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Sozialverbände kritisieren den neuen vorgestellten Freiwilligendienst

Bildbeschreibung: Zwei ältere Senioren.
Foto: © cc0 / EU-Schwerbehinderung

Die Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat heute die Einführung eines freiwilligen Wehrdienstes vorgestellt, dabei wurde Skepsis laut. Die Wohlfahrtsverbände schauen dem kritisch gegenüber und hinterfragen, ob der Dienst an der Waffe Sinn macht. „Bei allem Respekt vor neuen Ideen und vor dem Schutz der Heimat sollten wir nicht vergessen, dass es bereits gute Angebote gibt, sich im Sinne des gesellschaftlichen Zusammenhalts einzubringen", sagte Caritas-Präsident Peter Neher dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (RND) heute am Donnerstag.

Dazu gehörten das Freiwillige Soziale Jahr, das Freiwillige Ökologische Jahr, der Bundesfreiwilligendienst und das Programm "weltwärts" für Einsätze im Ausland. "Ob zusätzlich dazu ein Dienst an der Waffe Sinn macht, möchte ich mindestens kritisch hinterfragen", sagte Neher.

Kramp-Karenbauer stellte heute den neuen "Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz" der Bundeswehr unter dem Titel "Dein Jahr für Deutschland" vor. Dabei umfasst er eine sechsmonatige militärische Grundausbildung und einen Zeitraum der Reserve von sechs Jahren.

Ulrich, Schneider, der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hat scharfe Kritik ausgeübt an der Werbekampagne, mit der der Start des „Freiwilligen Wehrdienstes im Heimatschutz" begleitet werden soll. So befürchte er eine Benachteiligung sozialer Dienste im Wettbewerb mit der Bundeswehr. „Ich halte das für eine große Ungerechtigkeit", sagte Schneider gegenüber dem RND.

"Es geht nicht nur um hohe Werbeetats, sondern auch um Leistungen wie kostenlose Bahntickets für die Bundeswehr, die die Bundesregierung mal eben beschlossen hat, um die Bundeswehr attraktiver zu machen", so der Geschäftsführer des Paritätischen. Dabei kritisiere er: "Wo ist die Wertschätzung für die Arbeit, die unsere Freiwilligen im sozialen und ökologischen Bereich leisten? Menschen die freiwillig in der Pflege, Alten- oder Behindertenhilfe arbeiten, bekommen nicht mal ihr S-Bahn-Ticket ersetzt."

Der AWO-Chef Wolfgang Stadler sagte gegenüber dem RND: “Den Begriff eines Freiwilligendienstes bei der Bundeswehr lehnen wir ab.” Der Begriff müsse ein zivilgesellschaftlich geprägter sein und bleiben. “Die Idee, einen freiwilligen militärischen Dienst an Deutschland einzuführen, vermischt Begrifflichkeiten, die sauber getrennt bleiben sollten.”

Zudem haben sich die Verbände erleichtert geäußert, dass das Angebot der Bundeswehr nicht verpflichtend sein soll. “Ich begrüße, dass die Bundesverteidigungsministerin von der Idee einer allgemeinen Dienstpflicht abgerückt ist,” sagt Caritas-Präsident Neher zum RND. “Frau Kramp-Karrenbauer hat mit ihren Forderungen ja ordentlich abgespeckt. Gut, dass ein soziales Pflichtjahr vom Tisch ist”, sagte Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband gegenüber dem RND.

Jedoch sein die Befürchtungen groß das das Angebot nicht mehr wahrgenommen werde von den Verbänden. Im Konkurrenzkampf sehen sich Sie sich nicht mit der Bundewehr um Freiwillige, aber im Hinblick des Werbeaufwands im Verteidigungsministerium befürchten Sie für ihre Angebote Aufmerksamkeit einzubüßen. “Die Klientel, die wir ansprechen, ist eine andere, als die der Bundeswehr”, so Schneider gegenüber dem RND. “Die Motivation für einen Wehrdienst unterscheidet sich von der Motivation, Kinder in einer Tagesstätte zu betreuen.” Es sei jedoch problematisch, dass die Arbeit, die täglich in den Freiwilligendienste geleistet wird, nicht so sichtbar sei, wie einzelne medienwirksame Einsätze der Bundeswehr, so Schneider zum RND.

Sönke Rix, jugend- und familienpolitischer Sprecher von der SPD teilt zum heute vorgestellten neuen Freiwilligendienst der Bundeswehr mit:

Die SPD-Bundestagsfraktion begrüßt grundsätzlich den aktuellen Vorschlag des Bundesverteidigungsministeriums für junge Menschen, Beiträge für die Gesellschaft zu leisten. Allerdings dürfen dabei die etablierten zivilen soziale Dienste nicht benachteiligt werden.

„Die aktuelle Offensive für die Bundeswehr muss zwingend mit einer Verbesserung der Bedingungen für die zivilen Freiwilligendienste verknüpft werden. Alle Dienste an der Gesellschaft sollten dann gleich gut ausgestattet sein. Das würde zum Beispiel auch die Einführung eines kostenlosen Bahntickets für zivile Freiwilligendienstleistende umfassen.

Im Rahmen der etablierten zivilen Freiwilligendienste leisten junge Menschen einen großartigen Beitrag zum Zusammenhalt der Gesellschaft. Sie packen an, hören zu, nehmen Anteil und bringen ihre eigenen Ideen und jede Menge Tatendrang in unser gesellschaftliches Leben ein. Der Schlüssel zum Erfolg ist dabei, dass sie freiwillig und selbstbestimmt handeln.

Deshalb setzt sich die SPD-Bundestagsfraktion für mehr und gut ausgestattete Stellen bei den bewährten Freiwilligendiensten ein. Jeder junge Mensch, der sich engagieren möchte, soll auch ein geeignetes Angebot bekommen.

Besondere Bedarfe bei den sozialen Berufen und bei der Bundeswehr müssen wir mit zusätzlichen Anreizen, wie zum Beispiel gute Bedingungen bei Aus- und Fortbildung, im Arbeitsalltag und bei der Bezahlung, erreichen.“

LINKE lehnt den Heimatschutzdienst ab. Tobias Pflüger, verteidigungspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE teilt mit:

"Der ,Heimatschutzdienst' ist ein Wahlkampfmanöver von Annegret Kramp-Karrenbauer. Er löst keines der bestehenden Probleme der Bundeswehr. Die Ministerin kann auch nicht erklären, wozu dieser Dienst überhaupt gut sein soll. Es ist nichts geklärt, zum Beispiel, wo die neuen Heimatschützer bei der Bundeswehr eingesetzt werden sollen. Die Freiwilligen müssen ja betreut werden, aber dafür gibt es keine Kapazitäten und Strukturen. DIE LINKE lehnt diesen Heimatschutzdienst ab."

„Bedenklich ist der Vorstoß von Annegret Kramp-Karrenbauer auch wegen der rechten Netzwerke bei der Bundeswehr. Jetzt besteht die Gefahr, dass unter dem Deckmantel des Heimatschutzes noch mehr Rechtsextreme in den Kasernen landen. Für Rechtsextreme ist so ein Reservedienst eine zusätzliche Gelegenheit, eine Ausbildung an der Waffe zu bekommen.

Es gibt außerdem bereits gute, zivile Freiwilligendienste wie das Freiwillige Soziale und das Freiwillige Ökologische Jahr. Die Bundeswehr sollte den bestehenden Freiwilligendiensten keine unnötige Konkurrenz machen. Und die zivilen Freiwilligendienste dürfen nicht gegenüber der Bundeswehr benachteiligt werden. Was ist zum Beispiel mit den kostenlosen Bahnfahrten für Soldatinnen und Soldaten? Wenn Bundeswehr-Freiwillige kostenlos öffentliche Verkehrsmittel nutzen dürfen, dann muss das auch für alle anderen möglich werden."

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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