Diskriminierung und Misshandlung älterer Menschen

  • 14 Jun
Bildbeschreibung: Eine Faust die auf den Bildbetrachter zukommt

Das Grundgesetz hat zu seinem diesjährigen 75ten Geburtstag, eine besondere Bedeutung und doch sind 75 Jahre nicht ausreichend, um eine Diskriminierung aller Menschen, zumindest grundrechtlich, zu verhindern und festzuschreiben. Der Artikel 3 im Grundgesetz formuliert unter Absatz 3 "Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."

Kritik kommt an dieser Formulierung, da hier sowohl ältere Menschen, aber auch Menschen LSBTQ Szene nicht näher erwähnt werden. Zum Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen, beschreibt der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen e.V.: Ob Arzt- oder Behördentermine, Bankgeschäfte, Sonderangebote im Supermarkt oder die Reservierung von Eintrittskarten oder eines Tisches im Restaurant – ohne Internet und Smartphone ist mittlerweile der Zugang zu vielen Informationen und Dienstleistungen nicht mehr möglich. Jüngstes Beispiel: die Abschaffung der traditionellen Bahncard in Plastikform. Wer kostengünstig reisen möchte, muss von jetzt an mindestens über eine eigene E-Mail-Adresse verfügen, idealerweise auch über ein Smartphone, um darauf die „DB Navigator“- App zu installieren. Als Alternative zur Online-Reservierung und -Buchung von Sitzplätzen und Fahrkarten bleibt meist nur das stundenlange Schlange stehen vor den Schaltern der Deutschen Bahn AG. Für ältere Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen stellt dies eine Zumutung dar. Eine Umfrage ergab, dass 75 Prozent der Menschen, die 50 Jahre und älter sind, die Umstellung auf die digitale Bahncard als schlecht beurteilen. Hinzu kommt, dass bereits seit Oktober 2023 Sparpreis-Tickets nicht mehr als klassische Papierfahrkarten ohne E-Mail-Adresse oder Mobilnummer verkauft werden.

„Digitalisierung ist eine der bedeutsamsten Entwicklungen dieser Zeit“, sagt der Landesvorsitzende des Sozialverbands VdK Hessen-Thüringen, Paul Weimann: „Aber darüber darf nicht vergessen werden, dass sich zwischen der jüngeren und älteren Generation eine digitale Kluft auftut. Viele ältere Menschen haben weder das Geld noch besitzen sie genügend Computerkenntnisse, um an diesem Veränderungsprozess teilzuhaben. Ihnen bleibt in der Folge der Zugang zu digitalen Anwendungen verwehrt.“ Laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2022 haben 15 Prozent der 65- bis 74-Jährigen noch nie im Internet gesurft. Zum Welttag gegen Diskriminierung und Misshandlung älterer Menschen fordert der VdK daher, Digitalisierung so zu gestalten, dass Seniorinnen und Senioren dadurch nicht benachteiligt oder sogar ausgegrenzt werden. „Es darf nicht sein, dass Menschen allein deshalb in ihrer Mobilität beschränkt werden, weil sie kein Internet nutzen“, sagt Weimann. Der VdK fordert daher, weiterhin alle Angebote zu Bahnreisen so zu gestalten, dass damit den ganz unterschiedlichen Bedürfnissen der vielfältigen Kundschaft entsprochen wird. Auch die Millionen von Menschen, die „offline“ leben, sollten weiterhin dieselbe Chance haben, Spartarife und Ermäßigungen zu nutzen, um kostengünstig verreisen zu können.

Ein weiteres Problem, oft öffentlich nicht sichtbar, „Gewalt gegen ältere Menschen, insbesondere gegen Menschen mit Pflegebedarf und Demenz, ist ein gravierendes und oft unsichtbares Problem“, erklärt Monika Kaus, Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. „Diese Menschen sind aufgrund ihrer Krankheit besonders verletzlich und benötigen unseren Schutz in besonderem Maße.“

Das Grundgesetz muss sich somit weiterhin Kritik gefallen lassen, denn selbst Menschen mit Behinderungen wurden erst 1994 im Grundgesetz mit aufgenommen. "Der 15. November 1994 war tatsächlich ein ganz entscheidender Tag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen in Deutschland. „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden." Der Satz steht seitdem im Grundgesetz.", betonte der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, im April dieses Jahres zu 75 Jahre Grundgesetz, das für Menschen mit Behinderungen seinen 30. Geburtstag feiert, da der Artikel 3 des Grundgesetzes vor 30 Jahren angepasst wurde.

Ein Gesetz das vor Altersdiskriminierung schützen soll, ist das AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz), dass allerdings im §10 auch wieder Ausnahmen zulässt. Dort steht: "Ungeachtet des § 8 ist eine unterschiedliche Behandlung wegen des Alters auch zulässig, wenn sie objektiv und angemessen und durch ein legitimes Ziel gerechtfertigt ist. Die Mittel zur Erreichung dieses Ziels müssen angemessen und erforderlich sein."

Der dort erwähnte §8, bezieht sich auf berufliche "Altersdiskriminierung". Ein Beispiel ist der Polizeibeamte beim Sondereinsatzkommando, denn hier liegt die Altershöchstgrenze bei 42 Jahren. Deswegen gerechtfertigt, da an die SEK-Beamten besondere körperliche Voraussetzungen und Anforderungen gestellt werden, so zumindest stellt es die Antidiskriminierungsstelle des Bundes dar.

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung



Werbeblocker aktiv !

EU-Schwerbehinderung ist ein Nachrichtenmagazin und finanziert sich mit Werbung.

Um diesen Inhalt lesen zu können, schalten sie

bitte den Werbeblocker ab!

HINWEIS: Wird die Seite 'inPrivat' oder im 'Inkonito' Modus aufgerufen, kann die Seite bei einigen Browsern nicht angezeigt werden.

Wenn sie die Werbung zulassen, unterstützen sie uns, auch in Zukunft unser Angebot kostenlos anbieten zu können.


Impressum Datenschutz Nutzungsbedingungen Datenschutzeinstellung

OPEN
0
+

Gefällt Ihnen der Artikel?

Folgen Sie uns. Vielen Dank