Barrierefreiheit bei Sanierung und Neubau von Sportstätten

  • 30 Nov
Bildbeschreibung: Ein Mann auf einer Laufbahn mit Beinprothesen.

„Bei der Sanierung und dem Neubau von Sportstätten muss grundsätzlich Barrierefreiheit hergestellt werden.“ Diese Forderung erhob der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, am Mittwoch vor dem Sportausschuss und erhielt dabei die Zustimmung aller anderen zu der Sitzung geladenen Sachverständigen. Barrierefreiheit habe nicht nur eine tiefe soziale Dimension, „weil sie das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen ermöglicht“. Barrierefreiheit sei auch ein „Qualitätsstandard für ein modernes Land“. Wer heute Sportstätten mit Barrieren baue oder saniere, sei unprofessionell, sagte Dusel.

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung forderte zugleich eine Willkommenskultur in Sportvereinen auch für Menschen mit Behinderungen. Für mehr Toleranz und mehr Respekt brauche es Qualifikation von Trainern und Übungsleitern. Es brauche aber auch eine Akzeptanz dafür, dass es um die Grundrechte der Menschen mit Behinderung geht, sagte Dusel. In Deutschland gelte die UN-Behindertenrechtskonvention. Daher sei es Aufgabe des Staates, das Recht auf Teilnahme am Sport nicht nur zu versprechen, sondern dafür zu sorgen, „dass diese Rechte bei den Menschen auch ankommen“.

Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bekenne sich zu der UN-Behindertenrechtskonvention, die ein Wahlrecht zur Teilnahme an inklusiven oder auch an in der eigenen sozialen Gruppe stattfindenden Sportangeboten für Menschen mit Behinderungen vorsehe, machte DOSB-Vizepräsidentin Verena Bentele deutlich. Für Menschen mit Behinderungen gehöre Sport leider aber noch nicht zum Alltag. Laut dem dritten Teilhabebericht der Bundesregierung trieben 55 Prozent der Menschen mit Behinderungen keinen Sport. Vielfach fehlten Zugangsmöglichkeiten und wohnortnahe, geeignete Angebote.

Verbessert werden müsse neben den Sportstätten auch der ÖPNV, damit die Menschen mit Behinderungen die Sportstätten erreichen können, sagte Bentele. Ganz wichtig sei auch die Finanzierung und Bereitstellung von Assistenz. Ohne Unterstützungsleistungen wie etwa Begleitläufern oder einem angemessenen Equipment könne der Sport nicht betrieben werden. Spezielle Geräte wie etwa Spezialrollstühle seien aber ein erheblicher Kostenfaktor.

Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), Friedhelm Julius Beucher, verwies - wie Dusel und Bentele zuvor auch - auf den coronabedingten Mitgliederschwund in den Behindertensportvereinen. 100.000 Mitglieder weniger gebe es im Vergleich zu der Zeit vor Corona. Das habe mit den besonderen Schwierigkeiten für Menschen mit Behinderungen zu tun. Während Menschen ohne Behinderungen bei geschlossenen Hallen im Wald hätten laufen können, sei das für Menschen ohne Behinderungen nicht möglich gewesen. Die Mitgliederentwicklung werde aber auch dadurch beeinträchtigt, dass nur sieben Prozent aller olympischen Sportvereine Sport für Menschen mit Behinderungen anbieten. „Wir gehen deshalb auf die Regelsportvereine zu, um sie zu ermuntern, Sportangebote für Menschen mit Behinderungen zu machen“, sagte Beucher.

Sorgen macht dem DBS-Präsidenten nach eigener Aussage eine Schließung von Schwimmbädern oder die weitere Absenkung der Wassertemperaturen aus Energiespargründen. „Das ist tödlich für den Reha-Sport“, machte er deutlich. Reha-Sport könne nicht in noch kälterem Wasser ausgeübt werden, so Beucher.

Einen Bewegungsmangel in der gesamten Gesellschaft konstatierte die Sportwissenschaftlerin Susanne Tittlbach von der Universität Bayreuth. „Weniger als ein Drittel der Bevölkerung bewegt sich ausreichend“, sagte Tittlbach mit Blick auf die in nationalen und internationalen Bewegungsempfehlungen enthaltenen Werte. Der Einstieg in Bewegung und Sport sei vor allem eine Frage der sozialen Herkunft, so die Sportwissenschaftlerin. Menschen mit einem niedrigen Einkommen, mit einem niedrigen Bildungsstand oder mit einer Migrationsgeschichte seien schlechter zu erreichen. Auch Menschen mit Behinderungen seien deutlich seltener im organisierten Sport oder beim Bewegungsverhalten anzutreffen. Für die einzelnen Zielgruppen brauche es daher passgenaue Angebote, die sich an den Bedürfnissen und den Motivationen der jeweiligen Zielgruppe orientieren müssten, sagte Tittlbach.

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