Sorge um Teilhabe an schulischer Bildung: Offener Brief an Landesbehindertenbeauftragte

  • 29 Mai
Bildbeschreibung: Mehrere Schülerinnen und Schüler in einem Klassenzimmer.

Der Staatenbericht zur UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), in dem der Übergang von einer Sonderbeschulung in ein inklusives System in Deutschland angemahnt wird, verkennt die Wirklichkeit der sonderpädagogischen Bildungseinrichtungen in Baden-Württemberg. Gerade hier wird Menschen mit Behinderungen durch hochdifferenzierte und spezialisierte Pädagogik eine Bildung zuteil, die gesellschaftliche Teilhabe vollumfänglich ermöglichen soll. Das ist der Tenor eines offenen Briefs, den eine Arbeitsgruppe von Verbänden und Vertretern sonderpädagogischer Bildungseinrichtungen der Landesbehindertenbeauftragten Simone Fischer im Rahmen eines Arbeitstreffens in der Paulinenpflege in Winnenden übergeben haben.

Der Arbeitsgruppe gehören mit dem Evangelischen Schulwerk Baden und Württemberg und der Stiftung Katholische Freie Schule der Diözese Rottenburg-Stuttgart zwei große betroffene Schulträgerverbände an. Weitere Mitglieder sind zwei Schulleitungsverbände, nämlich die Landesarbeitsgemeinschaften Sonderpädagogischer Bildungszentren mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung (SBBZ ESEN T) und dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung (SBBZ GENT) sowie kompetente Personen aus dem Bereich Hören/Sprache, dem Bereich Sehen und eine Elternvertreterin an.

Von der UN-BRK werde an keiner Stelle die Abschaffung von sonderpädagogischen Institutionen gefordert. Wenn die UN-BRK in Artikel 3 „die volle und wirksame Teilhabe an der Gesellschaft und Einbeziehung in die Gesellschaft" festhalte, beziehe sich der Teilhabebegriff auf die Möglichkeiten des einzelnen Menschen und es bliebe offen, ob diese Teilhabe auch in speziellen Institutionen erfolgen könne. Dabei bestehe kein Zielkonflikt mit der Inklusion, die auf struktureller Ebene auf den Aufbau gesellschaftlicher Institutionen abziele, die allen Individuen offenstehen sollen.

Die Schaffung des Sonderschulwesens in den 60er-Jahren habe erstmals dazu geführt, dass alle Kinder, auch solche mit Behinderungen, eine Chance auf Beschulung erhielten. „Sonderschulen" seien keine Orte, in die man Kinder „abschiebe", sondern Lernorte, die Kindern mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfen das Lernen überhaupt erst ermöglichten. Für viele Kinder entstehe nur hier der wertvolle Peer-Group-Effekt als Beitrag für eine gelingende Identitätsentwicklung. In vielen gesellschaftlichen Bereichen seien solche spezialisierten strukturellen Angebote geschaffen worden, beispielsweise im Gesundheitswesen.

Leider werde aus Unkenntnis oft übersehen, dass auch sonderpädagogische Bildungszentren bereits eine Vielzahl inklusiver Settings anböten. Das ausdifferenzierte System ermögliche gemeinsames Lernen von Schülern mit und ohne Behinderungen, allerdings mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der behinderten Kinder und Jugendlichen. Frühkindliche Diagnostik, vorschulische Förderung und Schulkindergärten seien Bestandteile des Systems. Zudem böten die sonderpädagogischen Bildungszentren mit ihrer fachlichen Expertise und ihren Sonderpädagogen vielerorts die fachliche Beratung, die eine inklusive Beschulung an allgemeinen Schulen ermögliche.
Die Landesbehindertenbeauftragte versprach, den offenen Brief zu beantworten. Dieser ist im vollen Wortlaut beigefügt.

Werbeblocker aktiv !

EU-Schwerbehinderung ist ein Nachrichtenmagazin und finanziert sich mit Werbung.

Um diesen Inhalt lesen zu können, schalten sie

bitte den Werbeblocker ab!

HINWEIS: Wird die Seite 'inPrivat' oder im 'Inkonito' Modus aufgerufen, kann die Seite bei einigen Browsern nicht angezeigt werden.

Wenn sie die Werbung zulassen, unterstützen sie uns, auch in Zukunft unser Angebot kostenlos anbieten zu können.


Impressum Datenschutz Nutzungsbedingungen Datenschutzeinstellung

OPEN
0
+

Gefällt Ihnen der Artikel?

Folgen Sie uns. Vielen Dank