Corona-Impfung für Kinder: Was Eltern jetzt wissen müssen

  • Veröffentlicht: Donnerstag, 02. Dezember 2021 03:28
  • 02 Dez
Bildbeschreibung: Auf dem Bild ist zu sehen Dr. Henriette Rudolph, 2. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie.

Die Europäische Arzneimittelbehörde hat entschieden, den Impfstoff von Biontech Pfizer auch in Europa für Kinder ab fünf Jahren zuzulassen, die Stiko könnte bald nachziehen. Kurz vor Weihnachten sollen die ersten Impfdosen bereitstehen. Viele Eltern fragen sich: Sollen wir unser Kind impfen lassen? In der aktuellen Folge des Experten-Podcasts der Apotheken Umschau "Klartext Corona" fragt Moderator Peter Glück bei Dr. Henriette Rudolph, 2. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie nach, wie die Faktenlage ist.

Die Verunsicherung ist groß, und wahrscheinlich ist es bei vielen Eltern derzeit die drängendste Frage überhaupt: Sollen wir unser Kind impfen lassen? Bringt die Erkrankung mehr Risiken mit sich - oder die Impfung? Dr. Henriette Rudolph, 2. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, ordnet den aktuellen Stand der Forschung ein:

Auf der einen Seite besteht das Risiko, an Covid zu erkranken. Doch wie schlimm ist die Infektion für jüngere Kinder überhaupt? "Bei einem Kind dieser Altersgruppe komplett ohne Vorerkrankungen liegt das Risiko aktuell bei 1:10.000, dass es, wenn es an Covid erkrankt, im Krankenhaus behandelt werden muss", sagt die Ärztin. Der Großteil sei nach kurzer Zeit beschwerdefrei, grundsätzlich würden mehr Beschwerden auftreten, je älter die Kinder sind.

Für Long Covid gebe es bei Kindern noch keine exakte Definition, das Thema sei bei Kindern schwierig zu erfassen. Denn: Die Symptome, wie etwa starke Müdigkeit, könnten auch eine Ursache des langen Lockdowns sein, sagt die Ärztin. Weitere Sorge vieler Eltern ist das PIMS-Syndrom als mögliche Folge einer Corona-Erkrankung bei Kindern. Seit Beginn der Pandemie habe es bis jetzt 468 solcher Fälle in Deutschland gegeben, so Dr. Rudolph, 6,4 Prozent davon hatten Folgeschäden. Grundsätzlich sei die Krankheit gut behandelbar, wenn man sie rechtzeitig feststellt.

Dem gegenüber steht die Impfung. Doch welche Risiken birgt sie für Kinder von fünf bis elf Jahren? Dr. Rudolph erklärt: Bei den knapp 4.000 Probanden in dieser Altersgruppe aus der Zulassungsbeantragung seien keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufgetreten, abgesehen von Schmerzen an der Einstichstelle, Fieber, Kopfschmerzen und Müdigkeit, diese aber deutlich seltener als bei den 12- bis 16-Jährigen. Zu diesen Probanden kämen jetzt noch die Daten von mehr als 2 Millionen Kindern aus den USA hinzu - auch bei ihnen habe man bisher keine schwerwiegenden Nebenwirkungen feststellen können.

Was eine mögliche Herzmuskelentzündung durch die Impfung betrifft, gibt es zu jüngeren Kindern noch wenig Daten, bislang sei davon noch nicht berichtet worden. Diese treten - wenn überhaupt - meistens erst zwei bis drei Wochen nach der zweiten Impfdosis auf. Dr. Rudolph: "Das Risiko ist wahrscheinlich sehr sehr gering, aber ganz ausschließen kann man es im Moment noch nicht." Was man weiß: "Die Covid-Infektion bringt auch ein Risiko der Herzmuskelentzündung mit sich. Wenn man das Risiko von Menschen ohne Infektion mit Menschen mit durchgemachter Infektion vergleicht, ist das Risiko um 16-fach erhöht, eine Herzmuskelentzündung zu entwickeln. Auffällig hoch ist dieses Risiko bei Personen unter 16 Jahren", so die Ärztin.

Vom sogenannten Off-Label-Use, dass der Erwachsenendosis also ein Drittel der Menge entnommen und an Kinder verimpft wird, rät die Ärztin eher ab. Denn: Der Impfstoff habe eine andere Formulierung, die Menge wäre sonst so klein, dass die Gefahr der Unterdosierung besteht. "Man sollte noch Geduld haben, bis der Kinderimpfstoff verfügbar ist."

Quelle: Apotheken Umschau

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung



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