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UPDATE: Bundesärztekammer Präsident: "Kinder sind kein besonderes Infektionsrisiko"

Bildbeschreibung: Ein Junge mit einer Mundmaske.
Foto: © Manuel Darío Fuentes Hernández

"Kinder und Jugendliche gehören offensichtlich nicht zu den Risikogruppen der Corona-Pandemie. Wir müssen aber verhindern, dass sie durch Kitaschließungen und den stark eingeschränkten Präsenzbetrieb in den Schulen zu besonderen Verlierern der Corona-Krise werden." Das hat Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt in der gegenwärtigen Debatte über die Ausgestaltung des Kita- und Schulbetriebes nach den Sommerferien gefordert.

Um das Infektionsrisiko zu vermindern, seien pragmatische Lösungen gefragt. "Masken in Aufenthaltsräumen und auf Schulhöfen können nützlich sein. Während des Unterrichts beeinträchtigen sie jedoch die Aufmerksamkeit, weil sie auf Dauer körperlich belastend sind. Sinnvoller ist es, besonders große Klassen zu trennen. Wir brauchen eine Bestuhlung mit möglichst großem Abstand, ausreichend Waschbecken und natürlich Seife für die Handhygiene sowie feste Zeiten für regelmäßiges Lüften", sagte Reinhardt. Außerdem sollten Länder und Kommunen Möglichkeiten für regelmäßige Corona-Tests von Lehrern und Erziehern durch die Gesundheitsämter schaffen.

"Kinder sind keine 'Keimschleudern'. Das zeigen auch alle aktuellen Studienergebnisse, wie zuletzt eine Auswertung der Universität Leipzig. Die Ergebnisse legen nahe, dass Kinder und Jugendliche in der aktuellen COVID-19-Pandemie keine herausragende Rolle in der Ausbreitungsdynamik spielen und kein besonderes Infektionsrisiko darstellen. Vielmehr bestätigt die Studie bereits vorangegangene Untersuchungsergebnisse, nach denen bei Kindern und Lehrern nur selten Antikörper auf das Corona-Virus und damit Hinweise auf eine bereits durchgemachte Infektion festgestellt wurden", sagte Reinhardt. Insofern stelle der Unterricht auch für Lehrkräfte kein höheres Infektionsrisiko dar, als dies bei anderen beruflichen Tätigkeiten mit zahlreichen Sozialkontakten gegeben sei.

"Die Bundesländer müssen jetzt den Mut haben, unter Einhaltung notwendiger Hygienekonzepte ein möglichst breites Spektrum von Präsenzunterricht in den Schulen sowie Betreuungsmöglichkeiten in den Kitas zu schaffen. Aktuelle wissenschaftliche Studien zeigen, dass dies ärztlich vertretbar ist", betonte Reinhardt. Gänzlich ausschließen ließen sich Infektionen in Pandemiezeiten zwar nicht. Unter Federführung der Gesundheitsämter könnten aber Stufenkonzepte für ein effektives Ausbruchsmanagement erstellt werden. Damit könnten Infektionsketten an Kitas und Schulen schnell nachvollzogen und unterbrochen werden. Insbesondere bei Infektionshäufungen in der Allgemeinbevölkerung einer Region, ohne direkten Bezug zu einer Kita oder Schule, sollte eine Schließung dieser Einrichtungen immer nur die letzte Option sein.

Sorgen bereiten dem Bundesärztekammer-Präsidenten mögliche Folgeschäden durch Kita- und Schulschließungen. "Heranwachsende haben nicht nur ein Recht auf Bildung, sie brauchen für ihr seelisches und körperliches Wohlbefinden strukturierte Tagesabläufe, Kontakt zu Gleichaltrigen und pädagogisch geschulte Ansprechpartner für ihre Sorgen und Nöte", sagte Reinhardt, der selbst Hausarzt ist. Wenn das nicht gegeben ist, drohten Angststörungen, Depressionen und andere psychische Erkrankungen. Hinzu komme, dass Schulen und Kitas auch Schutzräume für Heranwachsende seien. Bei einem Lockdown müsse davon ausgegangen werden, dass Kinder im Stillen leiden, weil Spuren von Misshandlungen im Verborgenen bleiben. Vor diesem Hintergrund hält Reinhardt die Aufnahme eines weitgehenden Regelbetriebes in Schulen und Kitas für zwingend erforderlich. Im Übrigen forderte er die Wiederaufnahme und Nachholung versäumter Schuleingangsuntersuchungen, um Gewalt und Verwahrlosung frühzeitig zu erkennen.

Reinhardt: "Wir müssen uns bewusst machen, dass Kitas und Schulen mehr sind als Betreuungs- und Bildungseinrichtungen. Sie geben Kindern und Jugendlichen Schutz, Halt und Orientierung. Für die Gesunderhaltung der Heranwachsenden sind sie unerlässlich."

Die Ad-Hoc Kommission schreibt in einer Stellungnahme: "Wir befürworten jede Maßnahme, die dem Zweck dient, die Schulen und Bildungseinrichtungen in der kommenden Wintersaison offen zu halten. Nicht nur die Entlastung für berufstätige Eltern, sondern auch das Wohlergehen der Kinder sind unabdingbar an einen funktionierenden Schulbetrieb gebunden. Der Schulbetrieb muss jedoch an pragmatische Konzepte gekoppelt sein, die das Risiko der Infektionsausbreitung an Schulen eliminieren oder zumindest deutlich reduzieren können. Für eine wirksame Unterdrückung der Virusausbreitung in der Gesamtgesellschaft bleibt es auch weiterhin eine Grundvoraussetzung, die Viruszirkulation in den Schulen niedrig zu halten. Gleichzeitig ist eine effektive Kontrolle der Neuinfektionen in der Umgebung der Schulen, also dem privaten Umfeld von Schülern und Lehrkräften, die beste Prävention für die Eintragung des Virus in die Schulen. Wir warnen vor der Vorstellung, dass Kinder keine Rolle in der Pandemie und in der Übertragung spielen. Solche Vorstellungen stehen nicht im Einklang mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen. Fehlende Präventions- und Kontrollmaßnahmen könnten in kurzer Zeit zu Ausbrüchen führen, die dann erneute Schulschließungen erzwingen. Eine Unterschätzung der Übertragungsgefahren an Schulen wäre kontraproduktiv für das kindliche Wohlergeben und die Erholung der Wirtschaft."

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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