Kulturstaatsministerin Claudia Roth vielleicht „zu blauäugig“

  • 11 Aug
Bildbeschreibung: Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne).

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat sich angesichts des Antisemitismus-Skandals bei der documenta in Kassel nachhaltig enttäuscht gezeigt. „Wir haben bereits im Frühjahr im Hinblick auf das Künstlerkollektiv ,Ruangrupa‘, das die documenta kuratiert, die Sorge geäußert, dass es zu Israel-bezogenem Antisemitismus kommen könnte. Und ich bin immer noch enttäuscht, dass wir daraufhin nicht die Unterstützung bekommen haben, mit der wir gerechnet hatten“, sagte Schuster dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND/Donnerstag).

Kritik übte der Zentralratspräsident dabei auch an Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne): „Bei meinem ersten Gespräch mit Frau Roth, die ich aus bayerischen Zusammenhängen seit langem kenne, habe ich sehr deutlich auf unsere Sorge hingewiesen – und zwar im Februar bei einem Gespräch im Kanzleramt. Ich habe ihr dann nach zwei Monaten, im April, noch einmal geschrieben. Der Tenor des Briefs lautete: Da muss etwas getan werden. Sonst steht uns ein GAU ins Haus.“

Roth habe bei einem erneuten Gespräch im Mai gesagt, „ihr sei zugesichert worden, dass es dazu nicht kommen werde.“ Dennoch seien eindeutig antisemitische Bilder aufgetaucht. „Das hat meine kühnsten Albträume übertroffen“, sagte Schuster. Vielleicht sei sie „zu blauäugig“ gewesen und „hintergangen worden“. Allerdings hätten auch die hessische Kunstministerin Angela Dorn, die ebenfalls den Grünen angehört, und Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) die Warnungen zunächst entweder „abgetan“ oder „überhaupt nichts verstanden“ und der Stadt damit „letztlich einen Bärendienst erwiesen“.

Was ihn am meisten erschrecke und erschüttere, sei, dass Bilder nun wieder ausgestellt würden mit der Begründung, sie seien juristisch nicht angreifbar, so der Zentralratspräsident. „Denn es hat doch kein Mensch gesagt, dass dieser Antisemitismus strafrechtlich relevant ist. Aber Antisemitismus beginnt eben deutlich unter dieser Grenze.“

Der 68-Jährige betonte: „Auch wenn diese documenta keinen Ruhmesplatz in der Geschichte einnehmen wird, hoffe ich, dass hier und im gesamten Kulturbetrieb verstanden wird: Antisemitismus darf keinen Platz haben. Ich hoffe, dass man bei der Auswahl der nächsten Kuratoren für 2027 etwas lernt.“

Bei der weltweit beachteten Ausstellung waren trotz Warnungen im Vorfeld eindeutig antisemitische Kunstwerke ausgestellt und später teilweise wieder entfernt worden.

Autor: © RND / Redaktion


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