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Fast jeder zweite Deutsche leidet unter einer chronischen Krankheit

Bildbeschreibung: Ein Mann der auf seinen Rücken mehrere Saugnäpfe hat.
Foto: © Jenny Friedrichs

Der PwC hat sich zur hohen Krankheitslast der Deutschen in seiner Pressemitteilung geäußert. Fehlende Chancengleichheit: Jeder Fünfte sagt, dass er sich einen gesunden Lebensstil nicht leisten kann, Präventionskampagnen kommen nicht an: 30 Prozent der Bürger fehlt Wissen über Gesundheitsthemen, Skepsis bei Wearables und Apps

Wie gesund ist Deutschland? Die Diagnose des eigenen Gesundheitszustands fällt bei den Bürgern kritisch aus: 45 Prozent der Menschen geben an, von mindestens einer chronischen Krankheit betroffen zu sein. Im globalen Vergleich schneidet Deutschland damit schlecht ab – weltweit liegt dieser Wert lediglich bei 37 Prozent. Das ist zentrales Ergebnis einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC zu den sozialen Determinanten von Gesundheit, für die knapp 8.000 Bürgerinnen und Bürger weltweit, darunter 1.000 deutsche Teilnehmer, befragt wurden.

„Das deutsche Gesundheitssystem muss künftig mit einer hohen Krankheitslast fertig werden. Das steigende Lebensalter der Deutschen führt dazu, dass chronische Krankheiten zunehmen. Chronisch kranke Menschen brauchen eine besonders intensive medizinische Betreuung. Daher müssen wir dringend neue Wege finden, eine gute medizinische Versorgung zu gewährleisten und gleichzeitig unser Gesundheitswesen bezahlbar zu halten."

Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC

Die größte Hürde zu einem gesunden Leben: wenig Schlaf

Viele der chronischen Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehen mit einem ungesunden Lebensstil einher. Was hindert die Deutschen daran, gesünder zu leben? Zu wenig Schlaf ist das größte Hindernis – ein Drittel der Studienteilnehmer gibt an, unter den empfohlenen sieben bis neun Stunden pro Nacht zu liegen. Dieser Schlafmangel ist mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten verbunden, wie Studien belegen. Weitere Hürden auf dem Weg zu einem gesunden Lebensstil sind die fehlende Motivation (22 Prozent), das Rauchen (21 Prozent) und die intensive Nutzung von digitalen Medien (20 Prozent). Die PwC-Studie zeigt aber auch, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen der sozialen und der gesundheitlichen Lage von Menschen gibt: 18 Prozent der Studienteilnehmer geben an, dass für sie ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung und genügend Bewegung, etwa durch ein Fitness-Studio, nicht bezahlbar ist. Ebenso spielt soziale Isolation eine wichtige Rolle, wie 14 Prozent bestätigen. „Bei der Vorbeugung von Krankheiten sind viele Menschen in Deutschland zu stark auf sich allein gestellt, sodass es noch nicht gelingt, gleiche Gesundheitschancen für alle zu schaffen“, so Michael Burkhart.

Der Arzt ist der wichtigste Ansprechpartner

Soziale Themen besprechen die Bürger am häufigsten mit ihrem Arzt – für 44 Prozent ist er der erste Ansprechpartner, wenn es um die sozialen Determinanten von Gesundheit geht. „Dem Arzt kommt damit die Rolle eines Lotsen zu, der Patienten nicht nur innerhalb des Gesundheitssystems lenkt, sondern bei Bedarf auch an andere Institutionen verweist“, sagt Michael Burkhart. „Ärzte haben in der Regel aber nur wenig Zeit für ihre Patienten. Das ist auch der größte Kritikpunkt unseres jährlichen Healthcare-Barometers. Der Funktion eines Lotsen kann der Arzt nur gerecht werden, wenn das Gespräch und die persönliche Zuwendung in unserem Gesundheitswesen wieder honoriert werden.“

Einem Drittel der Bürger fehlt das Wissen über Gesundheitsthemen

Was könnte den Gesundheitszustand der Deutschen verbessern? Wissen macht Gesundheit, sagen 30 Prozent der Befragten. Sie sind davon überzeugt, dass sie sich gesünder verhalten würden, wenn sie mehr über Faktoren wie Bewegung, Ernährung und Rauchen wüssten. Offenbar kommen die zahlreichen Präventionskampagnen, etwa über die gesetzlichen Krankenkassen oder andere Institutionen des Gesundheitswesens, bei den Bürgern noch nicht an. Dabei spielen gerade die Krankenversicherungen neben dem Arzt eine entscheidende Rolle auf dem Weg zu einem gesunden Lebensstil: 46 Prozent der Deutschen wünschen sich von ihnen Unterstützung – mit weitem Abstand zu anderen Akteuren des Gesundheitswesens.

„Das Präventionsgesetz, das die Versicherungsträger zu mehr Gesundheitsförderung verpflichtet, erreicht noch nicht die Zielgruppen, die es eigentlich erreichen sollte“.

Sevilay Huesman-Koecke, International Director und Head of Business Development im Bereich Gesundheitswirtschaft bei PwC

Skepsis beim Thema Apps und Wearables

Digitale Technologien wie Gesundheitsapps, Wearables und Sprachassistenten können Menschen zu einem gesunden Lebensstil motivieren und eine wichtige Hilfe sein. Doch in diesem Punkt sind die Deutschen skeptisch: 47 Prozent nutzen gar keine technischen Hilfen zur Verbesserung ihrer Gesundheit. Lediglich 35 Prozent setzen ihr Smartphone ein, um online nach Informationen zu suchen, und 17 Prozent verwenden Apps. Wearables sind nur bei zwölf Prozent der Bevölkerung verbreitet. „Diese Skepsis überrascht mich, denn die Digitalisierung unseres Gesundheitswesens schreitet voran. Ich führe die Vorbehalte darauf zurück, dass es in dem Markt schwerfällt, den Überblick zu behalten, und Bürger sich Sorgen um ihre Daten machen. Umso wichtiger ist es, dass wir über die Chancen neuer Technologien aufklären und Vertrauen aufbauen“, sagt Sevilay Huesman-Koecke. „Mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz wird Patienten der Zugang zu Apps stark erleichtert, der Arzt kann die Anwendungen künftig auch verschreiben. Healthcare-Startups entwickeln Innovationen, die Versicherten das Leben wirklich erleichtern.“

Apps und Wearables können auch dazu beitragen, dass Versicherte stärker die Eigenverantwortung für ihre Gesundheit übernehmen. Dazu sind die Deutschen durchaus bereit: 67 Prozent sehen die Verantwortung zunächst bei sich selbst. Erst an zweiter Stelle stehen die Krankenversicherungen mit 63 Prozent, gefolgt von den Leistungserbringern (57 Prozent). „Das ist auch eine große Chance“, bilanziert Michael Burkhart.

„Unser Gesundheitssystem braucht dringend den mündigen Patienten. Dafür müssen wir ihm die richtigen Informationsquellen und Technologien zur Verfügung stellen.“

Autor: md / © EU-Schwerbehinderung



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