UN-Behindertenrechtskonvention: "Ausbau inklusiver Strukturen muss konsequenter voranschreiten"

  • 23 Apr
Bildbeschreibung: Jemand der mit einem Blindenstock auf einem Weg.

Seit 15 Jahren gibt es die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) in Deutschland. Sie verpflichtet Deutschland als Vertragsstaat dazu, die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zu fördern und hierfür geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Aus ihr und anderen rechtlichen Vorschriften des Bundes und der Länder folgt die Pflicht, Angebote so zu gestalten, dass alle Menschen gleichberechtigt und diskriminierungsfrei an ihnen teilnehmen können. Auch 15 Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention hat die Umsetzung der Rechte von Menschen mit Behinderungen jedoch vielerorts nicht die notwendige politische Priorität oder steht unter Ressourcenvorbehalten. „Menschenrechte sind nicht verhandelbar, der Ausbau inklusiver Strukturen in allen Gesellschaftsbereichen muss dringend voranschreiten“, sagte der Landesbehindertenbeauftragte für Bremen, Arne Frankenstein, am Montag, 22. April 2024, bei einer Veranstaltung an der Hochschule Bremen (HSB) zum Thema Diversity. „Die Politik der kleinen Schritte muss gerade angesichts der gegenwärtigen Krisen zugunsten einer echten Transformation überwunden werden.“

Die Veranstaltung an der HSB war Auftakt einer hochschulübergreifenden internationalen Staff Week mit rund 40 Teilnehmenden aus mehr als 15 europäischen Ländern. Es fand ein Austausch über Barrierefreiheit und Inklusion an Hochschulen mit Best-Practice-Beispielen aus Europa statt. Organisiert wird die Veranstaltungswoche zum Thema Diversity von der Universität Bremen, der Constructor University sowie den Hochschulen Bremen und Bremerhaven.

„Die Rechte von Menschen mit Behinderungen sind in den vergangenen 15 Jahren zwar deutlicher ins öffentliche Bewusstsein gerückt, es hat aber keinen grundlegenden Wandel hin zu einer inklusiven Gesellschaft gegeben“, kritisierte der Landesbehindertenbeauftragte. Die Vereinten Nationen zeigten sich in ihrer Staatenberichtsprüfung für Deutschland besorgt, dass ein Leben außerhalb von Sonderstrukturen für viele Menschen heute immer noch nicht vorgesehen sei. Sie fordern Deutschland mit Nachdruck zum Aufbau von inklusiven Strukturen und zur Sicherung der Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen auf.

Konrektorin: „Barrierefreiheit hat an bremischen Hochschulen wichtige Bedeutung“

„An der Hochschule Bremen hat das Thema Barrierefreiheit eine wichtige Bedeutung und hohe Priorität“, sagt Dr. Sabina Schoefer, Konrektorin an der HSB für Digitalisierung, Change-Management, Diversity. „Wie alle bremischen Hochschulen tun wir alles im Rahmen unserer Möglichkeiten. Allerdings sind die Ressourcen im Land Bremen unverhältnismäßig knapp – gerade für diese Thematik.“

Im vergangenen Jahr hat die HSB ihren laufenden Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention aktualisiert. Mit dem 3. Aktionsplan für die Jahre 2023 bis 2027 führt sie Ziele und Umsetzungsmaßnahmen fort, vertieft diese und erweitert die Handlungsfelder qualitativ. Dabei agiert sie in zahlreichen Bereichen, um zum Beispiel die digitale Kommunikation, Studium und Lehre sowie Gebäude und Räume möglichst um zum Beispiel Gebäude, Räume, digitale Kommunikation sowie Studium und Lehre möglichst barrierefrei und inklusiv zu gestalten. Ein paar Beispiele:

Barrierefrei lehren und lernen

Das Zentrum für Lehren und Lernen (ZLL) der Hochschule Bremen bietet zum Thema „digitale Barrierefreiheit“ umfassende Materialien, Beratung und auch regelmäßig weiterbildende Angebote für Lehrende an, die auch KI-basierte Tools umfassen. Durch hochschulische und hochschulübergreifende Projekte, wie zum Beispiel „Barrierearmes Lernen und Lehren Online“ – BALLON oder das Projekt AddInno – „Integrierter Ansatz der digitalen Innovation in Studium und Lehre“ wurde ein Möglichkeitsrahmen geschaffen, um wichtige Ziele aus dem Aktionsplan der HSB zu verfolgen und durch entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Im Qualitätsmanagement der HSB sind die Anforderungen an eine inklusive Hochschule verankert und werden systematisch verfolgt.

Institut für Digitale Teilhabe (IDT)

Anfang 2021 wurde an der Hochschule Bremen das Institut für Digitale Teilhabe (IDT) als interdisziplinäres Institut der Fakultäten für Informatik und für Wirtschaftswissenschaften gegründet. Ziel des Instituts ist die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen in der digitalen Welt. Das IDT betreibt wissenschaftliche Forschung mit anwendbaren Ergebnissen aus der Praxis für die Praxis. Zudem ist das Institut auch ein gutes Beispiel für das Empowerment von Menschen mit Behinderungen. Am IDT arbeiten und forschen gleichermaßen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit und ohne Beeinträchtigungen.

Forschungsprojekt IGNITION

IGNITION ist ein Forschungsprojekt der STARS EU-Partner Hanze Groningen, Polytechnic Institute of Bragança (Portugal) und der Hochschule Bremen gemeinsam mit der South East Technological University (SETU) in Waterford (Irland). Ziel von IGNITION ist es, Lehrenden der HSB konkrete didaktische Werkzeuge und technologische Unterstützung zu geben, um curriculare Lehre auch in internationalen und hybriden Settings zu ermöglichen. Die Abkürzung IGNITION steht für European DIGital Literacy Coalition for Inclusion, Collaboration aNd InnovaTION.

Was ist STARS EU?

Seit mehreren Jahren arbeitet die Hochschule Bremen (HSB) mit acht internationalen Hochschulen zusammen, um eine gemeinsame Europäische Universität zu gestalten. Das von der EU geförderte Netzwerk Strategic Alliance for Regional Transition European University – kurz: STARS EU – trägt durch strategische Vernetzung und systematisch verzahnte Kooperationsformate in Lehre, Forschung und Transfer mit hoher Wirkung zur nachhaltigen Transformation der jeweiligen Regionen und damit von Europa bei.

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