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Europäische Inkontinenz-Studie: Viele Betroffene leiden im Stillen

Bildinhalt: Eine ältere Dame deren Kopf man nur von hinten sieht.
Bildinhalt: Eine ältere Dame deren Kopf man nur von hinten sieht.

Wer den Zeitpunkt der Blasenentleerung nicht mehr selbst bestimmen kann, ist nicht nur körperlich eingeschränkt - auch das psychische Wohlbefinden, das Selbstwertgefühl, Hobbies, Beziehungen und das Sexualleben leiden. Für 74 Prozent der betroffenen Deutschen wirkt sich Harninkontinenz negativ auf ihr Leben aus. Dies ist das Ergebnis der Studie "Breaking the Silence: A European Report" des führenden internationalen Anbieters für Medizin- und Hygieneprodukte, HARTMANN.

Bildbeschreibung: Grafische Darstellung zut Inkontinenz in Deutschland

Betroffene meiden soziale Aktivitäten

Scham, Sorge und Unsicherheit prägen den Alltag der Betroffenen in allen fünf betrachteten Ländern (Deutschland, Frankreich, Schweiz, Spanien, Tschechien). Deshalb ziehen sich die Betroffenen häufig aus dem gesellschaftlichen Leben zurück.

Für fast die Hälfte der Deutschen (45 Prozent) hat Inkontinenz Auswirkungen aufs Liebesleben (Europäischer Durchschnitt: 39 Prozent).

- Sex und Sport sind mit 45 Prozent die Aktivitäten, auf die Betroffene hierzulande am ehesten verzichten.

- In Spanien dagegen haben nur 27 Prozent wegen ihrer Inkontinenz weniger Sex.

- Am meisten in Zurückhaltung üben sich die Tschechen, von denen 52 Prozent auf Sex und 61 Prozent auf Sport verzichten.

Spanier sprechen offen über Inkontinenz, Deutsche streiten häufig ab

In Deutschland leiden mehr als 9 Millionen Menschen unter Inkontinenz, die Dunkelziffer liegt laut der Deutschen Kontinenz Gesellschaft deutlich höher. Wenn die Symptome erstmals auftreten, verdrängen viele das Problem. "Inkontinenz ist eine unterschätzte Volkskrankheit. 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung sind betroffen - je nach Altersgruppe", sagt Dr. Chima Abuba, Leiter HARTMANN Deutschland und ergänzt: "Die Betroffenen schämen sich häufig und das führt zur Sprachlosigkeit: Sie vertrauen sich niemandem an und versuchen, irgendwie klar zu kommen."

Gerade die Deutschen sind Meister im Leugnen, wie der europaweite Vergleich zeigt:

- 59 Prozent der Betroffenen dachten, das Problem werde von selbst wieder verschwinden.

- 75 Prozent waren der Meinung, sie würden allein damit zurechtkommen.

- Viele Betroffene haben hierzulande noch nie mit ihrem Partner (39 Prozent der Befragten in einer Beziehung), ihrer Familie (53 Prozent) oder ihren Freunden (69 Prozent) über ihre Inkontinenz gesprochen.

Eine offene Kommunikation zeigt positive Auswirkungen auf das Selbstvertrauen und die Beziehung: Sechs von zehn Befragten gaben an, sie hätten sich nach dem Gespräch mit ihrem Partner besser unterstützt gefühlt (61 Prozent). Den offensten Umgang mit ihrer Inkontinenz pflegen die Spanier, die sich insgesamt weniger beschämt zeigen als die Betroffenen in den Nachbarländern. Nur 35 Prozent der befragten Spanier in einer Beziehung hat sich dem Partner gegenüber nie geöffnet. Tschechen hingegen sind sehr verschlossen: 53 Prozent von ihnen haben noch nie mit dem Partner gesprochen, viele fühlen sich durch die Inkontinenz älter und weniger attraktiv.

Selbstbestimmung durch Wissen und Integration

Mehr als die Hälfte der befragten Deutschen (52 Prozent) empfindet Harninkontinenz immer noch als gesellschaftliches Tabuthema. Sieben von zehn wünschen sich mehr Informationen (72 Prozent) und 58 Prozent einen offeneren Umgang mit dem Thema in der Gesellschaft.

Besonders die Welt-Kontinenz-Woche bietet einen Anlass, das Tabu zu thematisieren, denn der Bedarf wird steigen. "Aufgrund des demografischen Wandels wird 2050 bereits mehr als jede dritte Person über 60 Jahre alt sein*. Viele werden unter Inkontinenz leiden", erläutert Dr. Chima Abuba und betont: "Es ist deshalb Zeit, das Schweigen über Inkontinenz zu brechen und die Millionen, die damit leben, zu stärken. Die Menschen haben es verdient, ein normales Leben führen zu können."

Zur Studie "Breaking the Silence: A European Report"

Im Auftrag der HARTMANN GRUPPE hat das unabhängige Forschungs- und Analyseunternehmen Edelman Intelligence Online-Interviews durchgeführt mit 2.311 Personen, die an Harninkontinenz leiden (24 Prozent Männer und 76 Prozent Frauen). Befragt wurden Menschen im Alter von über 45 Jahre in Deutschland, Frankreich, Tschechien, Spanien und der Schweiz. Die Stichprobe setzt sich dabei wie folgt zusammen: 505 Befragte in Deutschland, 502 Befragte in Frankreich, 502 Befragte in Tschechien, 502 Befragte in Spanien und 300 Befragte in der Schweiz. Die Untersuchungen fanden im Februar 2019 in den jeweiligen Landessprachen statt.

Weitere Informationen sowie den Studienreport finden Sie unter www.breaking-the-silence.de. *Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2016. Ältere Menschen in Deutschland und der EU

- Harninkontinenz wirkt sich negativ auf alle Lebensbereiche, soziale Beziehungen und Sexualität aus

- 39 Prozent der betroffenen Deutschen in einer Beziehung haben noch nie mit ihrem Partner über das Thema gesprochen

- Die Welt-Kontinenz-Woche vom 17. bis 23. Juni 2019 gibt Anlass, dieses Tabu zu brechen

Quelle: PAUL HARTMANN AG

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