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Stärkung der Impfpräventation - Masern wirksam bekämpfen

Bildbeschreibung: Auf dem Bild ist eine Spritze zu sehen.
Foto: kk | © EU-Schwerbehinderung

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. Sie werden durch Viren ausgelöst und gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten. Um Masern wirkungsvoll zu bekämpfen hat die Bundesregierung ein neues Masernschutzgesetz auf den Weg gebracht, das eine Impfpflicht vorsieht. Das vom Bundestag beschlossene Gesetz hatte der Bundesrat gebilligt.

Kinder und Erwachsene, die in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kitas, in der Kindertagespflege sowie in Gemeinschaftsunterkünften wie Asylbewerberheimen betreut werden, müssen zukünftig gegen Masern geimpft sein. Auch Beschäftigte solcher Einrichtungen oder im medizinischen Bereich müssen ihren Masernimpfschutz oder ihre Masernimmunisierung nachweisen.

Kinder ohne Masernimpfung können vom Besuch einer Kindertagesstätte ausgeschlossen werden. Gegen Eltern, die ihre nicht geimpften Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen betreuen lassen, kann ein Bußgeld von bis zu 2.500 Euro verhängt werden.

Das Gesetz soll am 1. März 2020 in Kraft treten. Kinder, die schon jetzt im Kindergarten und in der Schule oder in anderen Gemeinschaftseinrichtungen betreut werden, müssen den Impfnachweis bis zum 31. Juli 2021 erbringen. Entsprechendes gilt für Personal in Gemeinschaftseinrichtungen und medizinischen Einrichtungen, wie z.B. in Krankenhäusern oder Arztpraxen.

Laut Bericht des Robert-Koch-Instituts erkrankten im Jahr 2018 insgesamt 543 Menschen in Deutschland an Masern. Um Masern vollständig zu eliminieren, braucht es eine Impfquote von mindestens 95 Prozent der Bevölkerung. Bisher hat Deutschland die entsprechenden Impfquoten nicht erreicht. Das soll sich mit dem neuen Gesetz für den Schutz vor Masern und zur Stärkung der Impfprävention ändern.

Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten des Menschen. Die Krankheit kann schwer verlaufen sowie Komplikationen und Folgeerkrankungen wie Lungen- oder Gehirnentzündung nach sich ziehen. Im Extremfall können Masern tödlich verlaufen. Um dem wirkungsvoll vorzubeugen, stehen gut verträgliche und hochwirksame Impfstoffe zur Verfügung.

Die neuen Regelungen sollen dazu beitragen, bestehende Lücken beim Impfschutz in der Bevölkerung gegen Masern zu schließen. Somit soll das Schutzniveau vor allem bei besonders gefährdeten Menschen in Hinblick auf eine Masernerkrankung entscheidend erhöht werden.

Zudem wird die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gestärkt, um die Bevölkerung regelmäßig und umfassend über das Thema "Impfen" zu informieren. Wissen, was schützt: Erfahren Sie es bereits jetzt über das Internetportal www.impfen-info.de.

Leider hat die gesamte Thematik einen Haken, denn die gesetzliche Impfpflicht bezieht sich ausschließlich auf Masern. Laut dem Paul-Ehrlich-Institut, ist der einzige Masern-Impfstoff "Mérieux" in Deutschland gar nicht verfügbar. Lediglich verfügbar sind sogenannte Kombinationsimpfstoffe, die gegen Masern, Mumps und Röteln impfen (MMR Kombinationsimpfstoff). Genau hier könnte das zu einer rechtlichen Diskrepanz kommen, denn ein Gesetz was zwar die Masern-Impfung verpflichtend macht, aber eben nicht zu einer Mumps- und Röteln-Impfung verpflichtet, schafft Grundlage um die Impfung im Rahmen der Selbstbestimmung abzulehnen.

Seitens der Bundesregierung ist das Thema offensichtlich bereits gelöst. Die Abgeordnete Katja Hessel (FDP) fragte die Bundesregierung "Wie will die Bundesregierung die individuelle Wahlmöglichkeit der Betroffenen bezüglich des Impfstoffes (Stichwort: Mono- vs. Kombi-Impfstoffe) herstellen, wenn derzeit nur Kombipräparate am Markt verfügbar sind (https://www.pei.de/DE/arzneimittel/impfstoffe/masern/masern-node.html) ? " Die Parlamentarischen Staatssekretärin des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), Sabine Weiss (CDU), fand bereits am 24. Oktober darauf eine Antwort: "Für die Produktion sowie für die Vermarktung der Impfstoffe sind die pharmazeutischen Unternehmen zuständig. Produktionsentscheidungen orientieren sich dabei auch an den bestehenden Empfehlungen der Impfkommissionen weltweit. Um mit den Masern gleichzeitig auch die Verbreitung von Mumps und Röteln zu verhindern und damit insbesondere Rötelnembryopathien vorzubeugen, soll auch in Deutschland nach den aktuellen STIKO-Empfehlungen die Impfung gegen Masern ausschließlich mit einem trivalenten Masern-Mumps-Röteln (MMR)- oder tetravalenten Masern-Mumps-Röteln-Varizellen (MMRV)-Impfstoff erfolgen. Entsprechend den STIKOEmpfehlungen gilt dies auch für solche Impfungen, bei denen ausschließlich eine Masernimmunität benötigt oder eine Masernimmunisierung vervollständigt werden soll."

Wer jetzt glaubt, dass die Problematik eines nicht verfügbaren Mono-Impfstoffes, auch für der "Masern-Impfung" schützt, der wird enttäuscht sein, denn das Gesetz sieht vor: "Satz 1 gilt auch, wenn zur Erlangung von Impfschutz gegen Masern ausschließlich Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung stehen, die auch Impfstoffkomponenten gegen andere Krankheiten enthalten. Satz 1 gilt nicht für Personen, die auf Grund einer medizinischen Kontraindikation nicht geimpft werden können. "

Das Bundesministerium für Gesundheit teilte EU-Schwerbehinderung gegenüber mit:
In Deutschland gibt es derzeit keinen zugelassenen Einfach-Impfstoff gegen Masern. Eine künftige Zulassung in diesem Bereich ist jedoch nicht ausgeschlossen, sofern ein Hersteller eine solche beantragt.

Die Verwendung von Kombinationsimpfstoffen wird von der Ständigen Impfkommission generell empfohlen, um die Anzahl der Injektionen bei Kindern gering zu halten. Ein Kombinationsimpfstoff gilt insgesamt als nicht schlechter verträglich als ein Einzelimpfstoff.

Das vom Bundestag beschlossene Masernschutzgesetz sieht für § 20 Absatz 8 Satz 2 des Infektionsschutzgesetzes bereits eine Regelung vor, die den Umstand berücksichtigt, dass für die Durchführung von Masernimpfungen gegenwärtig ausschließlich Kombinationsimpfstoffe gegen Masern-Mumps-Röteln beziehungsweise gegen Masern-Mumps-Röteln-Windpocken zur Verfügung stehen. Soweit eine Immunisierung gegen Masern nur mit diesen Kombinationsimpfstoffen erfolgen kann, steht das nach dieser Regelung der grundsätzlichen Impfpflicht in bestimmten Einrichtungen nicht entgegen. Die nach dem Gesetzentwurf verpflichteten Personengruppen müssen sich daher auch dann gegen Masern impfen lassen, wenn dieser Impfschutz ausschließlich mit Kombinationsimpfstoffen erreicht werden kann. Im Masernschutzgesetz finden Sie die Passage unter Art. 1; Abs. 8e, Satz 1 (Seite 11) Siehe http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/134/1913452.pdf

Kombinationsimpfstoffe mit Masernkomponente (Masern-Kombinationsimpfstoffe) weisen ein eindeutig günstiges Nutzen-Risikoprofil auf und werden deshalb seit vielen Jahren von der STIKO und internationalen Impfkommissionen empfohlen. Weiterhin erlauben Kombinationsimpfstoffe eine Verringerung der Anzahl der Impfstoff-Injektionen im Vergleich zu einer Verabreichung der entsprechenden Einzelimpfstoffe. Insgesamt kann man davon ausgehen, dass vorübergehende Lokal- und Allgemeinreaktionen nach Masern-Mono- und -Kombinationsimpfstoffen in etwa vergleichbar sind und in ihrer Häufigkeit leicht variieren.

Die STIKO führt in ihren aktuellen Empfehlungen Folgendes aus: "Von zusätzlichen Impfungen bei bereits bestehendem Impfschutz geht kein besonderes Risiko aus. Dies gilt auch für Mehrfachimpfungen mit Lebendvirusimpfstoffen."

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung



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