Inklusion darf nicht länger im Schneckentempo vorankommen

  • 01 Dez
Bildbeschreibung: Jemand mit einem Blindenstock.

Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit haben eine Behinderung. 80 Prozent von ihnen leben in den ärmsten Regionen der Welt. Sie bleiben meist unsichtbar, werden vernachlässigt und vergessen - ein erschütternder Fakt, auf den die Christoffel-Blindenmission (CBM) zum Welttag der Menschen mit Behinderungen hinweist. Damit sich das ändert, fordert die CBM von der deutschen Politik schnelles Handeln. Unterstützt wird die Hilfsorganisation von Verena Bentele, 12-facher Paralympic-Siegerin und Botschafterin der CBM.

Egal, ob in der Schule, im Arbeitsleben oder in der Gesundheitsversorgung - gerade in den ärmsten Ländern der Welt ist Ausgrenzung für Menschen mit Behinderungen trauriger Alltag. Die Zahlen belegen das: Im globalen Süden können 46 Prozent von ihnen weder lesen noch schreiben. 50 Prozent haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Und 80 Prozent bekommen keinerlei Sozialleistungen. Das liegt auch daran, dass Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsprojekten nicht mitgedacht werden: Da werden Schulen gebaut, doch schon die Treppen sind ein unüberwindbares Hindernis. Die Bücher werden oft nicht in Brailleschrift gedruckt, und der Unterricht findet nicht in Gebärdensprache statt. Hinzu kommt, dass Behinderung im globalen Süden oft stigmatisiert ist und als Fluch gilt.

Bentele: Hilfe darf nicht dem Zufall überlassen werden

All diese Barrieren tragen dazu bei, dass Menschen mit Behinderungen in armen Ländern immer weiter zurückfallen. Dabei hat Deutschland sich 2009 mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention ausdrücklich dazu verpflichtet, Inklusion international zu fördern. Doch so schleppend wie bisher kann es nicht weitergehen. "Inklusion darf nicht länger im Schneckentempo vorankommen", mahnt Dr. Rainer Brockhaus, Vorstand der CBM.

"Kein Entwicklungsprojekt darf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen außer Acht lassen", so Brockhaus. Eine Forderung, der sich auch Verena Bentele anschließt. Seit Jahren unterstützt die 12-fache Paralympic-Siegerin die CBM als Botschafterin. Bentele selbst hat erlebt, wie schwer es Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Ländern der Welt haben. Bei einem Besuch in einem CBM-Projekt in Togo ist sie vor einigen Monaten Frauen begegnet, die aufgrund ihrer Behinderungen ausgeschlossen waren von der Gesellschaft. Mit Unterstützung der CBM haben sich diese Frauen eine eigene Existenz aufbauen können. Sie lernen in Workshops, etwa Taschen herzustellen. Und sie erhalten die Möglichkeit, in Spargruppen kleine Kredite zu bekommen. "Ich habe zum Beispiel Ablavi kennengelernt", berichtet Bentele: "Eine sehr engagierte Frau, die durch den Mikrokredit ihr eigenes Geschäft starten konnte. Ablavi hat einen Sohn, den sie allein unterstützt und der jetzt einen Schulabschluss geschafft hat." Das hat Bentele beeindruckt. Gleichzeitig aber hat es sie schockiert, wie wenig selbstverständlich es für Menschen mit Behinderungen in einem Land wie Togo ist, zur Schule zu gehen, eine Arbeit zu haben und für sich selbst zu sorgen. "Oft hängt es vom Zufall ab, ob sie Unterstützung bekommen oder nicht - das muss sich ändern", so Bentele.

Wie Inklusion Tempo aufnimmt

Was Bentele genauso wie Brockhaus fordert, ist ein Perspektivwechsel: "Es geht nicht darum, einige besondere Projekte für Menschen mit Behinderungen zu entwickeln", sagt der CBM-Vorstand. "Jedes Projekt muss inklusiv sein. Und Menschen mit Behinderungen müssen schon bei der Planung als Experten in eigener Sache eingebunden werden", so Brockhaus. Erst wenn das gelingt, nimmt Inklusion wirklich Tempo auf - davon sind Bentele und die CBM überzeugt.

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