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Am 29 Februar ist der Equal Care Day

Bildbeschreibung: Mehrere Frauen und Männer im Anzug.
Foto: © Werner Heiber

Der Equal Care Day soll auf die Menschen aufmerksam machen, die für die Gesellschaft Fürsorge und Pflegearbeiten machen, dieses sind zum größten teil Frauen. Die verdi hat sich in einer Pressemitteilung zum Equal Care Day geäußert:

Mit einem Appell, Sorgearbeit (sogenannte Care-Arbeit) aufzuwerten und besser zu entlohnen, unterstützt Frank Werneke, Vorsitzender der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), den Equal Care Day 2020 (siehe www.equalcareday.de ).

Der Aktionstag thematisiert das immens große gesellschaftliche Gefälle bei der Verteilung, Wertschätzung und Entlohnung von Sorgearbeit. So verrichten Frauen immer noch zu einem weitaus größeren Teil als Männer nicht-bezahlte Sorgearbeit wie Pflege und Betreuung von Kindern oder Angehörigen sowie Arbeiten im Haushalt. In der beruflichen Care-Arbeit wiederum arbeiten zu über 80 Prozent Frauen, etwa in Kitas, Grundschulen, in der Pflege oder Reinigung. Es sind Bereiche, in denen weitaus schlechter bezahlt wird als etwa in der (männlich geprägten) Industriearbeit, Altersarmut ist damit vorprogrammiert.

„Wir streiten seit langem für die Aufwertung dieser überwiegend von Frauen verrichteten Tätigkeiten. Sorgearbeit, etwa in Kitas, der Kinder- und Jugendarbeit oder in der Pflege, ist höchst anspruchsvolle und oft emotional und körperlich belastende Arbeit. Sie ist gesellschaftlich absolut notwendige Arbeit, die aufgewertet und besser entlohnt werden muss. Wir brauchen zudem bessere Arbeitsbedingungen in der Sorgearbeit, etwa ausreichend Personal. Das ist zum Wohle der Beschäftigten und aller Bürgerinnen und Bürger, die erwarten, dass ihre Kinder oder älteren Angehörigen gut versorgt werden“, sagte Werneke.

Werneke verwies darauf, dass eine wichtige Stellschraube und Voraussetzung für die Aufwertung von Sorgearbeit auch die Einführung einer Pflegevollversicherung sei. „Absehbar steigende Kosten für gute Arbeitsbedingungen und anständige Löhne in der Pflege dürften nicht gegen die Interessen von Pflegebedürftigen ausgespielt werden. Pflegebedürftigkeit darf kein individuelles Armutsrisiko sein.“

Der ver.di-Vorsitzende kritisierte auch die weiterhin ungleich verteilte Last in der nicht-entlohnten Sorgearbeit. Es seien immer noch vor allem Frauen, die wegen häuslicher Sorgeaufgaben die Arbeitszeit reduzierten, in der Teilzeitfalle landeten und in Aufstiegs- und Karrierechancen eingeschränkt würden. Abhilfe schaffen könnten etwa konsequent gelebte, andere Unternehmenskulturen, das Rückkehrrecht auf Vollzeit für alle oder auch entsprechend tarifvertraglich gestaltete Arbeitszeitmodelle.

Katja Dörner, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende von den Grünen, und Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Pflegepolitik von den Grünen haben sich ebenfalls zum Equal Care Day geäußert:

Der Equal Care Day ist ein wichtiger Aktionstag, der auf die für unsere Gesellschaft so wichtige Sorgearbeit aufmerksam machen soll. Einkaufen für die Nachbarin, Hausaufgaben machen mit den Kindern, da sein für den pflegebedürftigen Vater: Das ist Arbeit, die überwiegend Frauen scheinbar nebenher erledigen. Die unbezahlte Arbeitszeit von Frauen ist noch immer fast doppelt so hoch wie die von Männern und damit extrem unfair verteilt.

Gleichzeitig erfährt diese Arbeit nur wenig Wertschätzung, obwohl unsere gesamte Gesellschaft und auch die Wirtschaft ohne sie nicht funktionieren könnten. Das hohe private Engagement in den Familien und die fachlichen Fähigkeiten in den sozialen Berufen sind das Rückgrat dieser Gesellschaft.

Die berufliche Sorgearbeit ist höchst anspruchsvoll und verdient deutlich mehr Anerkennung. Zudem dürfen wir aber die Arbeit nicht vergessen, die zumeist Frauen in ihrer Familie oder Nachbarschaft in die Pflege von Angehörigen stecken. Darum unterstützen wir die Macherinnen und Macher des Equal Care Days und setzen uns gemeinsam für Gleichberechtigung und eine faire Verteilung der Sorgearbeit ein.

Doris Achelwilm, gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE haben sich ebenfalls zum Equal Care Day geäußert:

„Arbeit und Zeit gerecht zu verteilen ist eine der dringlichsten Aufgaben der Politik. Ob die Erziehung von Kindern, die Pflege von Angehörigen, das Organisieren der Familie und die damit einhergehende Verantwortung: Diese notwendigen Daueraufgaben werden immer noch überwiegend Frauen zugeschrieben, gesellschaftlich unzureichend bewertet und ungleich verteilt. Folge ist, dass Frauen im Erwerbsleben zurückstecken und schlechtere Einkommen, Aufstiegschancen und Rentenaussichten haben."

„Laut dem Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung (2017) bringen Frauen für Sorgearbeit in Familien um die Hälfte mehr Zeit auf als Männer. Hier braucht es einen Kultur- und Politikwandel, der bei der Gleichstellung von Männern und Frauen auch die gleiche Verteilung von Verantwortung und Zeit im Privatleben mitdenkt. Es ist nicht akzeptabel, dass Frauen und Familien finanziell nach wie vor stark von männlichen Haupteinkommen oder steuerlichen Fehlanreizen wie dem Ehegattensplitting abhängig sein sollen. Es ist eine Aufgabe gesellschaftlicher Emanzipation und überfälliger Lohngerechtigkeit, dass Berufe, in denen überwiegend Frauen arbeiten, auf der Einkommensskala mit z.B. technischen Fachberufen gleichgestellt werden.

Der Equal Care Day stellt diese Fragen zu Recht in den Vordergrund, es ist an der Bundesregierung, entsprechend tätig zu werden.“ Pia Zimmermann, pflegepolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, fährt fort: „Dingen, die von Frauen umsonst und selbstverständlich erwartet werden, wird gesellschaftlich viel zu wenig Wert zugeschrieben. Das erleben unter anderem Pflegefachkräfte jeden Monat beim Blick auf ihren Lohnzettel. Auch die schlechten Arbeitsbedingungen finden bei Weitem noch nicht die notwendige Aufmerksamkeit. Der Aufschrei über den Pflegenotstand ist zwar groß, die Bundesregierung setzt dem aber nichts Wirksames entgegen. Sonntagsreden helfen niemandem weiter. Der Mangel an Pflegefachkräften ist auch eine Folge der Abwertung der Berufe, die hauptsächlich von Frauen ausgeübt werden.“

Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Sprecherin für Gesundheitsförderung von den Grünen hat sich zum Equal Care Day geäußert:

„Unser Gesundheitssystem reagiert noch immer zu starr auf die Bedürfnisse von Menschen mit seltenen Erkrankungen. Bis Betroffene richtig diagnostiziert werden, haben sie häufig einen langen Leidensweg hinter sich. Und auch dann gibt es viel zu selten eine angemessene Therapie. Wir brauchen daher vernetzte Strukturen, die einen verbesserten Austausch zwischen Ärztinnen und Ärzten ermöglichen. Das schließt eine enge Kooperation mit den europäischen Referenznetzwerken ein. Dringend notwendig sind flächendeckende Fallkonferenzen und mehr geschultes Personal, das Menschen mit seltenen Erkrankungen in die für sie richtige Versorgungsebene führt. Nachdem jüngst Regelungen für den Krankenhaussektor getroffen wurden, braucht es nun endlich Klarheit über Qualitätskriterien und die Finanzierung in niedergelassenen Praxen.“

Autor: md / © EU-Schwerbehinderung



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