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Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen: Passgenaue Rehabilitationsangebote

Bildbeschreibung: Ein Mann der im Schwimmbecken ist.
Foto: © ShotPot

Die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Petra Wontorra, fordert zeitnahe Leistungen für notwendige Beratung, multiprofessionelle Behandlungen, Therapien, Rehabilitation und Teilhabe vor Ort. Über 261.000 Menschen in Niedersachsen waren bereits mit dem Corona-Virus infiziert.

Selbst wenn der Verlauf als weniger schwer eingestuft wurde, zeigen mindestens zehn Prozent auch Wochen und Monate nach offiziell überstandener COVID-Erkrankung Symptome: Müdigkeit, Belastungsintoleranz, Erschöpfung, Atembeschwerden, Schwindel, Koordinationsstörungen, Gedächtnisstörungen, Wortfindungsstörungen, körperliche Einschränkungen der Leistungsfähigkeit, Geschmacks- und Geruchsverlust, depressive Verstimmungen sowie Ängste oder Symptome anderer psychischer oder psychosomatischer Erkrankungen können diese Personen belasten. Die Krankheitszeichen müssen möglichst frühzeitig und bedarfsorientiert behandelt werden, damit die Beeinträchtigungen nicht chronisch werden. Für Niedersachsen geht man zum jetzigen Stand von mehr als 25.000 Menschen aus. Es wird von einer hohen Dunkelziffer gesprochen. Vielfach treten die Symptome erst verzögert auf.

„Es ist wichtig, dass sich einerseits die Selbsthilfe noch breiter für diese Personen aufstellt. Andererseits bedarf es mehr wohnortnahe multiprofessionelle ärztliche und therapeutische Anlaufstellen, die sich auf dieses Krankheitsbild spezialisieren. Passgenaue Rehabilitationsmaßnahmen müssen früh ansetzen und noch weiter symptomorientiert auf- und ausgebaut werden. Gerade für langzeiterkrankte Personen, wie beispielsweise bei der durch eine Viruserkrankung entstandene Myalgische Enzephalomyelitis (ME/CFS), bedarf es spezifischer Rehabilitationskliniken“, folgert Wontorra. Menschen mit ME/CFS haben als Hauptsymptom Belastungsintoleranz nach geringsten körperlichen oder kognitiven Anstrengungen, sie können kraftlos oder gar bettlägerig sein. Etliche Personen sind nicht in der Lage, ihr Wohnumfeld zu verlassen. Für diese Zielgruppe gab es bereits zuvor kaum spezifische Hilfen. Umso wichtiger ist es jetzt, diese Erkenntnisse zu nutzen und multiprofessionelle Angebote in der Versorgung von Long-COVID-Patientinnen und -patienten zu entwickeln und umzusetzen.“

Seit Beginn ihrer Amtszeit setzt sich Wontorra für die Forschung und Wissenschaft ein. „Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen noch mehr in politische Entscheidungsprozesse einfließen,“ betont sie immer wieder – „dies gilt nicht nur zur Bekämpfung der Pandemie, auch zur Behandlung von Langzeitfolgen. Wir brauchen gerade jetzt einen flächendeckenden Ausbau von Projekten zur Teilhabeforschung. Das bedeutet, dass neben der Forschung nach wirksamen Medikamenten auch die Bedarfe zur Teilhabe der Menschen mit Spät- und Langzeitfolgen nach einer Corona-Virus-Infektion wissenschaftlich begleitet werden.

Auch die Evaluation von Rehabilitationsmaßnahmen bei dieser Zielgruppe sind wichtig. Daher fordere ich auch die Landesregierung auf, weitere finanzielle Mittel für Menschen mit Spät- und Langzeitfolgen in Selbsthilfe, medizinische Anlaufstellen, Forschung und für Leistungen zur Teilhabe in jedem Bereich des gesellschaftlichen Lebens bereitzustellen. Ebenso wie bei der Pandemiebekämpfung selbst ist es wichtig, auch die Folgen der Erkrankungen bei den Menschen im Fokus zu behalten“, fordert Wontorra. Es ist wichtig, nicht erst Forschungsergebnisse abzuwarten, sondern jetzt zu handeln. „Der Auf- und Ausbau von passgenauen Beratungs-, Behandlungs- und Versorgungsstrukturen muss jetzt passieren. Wir brauchen Teams, in denen Ärztinnen und Ärzte aus verschiedenen Fachrichtungen engmaschig zusammenarbeiten. Die zu behandelnden Personen dürfen nicht zu verschiedenen Stellen geschickt werden, sondern es muss mehr wohnortnahe interdisziplinäre Anlaufstellen geben“, ergänzt Wontorra.

Wichtig sei auch die Akzeptanz und „Sichtbarmachung“ von Spät- und Langzeitfolgen in unserer Gesellschaft. Die Landesbeauftragte weist auf die latente Gefahr von möglichen Diskriminierungserfahrungen für diese Bevölkerungsgruppe hin: „Sowohl im beruflichen wie auch im privaten Kontext müssen wir alle dafür sorgen, dass diese Menschen keine Nachteile erfahren oder gar stigmatisiert werden.“ Wontorra betont „Teilhabe muss für diese Personen (wieder) möglich werden - unabhängig davon, wie schwer und langwierig die Symptome sind. Unsicherheiten der oder des Gegenübers müssen thematisiert und von vorn herein abgebaut werden. Wir brauchen eine Gesellschaft und damit auch eine Politik, die sich aktiv auch mit den gesundheitlichen Langzeitfolgen der Virusinfektion auseinandersetzt und dafür müssen wir ebenso Geld in die Hände nehmen wie für den notwendigen Wirtschaftsaufschwung.“

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung

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