertschätzender und kompetenter Umgang mit der erkrankten Person stärkt das Mitgefühl und die Hilfsbereitschaft der jungen Menschen. Kinder lernen keine Angst zu haben und sich in die Situation des Betroffenen hineinzuversetzen: Die Person ist zwar krank, aber immer noch derselbe liebenswerte Mensch wie zuvor. Zeigen Kinder dennoch Berührungsängste, dürfen Eltern sie nicht überreden auf die erkrankte Person zu zugehen.

Die Diagnose Demenz ist für viele Familien, Freunde und Bekannte eine emotionale Herausforderung. Die Krankheit verändert einen vertrauten Menschen und entfremdet die bestehende Beziehung. Das merken auch Kinder. Deshalb ist es wichtig, die neue Familiensituation vor allen Beteiligten offen zu thematisieren und sich in schwierigen Situationen professionelle Unterstützung zu holen.

Autor: md / © EU-Schwerbehinderung



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Mangelernährung im Krankenhaus und Pflegeheimen

Bildbeschreibung: Eine ältere Frau die einen Joghurt isst.
Foto: © Olga Bogdanova

Ernährung und Flüssigkeitsversorgung sind nach Angaben der Bundesregierung Kernaufgaben pflegerischen Handelns und zentraler Bestandteil der Versorgung in stationären Pflegeeinrichtungen. Im Rahmen der Qualitätssicherung werde überprüft, ob Pflegebedürftige bedarfsgerecht ernährt würden und ob eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme gewährleistet sei, heißt es in der Antwort Drucksache: 19/20695 der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage Drucksache: 19/20103 der AfD-Fraktion.

In deutschen Kliniken und Pflegeheimen sind bis zu 30 % der Patienten und bis zu 25 % der Bewohner mangelernährt. Dies ergab die Auswertung der nutritionDay-Daten, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) als Vorveröffentlichung zum 14. DGE-Ernährungsbericht.

Die DGE teil zum 14. DGE-Ernährungsbericht: "Im europäischen Vergleich schneiden deutsche Einrichtungen hinsichtlich standardmäßig vorhandener Ernährungsstrukturen deutlich schlechter ab: 2018 verfügten nur 10 % der deutschen Kliniken und 30 % der Pflegeheime über eine Diätassistenz, in den anderen teilnehmenden Ländern Europas waren es 63 % und 86 %. Ein Ernährungsteam bzw. eine Ansprechperson für Ernährung gab es in 58 % der Kliniken und 45 % der teilnehmenden Wohnbereiche in Pflegeheimen in Deutschland, in Europa waren es 82 % bzw. 71 %.

Dabei zeigte sich, dass Ernährungsmaßnahmen wie die Gabe von angereicherter Kost oder Trinknahrung deutlich häufiger ergriffen wurden, wenn Ernährungsfachkräfte verfügbar und ein routinemäßiges Screening auf Mangelernährung etabliert waren. Ernährungsmaßnahmen wurden zwar mit zunehmender Schwere der Mangelernährung häufiger eingesetzt, dennoch erhielt selbst bei schwerer Mangelernährung nur ein Teil der Betroffenen eine Intervention. Mit abnehmender Essmenge und mit schlechter werdendem Ernährungszustand nahmen die Mortalität und im Krankenhaus auch die weitere Aufenthaltsdauer zu. Ein Viertel der teilnehmenden Stationen führte klinische Ernährung ohne Richtlinien oder Standards durch. Da am nutritionDay vermutlich vor allem ernährungsmedizinisch interessierte und engagierte Institutionen teilnehmen, ist davon auszugehen, dass sich die Situation in deutschen Kliniken und Pflegeheimen insgesamt noch schlechter darstellt."

"Um die Ernährungsversorgung in Krankenhäusern und Pflegeheimen zu verbessern, empfehlen die Autoren ernährungsmedizinische Leitlinien und Standards flächendeckend zu implementieren und umzusetzen. Die routinemäßige Erfassung der Ernährungssituation bei Klinikaufnahme sollte flächendeckend erfolgen, um Mangelernährung bzw. das Risiko dafür zu identifizieren. Um eine gute ernährungsmedizinische Versorgung sicherzustellen, ist qualifiziertes Personal – von ernährungsmedizinisch ausgebildeten Ärzten über Pflegekräfte bis zur Diätassistenz und interdisziplinären Ernährungsteams – in jeder Einrichtung in ausreichendem Umfang zwingend notwendig. Die ernährungsmedizinische Fachkompetenz ist auszubauen, z. B. indem ernährungsmedizinische Inhalte stärker in die Ausbildung von Gesundheitsberufen integriert werden. Als Grundvoraussetzung für eine bedarfsdeckende Ernährung muss ein hochwertiges, attraktives Essensangebot in Kliniken und Pflegeheimen zum Standard jeder Institution gehören. Das beinhaltet auch texturmodifizierte Kostformen sowie angereicherte Mahlzeiten mit hoher Energie- und Nährstoffdichte, um Menschen mit Mangelernährung bzw. Risiko für Mangelernährung eine ausreichende Energie- und Nährstoffaufnahme zu ermöglichen."

In der Antwort der Bundesregierung 19/20695 heißt es:

Plant die Bundesregierung Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungsversorgung in Krankenhäusern und Pflegeheimen, um der Entwicklung von Mangelernährung vorzubeugen, und wenn ja, welche, und wann sollen diese eingeführt werden?

Für die Verpflegung im Krankenhaus sind die Kliniken im Rahmen ihrer Organisationshoheit selbst verantwortlich. Eine gesunde und patientenorientierte Verpflegung erscheint insoweit als Aspekt, bei dem sich die Krankenhäuser im Wettbewerb um die Patientinnen und Patienten in eigenem Interesse engagieren. In diesem Zusammenhang besteht beispielsweise die Möglichkeit freiwilliger Zertifizierungen. So müssen Krankenhäuser, die ihr Qualitätsmanagement freiwillig zertifizieren lassen, regelmäßig auch Maßnahmen zur Sicherung einer sachgerechten Ernährung nachweisen

Sind nach Kenntnis der Bundesregierung weitere Bevölkerungsgruppen neben den stationären Patienten und Bewohnern von Pflegeheimen von Mangelernährung betroffen, und wenn ja, welche?

Die Erhebungen im Rahmen des nutritionDay weisen darauf hin, dass Mangelernährung bei einer nicht präzise beschriebenen Anzahl an stationären Patientinnen und Patienten sowie Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimen gesundheitlich relevant ist. In der Literatur werden unter anderem auch Personen mit Essstörungen und Obdachlose als Risikogruppen für eine Mangelernährung genannt.

Wie viele Patienten mit ernährungsbedingtem Risiko werden nach Kenntnis der Bundesregierung behandelt, um das Defizit zu beheben, und welche Maßnahmen stehen zur Verfügung?

Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.

Ist der Bundesregierung die im Jahr 2007 publizierte CEPTON-Studie und deren Ergebnis, dass die durch Mangelernährung bedingten unmittelbaren zusätzlichen Kosten für das Gesundheitssystem in der Bundesrepublik Deutschland ungefähr 9 Mrd. Euro pro Jahr betragen, bekannt, und wenn ja, welche Schlussfolgerungen hat die Bundesregierung aus den Erkenntnissen dieser Studie für ihr eigenes Handeln gezogen?

Es ist nicht Aufgabe der Bundesregierung, einzelne wissenschaftliche Studien zu bewerten. Unabhängig davon wäre zu hinterfragen, in welchem Umfang die Ergebnisse einer bereits 2007 veröffentlichten Studie heute noch Gültigkeit haben.

Als fachliche Grundlage diene die Stellungnahme des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) zudem Thema sowie ein Expertenstandard, den das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) herausgegeben habe.

Autor: md / © EU-Schwerbehinderung



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3,3 Millionen Euro für Ambulante Hospizarbeit in Thüringen

Bildbeschreibung: Ein Mann der im Bett liegt und jemand der seine Hand hält.
Foto: © truthseeker08

In diesem Jahr unterstützen die Krankenkassen die Ambulanten Hospizdienste in Thüringen mit rund 3,3 Millionen Euro. Im letzten Jahr hatten die Hospizdienste 3,1 Millionen Euro für Personal, Weiterbildung und Sachmittel zur Verfügung. Der Thüringer Hospiz- und Palliativverband teilte am Dienstag mit:

„Die Ambulanten Hospizdienste benötigen das Geld dringend“, sagt Ilka Jope, Geschäfts­führerin des Thüringer Hospiz- und Palliativverbandes (THPV). „Da die Förderung retro­spektiv ist, also rückwirkend für das abgelaufene Jahr, gehen die Dienste zu allem in Vorleistung, was gegenüber dem Vorjahr erweitert wird. Da kann es zur Jahresmitte schon mal eng werden.“

Ein Teil der Förderung fließt in die Qualifikation und Supervision der ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer, die sterbende Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleiten und deren Angehörige unterstützen. Lag die Anzahl der Ehrenamtlichen, die sich in Thü­ringen in der Sterbebegleitung engagieren, vor zehn Jahren noch bei knapp 650, sind es mittlerweile genau 1.368. Im gleichen Zeitraum ist die Anzahl der Sterbebegleitungen von etwas mehr als 1.000 auf 2.821 gestiegen.

„Der Hospizgedanke verbreitet sich weiter“, so Ilka Jope. „Es gibt in Thüringen mittlerweile 32 Ambulante Hospizdienste, in denen sich Menschen ehrenamtlich dafür engagieren, Ster­benden ein würdiges und selbstbestimmtes Leben bis zum Ende zu ermöglichen.“

Von den Hospizdiensten können die Sterbende Menschen zu Hause, als auch stationär begleitet werden. Nach den Angaben zufolge sind die Leistungen der Ambulanten Hospizdienste kostenfrei.

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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Corona-Bonus nur in der Altenpflege – Kritik kommt von Politikern

Bildbeschreibung: Eine Frau mit einer Mundmaske.
Foto: © Rusty Watson

Das der Corona-Bonus nur in der Altenpflege gilt, stößt auf massive Kritik. Politiker mehrere Parteien kritisieren dieses. „Die Betroffenen empfinden es zu Recht als ungerecht, dass der Pflegebonus nicht in der Krankenpflege ankommt“, sagte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach der “Augsburger Allgemeinen”.

Dabei kritisiert Lauterbach zufolge dem Bericht als Fehler, dass die vom Bundestag im Mai beschlossene gesetzliche Regelung für Prämien auf die Altenpflege beschränkt worden sei.

"Wir brauchen einen Pflegegipfel aus Politik und den Tarifpartnern mit dem Ziel, wie wir die Pflege im Vergleich zu anderen Berufen im Gesundheitssystem überproportional besser vergüten können", sagte Lauterbach. "Bei dieser Gelegenheit müssen wir auch noch mal über den Pflegebonus reden."

Danach erhalten alle Beschäftigten in der Altenpflege für dieses Jahr einen gestaffelten Anspruch auf eine einmalige Prämie von bis zu 1000 Euro erhalten. Die Kosten übernimmt zunächst die Pflegeversicherung. In der zweiten Jahreshälfte soll der Bund dann festlegen, in welchem Umfang es Bundeszuschüsse gibt. Länder und Pflege-Arbeitgeber sollen den Bonus ergänzend zum Beispiel bis auf 1500 Euro aufstocken können. Länder und Arbeitgeber können die Corona-Prämie ergänzend aufstocken. Steuer- und abgabenfrei sind Bonuszahlungen bis zu einer Summe von 1.500 Euro.

Kritik kommt von den Grünen und Linken

Die pflegepolitische Sprecherin der Grünen, Kordula Schulz-Asche, sagte der „Augsburger Allgemeinen“: „Man kann den Menschen nicht erklären, warum die Bundesregierung nur in der Langzeitpflege den sogenannten Pflegebonus zahlen will.“ Der Linke-Politiker Harald Weinberg forderte, das die Prämienlösung auf alle nichtärztlichen Berufe im Gesundheitswesen auszuweiten. „Enttäuschung und Ärger in der Kranken- und Behindertenpflege sind mehr als verständlich.“

Georg Nüßlein, der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende sagte: „Ich würde mich freuen, wenn die Beschäftigten der Krankenhäuser, die durch Covid-19 besonders belastet waren oder sind, von ihren Arbeitgebern auch eine monetäre Anerkennung erhielten“. In der Corona-Krise sei die Situation in den Klinken bislang sehr unterschiedlich. „Den Belastungsgrad können dort die Arbeitgeber am besten beurteilen.“

Autor: md / © EU-Schwerbehinderung



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Umfrage: Jugendliche finden Gehalt in Pflege und Kita zu niedrig

Bildbeschreibung: Die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD)
Foto: © kk I EU-Schwerbehinderung

In der Pflege zu arbeiten kann sich knapp ein Viertel der Jugendliche vorstellen. Dabei werden Verdienst und Laufbahn aber als wenig attraktiv angesehen. Dieses geht aus einer repräsentativen Befragung von Jugendlichen hervor, die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) die am Dienstag Berlin vorgestellt wurde.

Danach haben die Jugendlichen der Umfrage des Sinus-Instituts für Markt- und Sozialforschung zufolge einer realistischen Bild von den Berufen in der Pflege, die in der Corona-Krise besonders ins Blickfeld gerückt sind. Von den Befragten halten drei Viertel die Arbeit für anspruchsvoll. Dabei erklärten 84 Prozent, sie könne gleichermaßen von Männern wie Frauen verrichtet werden. Das Gehalt für zu gering halten rund 80 Prozent der Jugendliche, für die Arbeit, die geleistet wird. Von der Hälfte der Befragten werden die Aufstiegsmöglichkeiten als schlecht eingeschätzt. Nur vier Prozent der Befragten, haben den Pflegeberuf tatsächlich ins Auge gefasst, so überwiegend junge Frauen.

Giffey sagt: "Wir brauchen dringend Nachwuchskräfte für die Pflege und die Frühe Bildung. Gerade die vergangenen Monate haben uns gezeigt, dass Pflegefachkräfte und Erzieherinnen und Erzieher für unsere Gesellschaft doppelt systemrelevant sind: Sie leisten nicht nur hochqualifizierte Arbeit, sondern sichern zusätzlich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Millionen Mütter, Väter und Angehörige. Wir sind bei der Aufwertung dieser Berufe wichtige Schritte vorwärtsgekommen. Potenziale für die Berufswahl liegen vor allem auch bei Jugendlichen mit Abitur und jungen Männern.

Die Ausbildungsbedingungen haben sich deutlich verbessert, und ich freue mich über das verbreitete Interesse der Jugendlichen. Die Studie zeigt aber auch: Wichtige Hebel, um die Jugendlichen für einen Berufseinstieg zu gewinnen, sind mehr Gehalt, bessere Arbeitsbedingungen und Aufstiegsmöglichkeiten. Hier wollen wir mit Ländern und Tarifpartnern weiter vorankommen.“

Für die Sinus-Jugendbefragung wurden zwei repräsentative Onlinebefragungen mit 1.010 Jugendlichen für den Bereich Frühe Bildung und 1.005 Jugendlichen für den Bereich Pflege durchgeführt. Dabei wurde zwischen März und Mai 2020 jeweils rund 1.000 repräsentativ ausgewählte Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren befragt. Mitte August soll die vollständige Studie vorliegen.

Zur Veröffentlichung der Ergebnisse der repräsentativen Jugendbefragung „Kindertagesbetreuung und Pflege – attraktive Berufe?“, die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom SINUS-Institut erhoben wurden, erklärt Beate Walter-Rosenheimer, Sprecherin für Jugendpolitik und Ausbildung von den Grünen:

Es ist erfreulich, dass sich fast ein Viertel der jungen Menschen, die befragt wurden, vorstellen können, im Pflege- oder Erziehungsbereich zu arbeiten.

Es sind junge Menschen, die Lust haben, in dieser Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen, das ist ein gutes Zeichen. Und unsere Gesellschaft braucht diese Professionen, das hat Corona noch einmal mehr deutlich gemacht. Das Ergebnis zeigt auch, dass systemrelevante Berufe in Zeiten der Pandemie endlich eine höhere Wertschätzung erfahren.

Ganz klar ist aber auch, dass diese Berufe, sei es in der Kitabetreuung, sei es in der Pflege dringend besser bezahlt werden müssen. Das haben die befragten Jugendlichen auch zu Recht kritisch angemerkt. Es ist ja schön, dass Familienministerin Giffey die Ergebnisse begrüßt. Allerdings regiert die große Koalition nun bereits seit 2013. Das ist eine lange Zeit, in der viel zu wenig passiert ist. Wichtige Stellschrauben wurden nicht gestellt, die Ergebnisse sind bekannt. Es gibt einen eklatanten Mangel an Pflegefachkräften und Erzieherinnen und Erziehern.

Warme Wort helfen hier wenig. Die Hebel liegen in besseren Arbeitsbedingungen, besseren Aufstiegsmöglichkeiten und natürlich einer adäquaten Bezahlung. Ministerin Giffey muss hier endlich tätig werden. Es ist Zeit zu handeln.

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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Katrin Göring-Eckardt besucht Pflegeeinrichtung in Gerstungen

Bildbeschreibung: Katrin Göring-Eckardt Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.
Foto: © kk I EU-Schwerbehinderung

Die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag und Abgeordnete in Thüringen, Katrin Göring-Eckardt, hat am 7 Juli 2020 das Pflegecentrum Sonnenschein in Gerstungen besucht. Dessen Leiterin Margit Benkenstein, gleichzeitig Vorsitzende des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa) in Thüringen, schilderte der Abgeordneten die aktuellen Herausforderungen, vor denen stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen im Freistaat stehen, und erläuterte: "Wir wollen regelmäßige Tests für Mitarbeiter in der Pflege und für pflegebedürftige Menschen. Beide gehören zu den besonderen Risikogruppen. Hier brauchen die Pflegeeinrichtungen vor weiteren Lockerungen verlässliche Bedingungen."

Anlässlich ihres Besuches in der Pflegeeinrichtung erklärte Katrin Göring-Eckardt: "Die Grundprobleme im Bereich der Pflege sowie anderer Sozial- und Gesundheitsberufe werden durch die Krise nun stärker offengelegt als schon zuvor. Diese Berufe brauchen endlich mehr Wertschätzung und Anerkennung, damit die Beschäftigten mehr für die Menschen da sein können, die sich in ihrer Obhut befinden. Unsere öffentlichen Gesundheitsdienste brauchen endlich mehr Geld aus dem Bundeshaushalt, Pflegeeinrichtungen mehr finanzielle Unterstützung bei Corona-Tests und Schutzmaßnahmen und die Pflegekräfte endlich die lang versprochenen Prämien für die harte Arbeit, die sie leisten."

Das Pflegecentrum Sonnenschein mit seinen 90 Beschäftigten sowie 62 stationär und circa 100 ambulant betreuten Pflegebedürftigen ist bislang gut durch die Krise gekommen. "Das Coronavirus und die daraus folgenden Erkrankungen haben den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen, aber insbesondere den Pflegeeinrichtungen mit ihren Mitarbeitenden viel abverlangt. Wir haben geliefert; nun muss der Schutz vor Ansteckungen weiterhin im Mittelpunkt stehen", so Margit Benkenstein. Auch jeder Schritt zur weiteren Öffnung des Pflegeheims für mehr Besuche von Angehörigen sei verbunden mit großer Sorge vor Neuinfektionen. Um hier eine lückenlose Kontrolle zu haben, hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Länder aufgefordert, für regelmäßige Corona-Tests in sensiblen Bereichen vorzusorgen. Und genau hier hake es, kritisiert Margit Benkenstein: "Während unser Nachbarland Bayern Tests für alle ankündigt, gelingt die zügige Umsetzung von Corona-Tests auch bei symptomfreien Beschäftigten und Pflegebedürftigen vor Ort noch nicht."

Autor: bpa / © EU-Schwerbehinderung



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Wie wird mein Kind trotz Corona in einen Pflegegrad eingestuft?

Bildbeschreibung: Ein Junge der Spielzeug Zügen spielt.
Foto: © Nathan Legakis

Rund 160 000 in Deutschland lebende Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre gelten im Sinne des Sozialgesetzbuches XI als pflegebedürftig. Das sind laut dem Pflege-Report 2019 knapp 5 % aller Pflegebedürftigen. Die Pflegebedürftigkeit von Kindern wird grundsätzlich nach dem gleichen Prinzip wie bei Erwachsenen festgestellt. Ein paar Besonderheiten bei der Einstufung von Kindern in Pflegegrade gibt es dennoch. Diese gelten auch während der COVID-19-bedingten digitalen Durchführung der Begutachtung.

Bis zum 30.09.2020 finden alle Begutachtungen für einen Pflegegrad telefonisch statt. Die Vorgaben für eine Einstufung gelten jedoch weiterhin für die Begutachtung von Erwachsenen wie auch für Kinder. Die Einstufung in einen Pflegegrad richtet sich danach, wie selbstständig ein Mensch ist und was er ohne Hilfe kann. Bei pflegebedürftigen Kindern wird außerdem über sogenannte Vergleichstabellen beurteilt, wie die durchschnittlichen altersentsprechenden Fähigkeiten eines Kindes ohne Beeinträchtigungen wären. Dieser Beurteilungsgrundsatz gilt für Kinder aller Altersgruppen.

Besonderheiten bei der Einstufung von Kindern im Alter von bis zu 18 Monaten

Eine Ausnahme bilden pflegebedürftige Kinder im Alter von bis zu 18 Monaten, denn Kinder dieser Altersgruppe sind von Natur aus in allen Bereichen unselbstständig. Um sicherzustellen, dass diese Kinder bei Bedarf dennoch einen angemessenen Pflegegrad erhalten, werden die altersunabhängigen Bereiche 3 und 5 aus dem Begutachtungsinstrument herangezogen. Diese Bereiche umfassen die Verhaltensweisen und psychischen Problemlagen sowie den Umgang mit krankheitsspezifischen oder therapiebedingten Anforderungen. Außerdem stellt der Gutachter fest, ob gravierende Probleme bei der Nahrungsaufnahme bestehen. Daraus resultiert gegebenenfalls ein außergewöhnlich pflegeintensiver Hilfebedarf bei der Ernährung.

Eine Sonderregelung sieht zudem vor, Kinder im Alter von bis zu 18 Monaten pauschal einen Pflegegrad höher einzustufen als bei der Begutachtung von älteren Personen festgestellt werden würde. In diesem festgestellten Pflegegrad können sie ohne weitere Begutachtung bis zur Vollendung des 18. Lebensmonats bleiben.

Vergleichstabellen für Kinder bis zum elften Lebensjahr

Danach werden die Kinder Erwachsenen in der Bewertung des Pflegegrads gleichgestellt, allerdings erfolgt die Bewertung bei Kindern bis zum elften Lebensjahr immer mit oben genannten Vergleichstabellen. Bei pflegebedürftigen Kindern wird der Pflegegrad durch den Vergleich der Beeinträchtigung ihrer Selbstständigkeit und ihrer Fähigkeiten mit altersentsprechend entwickelten Kindern ermittelt.

Ab einem Alter von elf Jahren gilt ein Kind als selbstständig in allen Bereichen, die in die Berechnung des Pflegegrads einfließen. Ab diesem Alter wird der Pflegegrad bei Kindern genauso ermittelt wie bei Erwachsenen.

Autor: md / © EU-Schwerbehinderung



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Die Koalition plant Pflegereform

Bildbeschreibung: Eine ältere Frau.
Foto: © Mircea Iancu

Eine Pflegereform plant die Große Koalition zufolge einem Medienbericht. Ab dem nächsten Jahr sollen die Leistungen an die Preisentwicklung angepasst werden und somit steigen, sagte Erwin Rüddel (CDU), Chef des Gesundheitsausschusses im Bundestag, dem Nachrichtenportal ThePioneer (Montag). Dabei bezieht sich Rüddel auf dem Teil der Pflegekosten, die von der Pflegeversicherung übernommen werden. So sind die Zahlungen abhängig vom Pflegegrad. Die Bundesregierung ist gesetzlich verpflichtet, in diesem Jahr zu prüfen, ob eine Anpassung erforderlich ist. Zuletzt waren die Leistungen Anfang 2017 angepasst worden.

Rüdel sagte gegenüber „ThePioneer“, "In der vergangenen Legislaturperiode haben wir viel für die ambulante Pflege gemacht. Jetzt müssen wir etwas für die stationäre Pflege tun. Je unattraktiver die stationäre Versorgung ist, desto mehr entscheiden sich für die ambulante Pflege, die für die Sozialsysteme deutlich teurer ist." Rüddel betonte ferner, es gehe darum, eine Überforderung bei den Eigenanteilen zu verhindern. "Ich bin dafür, dass die staatliche Förderung für private Pflegevorsorge ausgeweitet wird", so der CDU-Politiker.

Es sollen keine höheren Belastungen für die Betragszahler geben, nach Rüddels Worten. „Wir werden verhindern, dass diese Pflegereform gleich nach ihrem Start zu einer Erhöhung des Beitragssatzes führt. Eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte wollen wir alle“, sagte Rüddel. „Nur ist das eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und nichts, was man aus Beitragsmitteln finanzieren sollte.“

Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Alten- und Pflegepolitik von den Grünen teilt zu den Plänen der großen Koalition zur Pflegereform mit:

Der Vorschlag von Erwin Rüddel, die staatliche Förderung für die private Pflegevorsorge auszuweiten, ist ein totes Pferd. Aktuelle Meldungen zeigen doch, dass die Beiträge für die privat Versicherten förmlich explodieren. Das ist keine soziale und nachhaltige Form der Pflegefinanzierung. Wenn wir eine gute Pflege sowie qualifiziertes Pflegepersonal in angemessener Zahl gewinnen und trotzdem die Beitragssätze der Pflegeversicherung stabil halten wollen, dann brauchen wir eine Pflege-Bürgerversicherung, die die finanziellen Lasten auf allen Schultern gerecht verteilt.

Die Ankündigung, die Leistungen der Pflegeversicherung regelmäßig an die Preisentwicklung anzupassen, ist hoffentlich ernster gemeint, als es in der Vergangenheit gehandhabt wurde. Bisher hat die Bundesregierung nur Prüfaufträge erteilt, die sich allzu oft als Lippenbekenntnisse herausgestellt haben, da die Leistungen der Pflegeversicherung nur unregelmäßig angepasst worden sind. Die Pläne sind zwar begrüßenswert, aber als echte Reform der Pflegeversicherung vollkommen unzureichend. Die pflegebedürftigen Menschen brauchen jetzt eine schnelle finanzielle Entlastung. Sie ächzen unter ständig steigenden Eigenanteilen, die jetzt schon im Schnitt bei über 2000 Euro im Monat liegen und immer mehr Menschen in die Sozialhilfe treiben. Wir fordern deshalb mit unserem Konzept der doppelten Pflegegarantie, die Eigenanteile sofort zu senken und dauerhaft zu deckeln.

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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Pflege- und Behindertenheime öffnet Mecklenburg-Vor­pommern

Bildbeschreibung: Ein Mann mit einer Frau auf einer Bank.
Foto: © FERNANDO TRIVIÑO

Für Bewohner in Pflegeheimen und weiteren Betreuungseinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern endet die Zwangsisolation, die wegen der Corona-Krise seit Wochen herrscht. Die Sozialministerin Stefanie Drese teilt mit: In Abstimmung mit dem Expertengremium „Pflege und Soziales“ sei eine weitreichende Öffnungen der voll- und teilstationären Pflegeeinrichtungen geplant, sowie für besondere Wohnformen für Menschen mit Behinderung. Eine entsprechende Verordnung hat das Ministerium erarbeitet. Sie soll am 13. Juli in Kraft treten.

Änderungen und deutliche Lockerungen gelten auch für die 24 Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, Tagesgruppen und Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation.

„Die anhaltend geringen Infektionszahlen in Mecklenburg-Vorpommern ermöglichen nun auch im Pflege- und Sozialbereich endlich weitgehende Lockerungen“, betont Drese. „Die bisherigen gravierenden Einschränkungen waren mit schmerzlichen Entbehrungen verbunden. Ich freue mich deshalb sehr für die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflege- und Betreuungseinrichtungen und ihre Familien, dass die Einrichtungen ab dem 13. Juli für mehrere Stunden am Tag öffnen“, so Drese. Auch in den Tagespflegen sowie Werk- und Tagesstätten für Menschen mit Behinderung kehre damit ein Stück Normalität zurück.

Die neue Corona-Verordnung im Bereich Pflege und Soziales sieht vor, dass der Besuch und das Betreten von Einrichtungen, Angeboten und Diensten in der Pflege und Eingliederungshilfe (Menschen mit Behinderung) grundsätzlich auch für Personen, für die die Einrichtung nicht der Wohn- oder Arbeitsort ist, erlaubt ist.

In den Altenpflegeeinrichtungen hat die Einrichtungsleitung Öffnungszeiten für Besuche in einem Umfang von mindestens vier Stunden am Tag, über die Woche angemessen verteilt auf die Vormittags-, Nachmittags- und Abendstunden, einzurichten. Dabei sollen sowohl die Gebäude als auch die Freiflächen der Einrichtung genutzt werden.

Drese: „Jede Bewohnerin und jeder Bewohner hat die Möglichkeit, regelmäßig Besuch zu empfangen.“

Voraussetzung ist, dass in der Einrichtung kein aktives Corona-Virus SARS-CoV-2-Infektionsgeschehen oder der Verdacht auf ein solches besteht und in der Region kein erhöhtes Infektionsgeschehen zu verzeichnen ist. Darüber hinaus muss jede Einrichtung ein einrichtungsspezifisches Schutzkonzept erstellen beziehungsweise anpassen und eine Tagesanwesenheitsliste führen. Für die Bewohnerinnen und Bewohner sowie das Personal wird täglich eine Symptomkontrolle durchgeführt und das Ergebnis dokumentiert. Bei Coronaverdacht erfolgt unverzüglich eine Testung durch direkten Erregernachweis (PCR).

Drese: „Mit unserer neuen Landesverordnung hält ein Paradigmenwechsel im Bereich der Pflege- und Behinderteneinrichtungen Einzug. Aus Besuchsverboten mit Ausnahmen werden Öffnungen unter Auflagen.“

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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Beiträge zur privaten Pflegeversicherung steigen um bis zu 110 Prozent an

Bildbeschreibung: Ältere Frau im Fordergrund und im Hintergrund im Gras sitzend, eine junge Familie.
Foto: © Altmann/EU-Schwerbehinderung

Als unverzichtbar gilt die private Pflegezusatzversicherung, um im Ernstfall gut versorgt zu sein. Jedoch erleben nun Versicherte seit kurzem eine unangenehme Überraschung, denn die Beträge für private Zusatzpolicen steigen massiv an.

Der Aufschlag bei den Policen lege bei bis zu 110 Prozent, laut der „Welt am Sonntag (Wams).“ So müssten teil Versicherte mit 50 oder gar 100 Euro mehr für ihrer Pflegezusatzversicherung rechnen. Nun erreichen Verbraucherschützer unterdessen zahlreiche Anfragen zu den massiven Beitragserhöhung, laut Bericht.

Dabei sei etwa in einem Fall, ein Ehepaar, welches seine private Pflegezusatzversicherung bei der zum Sparkassenverbund gehörenden Union Krankenversicherung (UKV) nach der Beitragserhöhung rund 120 Euro mehr pro Monat zahlen müsste laut „Wams“.

"Es ist ein Skandal, dass die Menschen jahrelang die Prämien gezahlt haben und nun, kurz bevor es auf den Versicherungsschutz ankommt, auf einmal Steigerungen der Beiträge von bis zu 110 Prozent akzeptieren sollen", sagt der Chef der Verbraucherzentrale NRW, Wolfgang Schuldzinski gegenüber der „Welt am Sonntag“. Dabei fordert er die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (Bafin), die Beitragserhöhungen genauer zu überprüfen, ob die Erstkalkulation der Beiträge zu niedrig ausgefallen sei, um die Versicherung wieder attraktiver zu machen.

So sei wer sich dagegen wehren will auf den Rechtsweg angewiesen. So fordert Schuldzinsk die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) auf, „diese enormen Beitragssprünge stellvertretend für alle Versicherten vorab ausreichend unter die Lupe zu nehmen“.

Hingegen sehen die Versicherer in diesem Fall keine Schuld bei sich. Dabei verweisen sie gegenüber der „Wams“ darauf, dass den Erhöhungen eine längere Phase der Beitragsstabilität vorausgegangen sei. "Wir konnten die Beiträge in den vergangenen zwei Jahrzehnten sehr stabil halten, auch im Jahr 2019 hatten wir keinerlei Anpassungen", sagt ein Sprecher der Union Krankenversicherung (UKV) und Bayerischen Beamtenkrankenkasse (BBKK) gegenüber der „Wams“. Die Beitragserhöhungen seien auch durch Gesetzesänderungen ausgelöst worden und lägen im Durchschnitt deutlich niedriger, so der Unternehmenssprecher.

Pflegebedürftige haben seit seiner Gesetzesänderung früher mehr Anspruch auf Leistungen, dieses entlastet die Angehörigen, jedoch wird dieses teurer für die Versicherer. Laut der „Wams“ stiegt die Zahl der Leistungsempfänger von 2,8 Millionen im Jahr 2016 auf 3,7 Millionen in Jahr 2018. Dazu müssen die Anbieter auch deutlich mehr und länger für die Pflege eines einzelnen Patienten zahlen. In Form von Beitragserhöhungen geben sie die zusätzlichen Kosten hierfür weiter.

So beschäftigen neben der UKV und der BBKK in erster Linie die Versicherungen DKV und Central Verbraucherschützer, zahlreiche Anfragen von Versicherungsnehmern gehen ein. Gegenüber der „Wams“ erklärt die DKV, so habe man 82 Millionen Euro eingesetzt, um die Erhöhung für die Kunden auf 29,9 Prozent zu begrenzen.

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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Huml baut Versorgung von Pflegebedürftigen weiter aus

Bildbeschreibung: Eine ältere Frau die sich die Hände mit Creme einreibt
Foto: © PeachMoon

Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml baut die Versorgung und Betreuung für Pflegebedürftige im Freistaat weiter aus. Huml betonte am Samstag: "Das bayerische Gesundheits- und Pflegeministerium hat jetzt das sogenannte Interessenbekundungsverfahren für die regionale Fachstelle für Demenz und Pflege in Oberbayern gestartet. Damit haben interessierte Träger die Gelegenheit, sich bis spätestens 30. September 2020 mit einem Grobkonzept zu bewerben."

Für die Errichtung und den Betrieb der Fachstelle (vormals Demenzagentur) ist eine Förderung von bis zu 288.000 Euro pro Jahr vorgesehen. Die Fachstelle wird im Rahmen eines Modellprojektes zunächst für die Dauer von drei Jahren gefördert. Eine Verlängerung des Förderzeitraums ist möglich. Mit der für Ende 2020 geplanten Eröffnung der Fachstelle in Oberbayern wird dann in jedem Regierungsbezirk eine Fachstelle für Demenz und Pflege zur Verfügung stehen.

Die Ministerin erläuterte: "Die Fachstellen werden die Versorgungsstrukturen und Hilfsangebote für Pflegebedürftige und deren Angehörige in der Region vorantreiben. Zudem sind sie Anlaufstellen für unterschiedliche Beratungs- und Unterstützungsstrukturen, wie zum Beispiel Pflegestützpunkte, Fachstellen für pflegende Angehörige sowie Angebote zur Unterstützung im Alltag. Mein Ziel ist es, Pflegebedürftigen sowie Menschen mit Demenz bis zuletzt ein möglichst eigenständiges und selbstbestimmtes Leben in der Mitte der Gesellschaft zu ermöglichen."

In Bayern sind aktuell 240.000 Menschen von Demenz betroffen, davon werden rund drei Viertel zu Hause betreut und versorgt. In mehr als der Hälfte aller Fälle leben die häuslich Pflegenden mit den Betroffenen in einem gemeinsamen Haushalt.

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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AOK: Jeder dritte Bewohner in Pflegeheimen ist auf Sozialhilfe angewiesen

Bildbeschreibung: Eine Frau mit einem Rollator.
Foto: © cc0 / EU-Schwerbehinderung

Fast jeder dritte Bewohner in einem Pflegeheim muss Leistungen der Sozialhilfe in Anspruch nehmen. So können 37,3 Prozent der Pflegeheimbewohner von stationären Pflegeeinrichtungen die fälligen Zuzahlungen nicht aus eigener Kraft finanzieren, heißt es im Gesundheitsreport der AOK Rheinland/Hamburg, der dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Am Freitag hatte die Düsseldorfer „Rheinische Post“ zuerst darüber berichtet. Danach wird eine Zuzahlung im Schnitt von 722 Euro pro Monat für die Pflege fällig, darin seien etwa die Unterkunft und Verpflegung noch nicht mit eingerechnet.

Hiernach sei besonders hoch ist der Anteil der Sozialhilfebezieher in Heimen in Hamburg, wo mehr als die Hälfte (57,3 Prozent) Hilfe zur Pflege bekommt. Im Rheinland sind vor allem in Oberhausen (45,3 Prozent) und Mönchengladbach (45,2 Prozent) besonders viele Pflegeheimbewohner auf diese Unterstützung angewiesen. Dabei haben den geringsten Anteil an Sozialhilfebeziehern in der stationären Pflege Heime in den Kreisen Düren (19,4 Prozent) und Euskirchen (21,4 Prozent).

Eine finanzielle Entlastung der Bewohner von Pflegeheimen mahnt die AOK Rheinland/Hamburg an. "Die bisherige Überforderung der Betroffenen und Angehörigen bei der Zuzahlung im Pflegeheim muss zeitnah auf ein faires Niveau zurückgeführt werden", erklärte Vorstandschef Günter Wältermann am Freitag in Düsseldorf.

Der Eigenanteil, den die Pflegebewohner zahlen müssen, hat sich in den letzten Jahren immer mehr erhöht. Dafür ist ein Grund, dass die Pflegeversicherung nur einen festen vom Pflegegrad abhängigen Betrag übernimmt, jedoch dabei die Kostensteigerung wie etwa durch Lohnerhöhungen nicht auffängt.

Autor: md / © EU-Schwerbehinderung



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FDP will Videotelefonie in Alten- und Pflegeheimen

Bildbeschreibung: Ein Senior der ein Smartphone in der Hand hält.
Foto: © cc0 / EU-Schwerbehinderung

Nach dem Willen der FDP-Fraktion soll Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen der Zugang zu Videotelefonie ermöglicht werden. In einem Antrag Drucksache: 19/20531 fordert sie die Bundesregierung auf, ein Förderprogramm in Höhe von 70 Millionen Euro aufzulegen. Kurzfristig sei dabei prioritär die Bereitstellung eines Internetzugangs sowie die Beschaffung der Basisausstattung in den Einrichtungen zu berücksichtigen.

In dem Antrag 19/20531 heißt es:

Mit einem stetig steigenden Risiko für einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf gehören ältere Menschen zu einer besonders schutzbedürftigen Risikogruppe. 86 Prozent der in Deutschland an Covid-19 Verstorbenen waren 70 Jahre alt oder älter. Der Altersdurchschnitt aller mit einer Covid-19-Erkrankung Verstorbenen liegt bei 81 Jahren (Robert Koch-Institut, Täglicher Lagebericht, 25.05.2020). Aufgrund dieser stärkeren Gefährdung sind derzeit die Pflege- und Seniorenheime von sehr strengen Hygiene- und Besuchsvorschriften betroffen. Was die Bewohnerinnen und Bewohner vor einem schweren Verlauf der Covid-19-Krankheit schützen soll, führt in vielen Fällen zu Einsamkeit, Verzweiflung und mit sozialer Isolation verbundenen anderen psychischen und physischen Problemen.

Dabei besteht gerade in dieser Ausnahmesituation Hoffnung in den Möglichkeiten der Online-Kommunikationsformen. Die familiäre Bindung braucht den regelmäßigen Kontakt und den fortlaufenden Austausch. Dieser ist genauso wichtig für die Großelterngeneration wie für die Enkel, die ebenso von den Kontaktbeschränkungen betroffen sind. Gerade in Krisenzeiten wissen die Menschen, wie wichtig die Unterstützung durch die eigene Familie ist. Sie bietet Halt und Trost, selbst in schwierigsten Zeiten. 15 Jahre nach Einführung der ersten mobilen Endgeräte mit Videotelefonie, sollten diese digitalen Möglichkeiten auch für Bewohner von Pflegeeinrichtungen keine Zukunftstechnologie mehr sein, sondern flächendeckend zur Verfügung stehen.

Die Liberalen begründen ihren Antrag mit den strengen Hygiene- und Besuchsvorschriften während der Corona-Pandemie, um die Risikogruppe älterer Menschen zu schützen. Um diese Menschen jedoch vor Vereinsamung und Isolation zu bewahren, müssten verstärkt die Möglichkeiten der Online-Kommunikation genutzt werden. Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen würden jedoch lediglich ein Drittel der Altenheime ihre Bewohner mit einem Internetzugang versorgen.

Autor: md / © EU-Schwerbehinderung



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Neue Initiative: Für eine nachhaltige Pflegereform

Bildbeschreibung: Mehrere Frauen und Männer mit einer Mundmaske.
Foto: © Rusty Watson

Ein starkes Bündnis für eine nachhaltige und generationengerechte Pflegereform. Der Arbeitgeberverband Pflege, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV), der dbb beamtenbund und tarifunion, die Denkschmiede Gesundheit und der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe e.V. (VDAB) haben Leitplanken für die kommende Pflegereform erarbeitet.

Viele aktuelle Überlegungen über Leistungsausweitungen in der Pflege lassen außer Acht, wie diese in einer alternden Gesellschaft nachhaltig finanziert werden sollen. Eine auch für zukünftige Generationen bezahlbare Pflege bedarf indes einer demografiefesten Finanzierung. Dies muss eine Leitplanke der anstehenden Pflegereform sein – ebenso wie gute Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte und der Wettbewerb verschiedener Anbieter. Die Initiativpartner setzen sich deshalb für einen „New Deal“ in der Pflege ein.

Thomas Knieling, Bundesgeschäftsführer VDAB:
„Wir brauchen eine Neuaufstellung der Pflegefinanzierung, um die Anforderungen der Zukunft erfolgreich zu bewältigen. Vor dem Hintergrund steigender Herausforderungen durch die demografische Entwicklung, den Fachkräftemangel und das immer instabiler werdende Finanzierungssystem müssen dabei Investitionen in die Versorgungsstrukturen gesichert werden.

Die private professionelle Pflege ist das Rückgrat der Pflege. Die Politik muss anerkennen, dass vor allem mehr unternehmerische Gestaltungsfreiheit und eine Flexibilisierung professioneller pflegerischer Angebote die Versorgungssicherheit auch in Zukunft sichern kann. Der private Mittelstand ist bereit, im Rahmen eines ´New Deal´ Verantwortung zu übernehmen und als starker Partner eine nachhaltige Pflegereform zu unterstützen.“

Autor: vdap / © EU-Schwerbehinderung



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Kliniken: Corona-Prämie für alle Beschäftigten!

Bildbeschreibung: Eine Frau mit einer Mundmaske.
Foto: © Rusty Watson

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft sieht sich in vielen Punkten einig mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), die am 1 Juli 2020 ihre Lehren aus der Corona-Pandemie der Öffentlichkeit präsentiert hat. „Vorhaltekosten und Investitionen müssen auskömmlich finanziert, die Potenziale der Digitalisierung genutzt und für Schutzausrüstung muss Vorsorge getroffen werden – in all diesen Fragen ziehen wir mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft an einem Strang“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler. „Unser wichtigstes gemeinsames Anliegen ist die rasche Einführung einer bedarfsgerechten Personalbemessung. Der Bundesgesundheitsminister steht in der Pflicht, die PPR 2.0 schnell per Gesetz auf den Weg zu bringen.“ Gemeinsam mit der DKG und dem Deutschen Pflegerat hat ver.di bereits im Januar ein Instrument zur Personalbemessung in der Pflege, die PPR 2.0, vorgestellt.

„Überhaupt nicht einverstanden sind wir allerdings mit der generellen Aussetzung der Pflegepersonaluntergrenzen“, betonte Bühler. „Die Untergrenzen sind weit davon entfernt, eine bedarfsgerechte Versorgung zu ermöglichen. Sie sind das Minimum, mit dem eine akute Patientengefährdung ausgeschlossen werden soll. Sie pauschal auszusetzen ist der falsche Weg.“

Der engagierte Einsatz der Klinikbeschäftigten werde zu Recht öffentlich gewürdigt. „Wie ihre Kolleginnen und Kollegen in der Altenpflege haben auch die Beschäftigten der Krankenhäuser eine Prämie als Anerkennung ihrer besonderen Leistungen verdient“, so die Gewerkschafterin. In der Altenpflege erhalten alle Beschäftigten eine einmalige Sonderzahlung von bis zu 1.500 Euro, was auch auf eine ver.di-Initiative zurückgeht. DKG-Präsident Dr. Gerald Gaß hatte zuvor bedauert, dass die Prämie nicht auch für Klinikbeschäftigte gezahlt wird. Bühler verwies in diesem Zusammenhang auf die Erhöhung des Pflegeentgelts, das vollständig in den Kliniken verbleibt. „Diesen Spielraum sollten die Krankenhäuser nutzen, um die Leistungen aller Beschäftigten mit einer Prämie zu honorieren – selbst wenn der Gesetzgeber hier nicht tätig wird.“

Beim Finanzierungssystem über Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups, DRG) sieht ver.di grundsätzlichen Änderungsbedarf. „In der Pandemie ist noch einmal deutlich geworden, dass das DRG-System die falschen Anreize setzt“, erklärte Bühler. „Die Herausnahme der Pflegepersonalkosten aus den Fallpauschalen ist ein erster richtiger Schritt. Es müssen weitere folgen. Das DRG-System insgesamt sollte durch eine bedarfsgerechte Finanzierung ersetzt werden, um eine hochwertige Versorgung und gute Arbeitsbedingungen zu ermöglichen.“

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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Nationale Demenzstrategie im Bundeskabinett beschlossen

Bildbeschreibung: Ein ältere Mann.
Foto: © VÍctor Daniel Giraldo

Gestern wurde im Bundeskabinett die Nationale Demenzstrategie beschlossen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) ist aktiver Partner bei der Entwicklung und umso mehr bei der Umsetzung der Nationalen Demenzstrategie.

„Schon jetzt sind rund 1,6 Millionen Menschen in Deutschland von Demenz betroffen. Mit der weiter steigenden Lebenserwartung wird diese Zahl weiter zunehmen“, betont Gerda Hasselfeldt, Präsidentin der BAGFW. „Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, Voraussetzungen zu schaffen und Strukturen zu etablieren, die den Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen ein würdevolles Leben ermöglichen. Die Nationale Demenzstrategie ist dafür ein wichtiger Schritt.“

Gemeinsam mit den Ministerien, Ländern und Kommunen sowie einer Vielzahl von Organisationen hat die BAGFW die Nationale Demenzstrategie mitentwickelt. Die BAGFW leitete in dem Prozess gemeinsam mit dem BMG die Arbeitsgruppe „Medizinische und Pflegerische Versorgung für Menschen mit Demenz weiterentwicklen“ und wirkte in zwei weiteren Arbeitsgruppen aktiv mit.

Ziel der Demenzstrategie ist es, das Leben von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern. Hierfür wurden Maßnahmen erarbeitet, die die medizinische und pflegerische Versorgung für Menschen mit Demenz verbessern, mehr Teilhabe und eine bessere Unterstützung der Angehörigen ermöglichen sowie entsprechende Forschung fördern.

Marcus Weinberg, der seniorenpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion teilt zur Nationalen Demenzstrategie mit:

„Der Bund bündelt und intensiviert seine Kräfte zur Unterstützung an Demenz Erkrankter und ihrer Angehörigen. Das ist ein gutes Zeichen. Denn von Demenz sind in Deutschland derzeit 1,6 Millionen Menschen und ihre Familien und Freunde betroffen – und nicht selten mit der Pflege und der Veränderung eines lieben Menschen überfordert. Diese Zahl wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Die Nationale Demenzstrategie setzt nun verbindliche Ziele. So haben zum Beispiel insbesondere in der Zeit nach der Diagnose Betroffene viele Fragen und brauchen Unterstützung. Dafür werden die Angebote ausgebaut. Insgesamt wurden 160 Maßnahmen unter Mitarbeit eines breiten Bündnisses von Akteuren erarbeitet.“

Unter Federführung der beiden Bundesministerien für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie Gesundheit haben weitere Ministerien, die Bundesländer und Kommunen, Selbsthilfeorganisationen der Betroffenen, zivilgesellschaftliche Organisationen, die Wissenschaft, die medizinischen und pflegerischen Leistungserbringer sowie die Sozialversicherungsträger an der NDS gearbeitet und sich nun verpflichtet, die 162 Einzelmaßnahmen durchzuführen.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) als Vertreterin von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen war in der Steuerungsgruppe als Co-Vorsitzende aktiv. „Es ist gut, dass die Nationale Demenzstrategie kommt und das Thema – wie in anderen Ländern auch – endlich eine angemessene Bedeutung erhält“ sagt Monika Kaus, 1. Vorsitzende der DAlzG. „Der Prozess war ein zähes Ringen und wir hätten uns für die Strategie mehr verbindliche Maßnahmen mit entsprechender finanzieller Förderung gewünscht. Wir erwarten , dass jetzt alle Beteiligten zeitnah mit den verabredeten Maßnahmen der Initiative beginnen. Die NDS gibt dafür den Rahmen vor, damit die Akteure besser zusammenarbeiten können.“

Autor: md / © EU-Schwerbehinderung



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Pflegeheim Celle offenbar Bewohner misshandelt

Bildbeschreibung: Eine ältere Frau.
Foto: © Brandon Hoogenboom

In einem Heim sollen offenbar, in der Nähe des Stadtfriedhofs mehrere Bewohner schwer misshandelt worden sein. Die „Süddeutschen Zeitung“ berichtet, dass gegen eine 26-Jährige Frau sowie zwei 27 und 31 Jahre alten Männern, die in dem Pflegeheim gearbeitet hatten, ein Verfahren eingeleitet wurde. Dabei gehe es bei dem Verfahren um den Verdacht der Freiheitsberaubung und der Körperverletzung. Zurzeit würden die Vorwürfe geprüft werden, so die Sprecherin der Anklagebehörde am Dienstag. Fotos und Videos haben die dreie gemacht, diese verletzen den höchstpersönlichen Lebensbereich der Betroffenen. So zeige ein Foto einen Bewohner, der mit einer Decke im Bett festgebunden worden sei, das er sich kaum bewegen könne.

Sowie auf einem anderen Bild sei ein Bewohner zu sehen, dessen klaffende Wunde am Bein eines Bewohners zu sehen, dem wenige Tage zuvor der Unterschenkel amputiert worden war. Das Pflegepersonal habe der Mann nachts gebeten ihn auf die Toilette zu begleiten. Daraufhin sei die Antwort gewesen, er habe doch eine Vorlage, "wo er reinscheißen kann". Daraufhin habe er versucht, aus eigener Kraft zur Toilette zu kommen. Dabei seien die Nähte geplatzt, ein Rettungswagen habe den Mann ins Krankenhaus gebracht.

Zudem schreibe in einem Chat eine beschäftigte Pflegekraft im Haus einer Kollegin, Bewohner würden mit Decken die ganze Nacht über fixiert, damit ihre Vorlagen, also ihre Inkontinenz-Windeln, nicht verrutschten, so die berichtete die "Süddeutsche Zeitung (SZ)." Das sei in dem Haus nicht ungewöhnlich, "das machen sie hier alle so". Bewohner lägen in dieser Position dann stundenlang in ihren Ausscheidungen und würden vom Personal nicht umgelagert. An Dritte sollen die Aufnahmen weitergeben wurden sein. Dafür könne eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe verhängt werden, so die Staatanwaltschaft.

Markus Mai, der Präsident der Pflegekammer Rheinland-Pfalz, kenne die Fotos aus dem Pflegeheim. Zur "SZ" sagte er, was dort geschehen sei, “grenzt an Folter”. Das Fixieren von Bewohnern sei nur in absoluten Ausnahmefällen erlaubt und setze einen richterlichen Beschluss voraus, so Mai weiter. Von der Unternehmensgruppe die Geschäftsführerin, die unter anderem das Heim betreibt, sagte auf Nachfrage der "SZ", auch ihr seien “schlimme Vorfälle” aus dem Heim bekannt geworden. Sie habe deshalb Mitte Mai drei Pflegekräfte entlassen und zudem Strafanzeige gegen sie gestellt. So wolle sie sich nicht zu den genauen Vorwürfen äußern, da die Verfahren noch nicht abgeschlossen seien. Die Angehörigen der Geschädigten seien aber informiert worden und hätten Anzeigen gegen die entsprechenden Pflegekräfte gestellt.

Nadya Klarmann, Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen äußert sich zu den mutmaßlichen Misshandlung Vorfällen in Celle:

„Die Informationen rund um die mutmaßlichen Vorfälle in einem Pflegeheim in Niedersachsen haben uns schwer erschüttert. Solche Missstände sind nicht zu akzeptieren. Wenn wir verhindern wollen, dass es so weitergeht, müssen wir endlich handeln. Grundsätzlich leisten Pflegefachpersonen unter oft widrigen Bedingungen hervorragende Arbeit. Sie setzen sich über alle Maßen dafür ein, dass die Ihnen anvertrauten Pflegebedürftigen professionell pflegerisch versorgt werden. Die Rahmenbedingungen unter denen die Pflegefachpersonen ihren Beruf ausüben, sind teilweise unhaltbar. Personalnot, ständige Erreichbarkeit, hohe psychische Belastung, Einspringen aus den freien Tagen gepaart mit geringer Bezahlung führen dazu, dass viele Kolleginnen und Kollegen aus dem Job aussteigen.

Die Kammerversammlung der Pflegekammer Niedersachsen wird sich mit Hochdruck damit beschäftigen, Lösungen zu entwickeln, wie zukünftig mit solchen Vorfällen umgegangen werden soll. Die Heimaufsichtsbehörden und der Medizinische Dienst der Krankenversicherung sind wichtige Instanzen, um die Patientensicherheit und die Pflegequalität sicherzustellen. Daher ist dringend erforderlich, dass die Begehung von Heimen standardmäßig durch Pflegefachpersonen begleitet wird. Das trifft bislang in den seltensten Fällen zu.

Viele Angehörige, aber auch Pflegende wissen oft nicht, an wen sie sich vertrauensvoll wenden können, wenn ihnen Missstände bekannt werden. Beschäftigte der Einrichtungen haben oft Angst, ihre Arbeit zu verlieren oder aus dem Team ausgeschlossen zu werden. Angehörige befürchten, dass Beschwerden die Situation für ihre pflegebedürftigen Familienmitglieder verschlechtern könnten. Hier braucht es eine neutrale Anlaufstelle, die dann in Zusammenarbeit mit den ohnehin bestehenden Instanzen wie Heimaufsicht und medizinischer Dienst der Krankenversicherung prüft, ob und in welchen Bereichen die Pflegequalität gefährdet ist und mit den Pflegeeinrichtungen konstruktive Lösungen erarbeitet.“

Anlässlich aktueller Ermittlungen gegen ehemalige Mitarbeitende eines Celler Alten- und Pflegeheims, reagiert Niedersachsen Gesundheitsministerin Carola Reimann von der SPD schockiert und kündigt eine Beschwerdestelle für die Pflege an:

„Ich bin entsetzt über diese Vorfälle und erwarte eine lückenlose Aufklärung! Freiheitsentziehende Maßnahmen müssen immer die absolute Ausnahme bleiben und bedürfen der richterlichen Anordnung. Die Lage von Pflegebedürftigen darf nicht ausgenutzt werden, sie dürfen weder Gewalt, Vernachlässigung noch finanzieller Ausbeutung ausgesetzt sein.

Deswegen werden wir mit den neuen Nds. Pflegegesetz in Niedersachsen ein Whistleblowing-System in der Pflege einführen - Pflegekräfte sowie Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollen künftig Missstände oder Anhaltspunkte für Gefährdungen an eine Beschwerdestelle melden können, bei Bedarf auch anonym.

Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sowie Beschäftigte in der Pflege werden sich somit in Niedersachsen künftig an eine neutrale und unabhängige Stelle wenden können, um Missstände in der pflegerischen Versorgung aufzuzeigen und Hilfe zu erhalten. Die Meldungen können auch anonym erfolgen. Die Beschwerdestelle für den Pflegebereich soll zentral im Sozialministerium angesiedelt werden.

Ich sehe hier einen wichtigen Baustein, um die Qualität der pflegerischen Versorgung in Niedersachsen weiter zu verbessern.

Autor: md / © EU-Schwerbehinderung



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Studie: Corona-Krise belastet pflegende Angehörige

Bildbeschreibung: Ein Mann mit einer Mundmaske.
Foto: © Holger Langmaier

Die Corona-Pandemie belastet auch die häusliche Pflege. Rund ein Drittel der pflegenden Angehörigen erlebt eine Verschlechterung der Pflegesituation. 24 Prozent sind besorgt, die Pflege in Corona-Zeiten nicht mehr zu schaffen. Besonders schwierig ist die Situation für Angehörige von Menschen mit Demenz. Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege wird noch herausfordernder. Dies zeigen die Ergebnisse eines gemeinsamen Forschungsprojekts des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) und der Charité - Universitätsmedizin Berlin.

Etwa 4,7 Millionen pflegende Angehörige tragen einen erheblichen Teil zur Versorgung pflegebedürftiger Menschen in Deutschland bei. Sie waren schon vor der Pandemie physisch und vor allem psychisch teilweise stark belastet. Während in der Corona-Krise vor allem die Lage in Kliniken oder Pflegeheimen wahrgenommen wird, droht die häusliche Pflege übersehen zu werden. Dabei leben dort die meisten pflegebedürftigen Menschen. Darum hat eine gemeinsame Forschungsgruppe des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) und der Charité - Universitätsmedizin Berlin in einer Studie untersucht, welchen Einfluss die SARS-CoV-2-Pandemie bisher auf pflegende Angehörige und die häusliche Pflegesituation hat. Dafür wurden bundesweit 1.000 Personen befragt.

Demnach berichten 32 Prozent der Befragten, die Pflegesituation habe sich angesichts der Pandemie verschlechtert. Dass sie diese Situation mehr oder weniger überfordert, sagt ein Viertel. 24 Prozent sind besorgt, die häusliche Pflege nicht mehr zu schaffen. Dabei haben Gefühle der Hilflosigkeit in der Pflegesituation bei 29 Prozent der Angehörigen zugenommen. Eine Steigerung belastender Konflikte mit der pflegebedürftigen Person geben 24 Prozent an. In Bezug auf Verzweiflungsgefühle sagen 22 Prozent, diese seien mehr geworden. Ein Fünftel berichtet, Wut und Ärger in der Pflegesituation seien gewachsen.

"Unsere Studie weist darauf hin, dass sich nicht wenige pflegende Angehörige mit zusätzlichen Sorgen im Gepäck durch die Corona-Zeit kämpfen müssen. Denn sie tragen oft große Verantwortung für die Gesundheit sowie die emotionale und soziale Situation ihrer pflegebedürftigen Nächsten. In der Gemengelage von Infektionsrisiken, Kontaktbeschränkungen und damit verbundenen Unterstützungsverlusten sowie ökonomischer Unsicherheit liegt zusätzliches Überlastungspotenzial", fasst Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP, zusammen.

Angehörige von Menschen mit Demenz spüren Auswirkungen der Krise im Pflegekontext noch häufiger. Von ihnen nehmen 41 Prozent die Pflegesituation als zugespitzt wahr. Eine Überforderung damit gibt hier über ein Drittel an; in Sorge, die häusliche Pflege in Folge der Entwicklungen durch das neue Corona-Virus nicht mehr zu schaffen, sind sogar 35 Prozent. Auch andere belastende Gefühle oder Konflikte haben deutlicher zugenommen als bei pflegenden Angehörigen ohne direkten Demenzbezug. So liegt etwa der Wert für Gefühle der Verzweiflung 14 Prozentpunkte oder der Hilflosigkeit 13 Prozentpunkte höher. In Bezug auf Wut und Ärger in der Pflegesituation liegt die Differenz zwischen beiden Gruppen bei 10 Prozentpunkten - bei belastenden Konflikten noch bei 8 Prozentpunkten.

"Insgesamt deutet sich hier ein Muster in unseren Ergebnissen an", erklärt Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft der Charité- Universitätsmedizin Berlin. "Angehörige, die einen Menschen mit Demenz versorgen, sind in der Corona-Situation potenziell besonders belastet. Denn für Menschen mit Demenz ist es unter anderem wichtig, dass ihre gewohnten Routinen erhalten bleiben. Veränderungen und Stress, die nun gerade vermehrt auftreten, wirken sich nachteilig aus. Auch haben die Betroffenen teilweise erheblichen Bewegungsdrang und verstehen die Pandemie-Regeln oft nicht. Mit den daraus resultierenden Problemen sind pflegende Angehörige jetzt zusätzlich konfrontiert."

Hier wirkt sich vermutlich besonders aus, dass pandemiebedingt weniger Unterstützung in der häuslichen Pflege stattfindet. Laut Befragung sehen sich 40 Prozent der pflegenden Angehörigen insgesamt dadurch Mehrbelastungen ausgesetzt, dass Dienstleistungen und Hilfestrukturen im nahen Wohnumfeld wegfallen. Tagespflegeeinrichtungen konnten in 81 Prozent der Fälle nicht mehr genutzt werden.

Rund zwei Drittel sagen, die Unterstützung durch Dienstleister wie z.B. die Fußpflege (65 Prozent) habe abgenommen oder aufgehört. Vielfach wurde zudem berichtet, dass die Unterstützung durch Nachbarn (43 Prozent), Freunde und Familienmitglieder (32 Prozent) oder den Hausarzt (30 Prozent) abgenommen oder aufgehört habe. Ein Fünftel gibt an, dass ein ambulanter Pflegedienst seltener oder gar nicht mehr genutzt worden ist. Gründe für dieses schrumpfende Netzwerk bestehen unter anderem darin, dass die Unterstützer infolge der Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionswelle ihre Hilfe reduzieren oder ganz einstellen - aber auch darin, dass Angebote zum Beispiel aus Infektionsschutzmotiven nicht mehr in Anspruch genommen werden.

Eine Herausforderung kann für pflegende Angehörige zudem darin bestehen, die zahlreichen Empfehlungen zur Infektionsprävention richtig umzusetzen. Auf Händehygiene zu achten, sich über aktuelle Hinweise zur Corona-Situation zu informieren oder den direkten Kontakt mit anderen Menschen außerhalb des eigenen Haushalts weitgehend zu vermeiden, gelingt den weitaus meisten befragten Angehörigen nach ihrer Selbsteinschätzung gut oder sehr gut. Als schwieriger empfinden sie es aber, herzlichen Körperkontakt wie Umarmungen zu vermeiden, der pflegebedürftigen Person die besondere Situation zu erklären oder sie zu beruhigen. Deutlich über ein Drittel der Befragten gibt an, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes zum Beispiel bei der Körperpflege könnten sie eher oder gar nicht gut umsetzen. 44 Prozent haben Probleme damit, sich selbst nicht ins Gesicht zu fassen. Die Möglichkeit für pflegende Angehörige, die nicht im selben Haushalt wohnen, die Kontakte zur pflegebedürftigen Person stärker auf das Telefon oder Videoübertragungen zu verlagern, funktioniert für 21 Prozent der Befragten eher nicht gut, für 23 Prozent gar nicht gut - aber für etwa die Hälfte eher oder sogar sehr gut.

Die Studie gibt zudem einen Einblick in die Situation erwerbstätiger pflegender Angehöriger: 45 Prozent der Befragten aus dieser Gruppe geben an, dass die Pandemie-Situation die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege für sie noch schwieriger gemacht hat. Wird dabei ein Mensch mit Demenz versorgt, sagen dies sogar 56 Prozent. Zum Zeitpunkt der Befragung arbeiteten insgesamt 28 Prozent der erwerbstätigen pflegenden Angehörigen mehr als sonst oder ausschließlich im Home-Office. Über die Hälfte ist mindestens etwas in Sorge, das neue Virus vom Arbeitsplatz nach Hause zu bringen und dort die pflegebedürftige Person anzustecken. Zugleich berichten berufstätige Angehörige teilweise auch von zusätzlicher ökonomischer Unsicherheit: 13 Prozent sagen, dass sie wegen der Corona-Situation stark oder sehr starke Sorge um ihre berufliche Zukunft haben. In der Einkommensgruppe mit einem monatlichen Bruttoeinkommen unter 2.000 Euro sagen dies sogar 20 Prozent. Adelheid Kuhlmey erläutert dazu: "Eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu erreichen, ist ein zentrales gesellschaftliches Ziel in Deutschland. Die Erkenntnisse unserer Arbeitsgruppe unterstreichen, dass dieses Ziel auch in Krisenzeiten nicht aus dem Auge verloren werden darf. Wenn erwerbstätige pflegende Angehörige produktiv arbeiten, sich gleichzeitig aber stärker um die pflegebedürftige Person kümmern müssen, weil zum Beispiel die Tagespflege geschlossen hat und sie vielleicht noch zusätzlich ihre Kinder unterrichten sollen, dann übersteigt das irgendwann die Grenzen des Leistbaren und ist gefährlich."

Zur Charité- und ZQP-Studie erklärt Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Alten- und Pflegepolitik von den Grünen:

Die Corona-Pandemie ist für viele pflegende Angehörige ein Schlag in die Magengrube. Wo Unterstützungsstrukturen wegfallen und Menschen ohne Hilfe dastehen, geraten sie immer mehr an ihre Belastungsgrenze. Wir fordern als grüne Bundestagsfraktion, dass pflegende Angehörige ein Corona-Pflegegeld erhalten, wenn gewohnte Betreuungs- und Unterstützungsangebote pandemiebedingt nicht mehr zur Verfügung stehen, damit der pflegerischen nicht auch noch eine wirtschaftliche Notsituation folgt.

Gleichzeitig machen wir uns dafür stark, dass pflegende Angehörige mehr Unterstützung erhalten.

Menschen, die sich um pflegebedürftige Menschen kümmern, brauchen nicht nur in der Pandemie-Zeit unmittelbare und unbürokratische Hilfe. Deshalb wollen wir eine kommunal betriebene Notfall-Hotline und ein zentrales, digitales Register mit Notbetreuungseinrichtungen aufbauen, wo wichtige Informationen zusammenfließen und leichter gefunden werden können. Es wird außerdem darauf ankommen, dass die Angebote von Tages- und Kurzzeitpflegeeinrichtungen zeitnah wieder eröffnen, bedarfsgerecht ausgebaut und endlich auskömmlich und nachhaltig finanziert werden.

Darüber hinaus könnte ein lokales Quartiersmanagement, das um hochqualifiziertes Pflegefachpersonal ergänzt wird, als Anlaufstelle für pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige im Dorf, Stadtteil oder Kiez den Weg zu passenden Unterstützungsangeboten ebnen. Gute Pflege sollte nur einen Klick, einen Anruf oder einen Besuch entfernt sein.

Autor: md / © EU-Schwerbehinderung



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Deutscher Pflegerat: „Pflege in der EU zum Thema machen“

Bildbeschreibung: Eine Frau mit einer Mundmaske mit blauen Hintergrund und goldenen Sternen (das Symbol für die EU).
Foto: © Jeyaratnam Caniceus

Deutschland übernimmt am Mittwoch (01 Juli 2020) die EU-Ratspräsidentschaft. Der Deutsche Pflegerat sieht dies als eine große Chance für europaweite Verbesserungen im Gesundheitswesen, hier insbesondere für die pflegerische Versorgung der europäischen Bevölkerung.

„Die Bewältigung der Corona-Krise hat im Gesundheitswesen wie auch im Pflegesystem europaweit Schwachstellen offengelegt, die jetzt analysiert und behoben werden müssen“, weist Irene Maier, Vize-Präsidentin des Deutschen Pflegerats e.V. (DPR), hin. „Europa muss daraus seine Lehren ziehen. Nur so können wir die Pflege für die Zukunft besser vorbereiten und damit die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung europaweit sichern. Deutschland muss die Pflege in der EU zum Thema machen.“

Zu den Themen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft müssen daher aus Sicht des Deutschen Pflegerats „neben der europaweiten Sicherung einer ausreichenden, qualitativ hochwertigen pflegerischen Infrastruktur, die Bereitstellung von Schutzausrüstung, europaweit finanzierte Pflegepersonal-Poolkonzepte sowie eine bessere Kommunikation und Abstimmung und europaweit qualitativ hochwertige Aus- und Fortbildungsinhalte für die Profession Pflege“ gehören. Europa sollte eine Einheit sein. In der Bewältigung der ersten Welle der Corona-Pandemie war Europa dies aber nicht“, macht Maier weiter deutlich.

„Auch kommt Pflege bisher nicht vor, wenn wir vom digitalen Wandel sprechen. Der Deutsche Pflegerat erwartet, dass während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft alle Bereiche der Pflege in die Zukunftstechnologien des digitalen Wandels eingebunden werden.“

Die letzten Monate haben erneut gezeigt, dass „die Profession Pflege in viele Entscheidungen und Krisenstäbe nicht eingebunden ist. Das pflegerische Fachwissen zur Bewältigung der Corona-Pandemie wurde vielfach nicht berücksichtigt. Das Gesundheitswesen braucht europaweit sicherere und schnellere Kommunikationswege zwischen den Behörden, den Einrichtungen sowie der Profession Pflege. Deutschland braucht die Landespflegekammern. Denn auch dies hat die Corona-Pandemie bisher gezeigt, die Kammern können ihre Mitglieder schnell und umfassend mit den richtigen Informationen versorgen.

„Die Einsicht, wie wichtig die Selbstverwaltung der Profession Pflege und ihr Einbezug in die sie betreffende Entscheidungsfindung ist, wäre europaweit eine gute und nachhaltige Lehre aus der Corona-Krise“, betont Maier. „Hierfür muss Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft nutzen. Damit könnte die Profession Pflege in unserem Land an die europäischen Entwicklungen hinsichtlich der Beteiligung der Pflege als Selbstverwaltungspartner im Pflege- und Gesundheitsbereich aufschließen.“

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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