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Bei Corona-Quarantäne: Gesundheitsämter wollen Kinder und Eltern trennen

Bildbeschreibung: Mädchen auf einer Kugel aus Stein sitzend und im Hintergrund grafisch dargestell, Corona-Viren
Foto: © 2020 EU-Schwerbehinderung

Das mit einer Corona-Infektion (positiver Test) auch eine Quarantäne folgt, ist eigentlich etwas selbstverständliches. Wenn dann in einer Familie ein positiver Test eines Familienmitgliedes erfolgt, sollte man erwarten, dass vorsichtshalber die gesamte Familie in Quarantäne kommt. "op-online" berichtete über eine Fall in der Ende Juli der Betrieb einer KiTa (Kindertagesstätte) eingestellt worden war, nachdem es dort zu einer bestätigten Corona-Infektion bei einem Kind kam.

Darauf hin musste die ganze Familie des Kindes in 14-tägige Quarantäne. Ein normales Vorgehen. Allerdings kam dann ein etwas verwunderliches Schreiben: „Ihr Kind muss im Haushalt Kontakte zu anderen Haushaltsmitgliedern vermeiden, indem Sie für zeitliche und räumliche Trennung sorgen (keine gemeinsamen Mahlzeiten. Ihr Kind sollte sich möglichst allein in einem Raum getrennt von den anderen Haushaltsmitgliedern aufhalten).", wie in dem Bericht dargestellt wurde. Eine Anordnung die offensichtlich kein Einzelfall mehr ist. Die Tageszeitung "Neue Westfälische" berichtete "Gesundheitsämter in mehreren Bundesländern fordern Eltern in der Coronakrise dazu auf, ihre Kinder in häuslicher Quarantäne getrennt von der Familie in einem Raum zu isolieren, wenn ein Corona-Verdacht besteht. " In der Anordnung wurde gefordert, es solle keine gemeinsamen Mahlzeiten geben.

„Für Personen, die nur Kontakt zu einer Kontaktperson I, nicht aber zum Erkrankten selbst hatten, liegt aus medizinischer Sicht keine erhöhte Infektionsgefahr vor. Auf Basis des Infektionsschutzgesetzes kann für diese Personengruppen zu diesem Zeitpunkt keine Quarantäne angeordnet werden. Das Gesundheitsamt kann in diesen Fällen nur die dringende Empfehlung einer häuslichen Isolation aussprechen.“, stellt Sandra-Kristin Klauß, Pressesprecherin beim Kreis Offenbach gegenüber op-online, fest.

Der Deutsche Kinderschutzbund macht deutlich, angeordnete Isolierung von Kindern mit Corona-Verdacht verletzt Kinderrechte. Auch sehr junge Kinder sollen demnach getrennt vom Rest der Familie in ihrem eigenen Zimmer aufhalten. In mindestens einem Fall, der uns vorliegt, wird der Familie bei Zuwiderhandlung mit der Herausnahme aus der Familie des 8-jährigen Kindes gedroht, stellt der Deutsche Kinderschutzbund dar.

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Hierzu erklärt Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers: „Die Situation der Quarantäne ist für Familien, insbesondere für Kinder ohnehin sehr belastend. Kinder in dieser Phase von ihren Eltern und Geschwistern zu isolieren, ist eine Form psychischer Gewalt. Der Kinderschutzbund empfindet diese Maßnahmen als unverhältnismäßig und nicht hinnehmbar. Die Drohung mit dem scharfen Schwert der Herausnahme und Unterbringung auf einer Isolierstation, verunsichert zudem Familien nachhaltig. Ganz sicher müssen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie getroffen werden. Dies lässt sich aber auch regeln, indem man den gesamten Haushalt oder doch zumindest noch ein sorgeberechtigtes Elternteil in die Quarantäne-Maßnahmen einbezieht. Ich rufe die kommunalen Verantwortungsträgerinnen und –träger auf, in allen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie dem Kindeswohl und den Kinderrechten Vorrang einzuräumen.“

In einer Stellungnahme vom Kreis Offenbach heißt es unter Anderem dazu: "Von den erhobenen Einschüchterungsvorwürfen, die „Familien in der Krise“ in ihrer Pressemitteilung vom 29. Juli 2020 gegenüber dem Gesundheitsamt erhebt, distanziert sich der Kreis Offenbach in vollem Umfang. Ein mögliches Zwangsgeld, das im Übrigen das mildeste aller Zwangsmittel darstellt, muss als mögliche Rechtsfolge zunächst angedroht werden, um gegebenenfalls auch festgesetzt werden zu können. Daher ist der entsprechende Absatz in derartigen Schreiben üblich und rechtlich auch notwendig. Das gilt auch für die übrigen Hinweise zu weitergehenden Maßnahmen. Es bezieht sich nur auf die eigentliche Verfügung, also die der Quarantäne. Familien in der Krise liegt diesbezüglich scheinbar ein Missverständnis vor. Die Quarantäneverfügung beinhaltet, dass das Kind die Wohnung (beziehungsweise das Grundstück, wenn zum Beispiel ein Garten vorhanden ist) nicht verlassen darf und Kontakte zu Besuchern und den Haushaltsmitgliedern auf das notwendigste Minimum beschränken soll. Natürlich dürfen und sollen sich die Eltern weiter vollumfänglich und altersgerecht um das Kind kümmern. Wie bereits beschrieben, geht es darum, wo möglich und vertretbar, Alternativen im täglichen Umgang miteinander zu finden. Gemeint sind zum Beispiel übermäßige Kontakte zu den Geschwistern – wenn umsetzbar – zu vermeiden. Diesen Umstand erklären die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamts auch bei Bedarf während der täglichen Gespräche mit den betroffenen Familien und versuchen so, dahingehend Ängste abzubauen.". Die vollständige Stellungnahme kann hier nachgelesen werden (link)

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung



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