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Grüne stellen Anfrage zur sozialen und gesundheitlichen Situation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI) in Deutschland

Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen stellt eine Große Anfrage zur sozialen und gesundheitlichen Situation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI) in Deutschland. Damit machen Bündnis90/Die Grünen dieses Thema erstmals umfangreich im Deutschen Bundestag sichtbar.

Hierzu erklärt Sven Lehmann, Sprecher für Queerpolitik und Sozialpolitik:

"Diskriminierung macht krank und grenzt sozial aus. Dank Öffnung der Ehe und Dritter Option beim Geschlechtseintrag sind wir heute rechtlich weiter als je zuvor in Deutschland. Aber Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen werden gesellschaftlich noch immer nicht als gleichwertig angesehen. Das Ringen um Akzeptanz in der Familie, am Arbeitsplatz, im Sportverein kostet Kraft. Wer auf dem Schulhof als "Scheiß Lesbe" oder "Schwule Sau" beschimpft und gemobbt wird, kann darüber krank werden. Minderheit zu sein, stresst.

Mit unserer Großen Anfrage werfen wir den Scheinwerfer auf ein eher düsteres Thema. Wir tun dies, um die Bundesregierung an ihre Verpflichtung zu erinnern, dass alle Menschen in Deutschland frei von Diskriminierung leben können.

Jahrzehntelang hat der Staat Lesben und Schwule diskriminiert, pathologisiert und unsichtbar gemacht. Bestehende Gesetze wie das Transsexuellengesetz tun dies bis heute. Auch diese Politik hat das allgemeine gesellschaftliche Klima gegenüber LSBTI bestimmt. Jetzt ist die Zeit, dass der Staat die Verantwortung dafür übernimmt und das geschehene Unrecht auch durch eine LSBTI-sensible Sozial- und Gesundheitspolitik wieder gut macht.

Dafür brauchen wir im ersten Schritt ein umfangreiches Bild über den Stand der sozialen und gesundheitlichen Situation von LSBTI in Deutschland, um daraus konkrete Maßnahmen zu entwickeln. Wir fordern die Bundesregierung auf, die Große Anfrage mit Sorgfalt zu bearbeiten und noch in dieser Legislaturperiode zu beantworten."

Hintergrund:

Ausgewählte Zahlen, Daten, Fakten (internationale Studien)

- Die Selbstmordrate bei homo- und bisexuellen Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist signifikant höher als bei gleichaltrigen Heterosexuellen. Aktuelle Studien sprechen von einem dreifach bis sogar vier- bis achtfach höheren Risiko.

- 82 Prozent der lesbischen, schwulen und bisexuellen Jugendlichen und 96 Prozent der transgeschlechtlichen Jugendlichen haben Diskriminierungserfahrungen gemacht aufgrund ihrer sexuellen bzw. geschlechtlichen Identität.

- Im Job ist ein Drittel der LSBTI-Beschäftigten ungeoutet. Jede*r vierte LSBTI-Arbeitnehmer*in hat Erfahrungen mit Benachteiligung gemacht.

- Unter obdachlosen Jugendlichen sind laut Studien aus den USA besonders viele queere Jugendliche zu finden, nämlich um die 30 Prozent. Sie sind zudem länger obdachlos und mit mehr psychischen und körperlichen Problemen konfrontiert als andere Jugendliche. Der häufigste Grund für Obdachlosigkeit unter LSBTI-Jugendlichen besteht darin, aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität aus dem eigenen Haus vertrieben oder von zu Hause weggelaufen zu sein.

- In der aktuellsten systematischen Literaturübersicht, die 116 Studien aus 30 verschiedenen Ländern zusammenfasste, fanden sich bei trans*-Personen deutlich erhöhte Raten an psychischen Problemen wie Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen oder Substanzmissbrauch.

- "Sexuality Pay Gap": Es zeigt sich, dass in bedeutsamem Umfang homo- und bisexuelle Männer betroffen sind. Dieser "Sexuality Pay Gap" für Deutschland deckt sich mit ähnlichen Befunden zu anderen westlichen Ländern.

"Minority Stress" - Diskriminierung macht krank und grenzt sozial aus

Direkte und indirekte Diskriminierung, Stigmatisierung, Peer-Ablehnung und Mobbing haben nach wie vor schwerwiegende Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit von LSBTI. Diese negativen Erfahrungen führen zu höheren Prävalenzraten von Depressionen, Angststörungen, Substanzmissbrauch, Selbstverletzungen bis hin zu Selbstmord(-versuchen).

Die historische Erblast, aber auch die anhaltende Diskriminierung und Abwertung aufgrund negativen Werthaltungen gegenüber LSBTI Personen ("Homo-, Bi-, Trans- und Interfeindlichkeit"), mangelndes Wissen und die medizinische Unterversorgung verursachen außerdem, dass LSBTI durchschnittlich unter größerem Stress leben als der Bevölkerungsdurchschnitt.

Ziel der Großen Anfrage

Mit der Großen Anfrage machen die GRÜNEN erstmals die soziale und gesundheitliche Situation von LSBTI zum Thema im Deutschen Bundestag.

Eine effektive Sozial- und Gesundheitspolitik muss die besondere Situation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen berücksichtigen und ihren speziellen Bedarfen Rechnung tragen. Dazu ist eine umfassende und strukturierte Erfassung der sozialen und gesundheitlichen Situation von LSBTI unter Berücksichtigung von Mehrfach-Marginalisierung erforderlich. Die Große Anfrage soll erstmals ein umfangreiches Bild über den Stand der sozialen und gesundheitlichen Situation von LSBTI in Deutschland liefern und diese sichtbar machen, um daraus konkrete Handlungsstrategien zu entwickeln.

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