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Armutsrisiko für immer mehr Pflegebedürftige durch höhere Heimkosten

Bildbeschreibung: Ältere Mann und eine Ältere Frau, die draußen spazieren.
Foto: © pasja1000

Die Heimkosten steigen immer mehr an und die Rente reicht bei vielen nicht mehr aus. Dieses geht aus den Zahlen des Verbands der Ersatzkassen hervor. Im bundesweiten Schnitt sind inzwischen mehr als 2. 000 Euro fällig. Die regionalen Unterschiede sind groß: Am teuersten bleiben Heimplätze in Nordrhein-Westfalen mit nun durchschnittlich 2405 Euro. Dagegen ist die Belastung in Sachsen-Anhalt mit 1436 Euro am niedrigsten. Zum Vergleich: die durchschnittliche Altersrente betrug 2018 864€.

Die Kosten dabei unterscheiden sich in den einzelnen Bundesländern. Nordrhein-Westfalen ist der Spitzreiten und hat nach den Berechnungen zufolge mit 2.405 Euro je Platz pro Monat, danach kommt Baden-Württemberg (2.354 Euro) und dem Saarland (2.341 Euro). Am wenigsten Beträgt der Eigenanteil in Sachsen-Anhalt für die Heimkosten im Schnitt 1.436 Euro im Monat.

Die Sprecherin für Alten- und Pflegepolitik in der Grünen-Bundestagsfraktion, Kordula Schulz-Asche, erneuerte den Grünen-Vorschlag für eine doppelte Pflegegarantie. Danach sollen der Eigenanteil an den Pflegekosten gedeckelt und die übrigen Kosten von der Pflegeversicherung übernommen werden. Das verhindere Altersarmut und entlaste die Kommunen, die für steigende Ausgaben der Hilfe zur Pflege aufkommen müssten, erklärte Schulz-Asche.

Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Pflegepolitik von den Grünen erneute den Grünen-Vorschlag für eine doppelte Pflegegarantie. Schulz-Asche teilt dazu mit: „ Mit der doppelten Pflegegarantie wollen wir die ständig steigenden Eigenanteile begrenzen, die das Armutsrisiko für immer mehr pflegebedürftige Menschen und ihre Familien erhöhen. Wir wollen die Eigenanteile sofort senken und dauerhaft deckeln. Nun ist der Bundesgesundheitsminister gefordert, das Problem endlich anzupacken und seinen laschen Worten rasche Taten folgen zu lassen.“

Pia Zimmermann, die Sprecherin für Pflegepolitik von den Linken teilt mit:

„Pflegebedarf macht arm, und diese Armut lässt immer mehr Familien verzweifeln. Das ist seit Jahren bekannt, aber die Bundesregierung verschleppt Erleichterungen für Menschen mit Pflegebedarf. Diese Untätigkeit ist rücksichtslos.“

„Wir brauchen endlich eine Pflegevollversicherung, in der alle pflegebedingten Leistungen übernommen werden. Es ist nicht zu verstehen, warum Pflegebedarf ein individuelles Problem sein soll, das man sich leisten können muss. Mit einer solidarischen Gesundheits- und Pflegeversicherung, in der alle Einkommensarten herangezogen werden - nicht nur Erwerbseinkommen, sondern auch Mieteinkünfte und Kapitalerträge - kann man das System der Gesundheit und Pflege endlich solide finanzieren und diese Aufgaben gesellschaftlich sicherstellen. Dann sind steigende Löhne für Pflegekräfte und sinkende Eigenanteile für Menschen mit Pflegebedarf möglich. Beides ist dringend nötig. Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie sich dieser Aufgabe stellt und nicht länger nur leere Versprechungen macht.“

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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Diakonie-Präsident fordert für die Pflege faire Arbeitsbedingungen und gute Bezahlung

Bildbeschreibung: Eine Frau mit einer Mundmaske.
Foto: © Praveen Raj

Im Rahmen seiner Sommerreise sagte Lilie am Donnerstag bei einem Besuch im Bethlehemstift Zwönitz (Erzgebirge): "Leider droht mit dem Sinken der Covid-19-Infektionen dem politischen Rückenwind für die Pflegekräfte schon wieder eine Flaute. Dabei ist zu Beginn der Pandemie doch für alle mehr als offensichtlich geworden: Das Pflegesystem balanciert seit Jahren auf Messers Schneide und muss jetzt endlich reformiert werden. Die pflegebedürftigen Menschen müssen die Versorgung erhalten, die sie brauchen und nicht eine, die sie sich gerade noch leisten können. Dafür braucht es eine sehr viel bessere finanzielle Ausstattung der Pflegeversicherung."

Die diesjährige Sommerreise von Diakonie-Präsident Ulrich Lilie steht im Zeichen der Corona-Pandemie. Er besucht vom 3. bis 7. August 2020 diakonische Träger, die in besonderem Maß von Covid-19 betroffen waren. Im Bethlehemstift traf Lilie mit Rainer Sonntag, Vorstand der Diakonie Aue/Schwarzenberg, Einrichtungsleiterin Steffi Tscheuschner, sowie Mitarbeitenden und Bewohnerinnen und Bewohnern des Pflegestiftes zusammen. Im Bethlehemstift waren 53 der 70 Bewohnerinnen mit dem Virus infiziert, 15 starben. Auch weit über die Hälfte der Mitarbeitenden waren positiv getestet worden. Hier hatten der Mangel an notwendiger Schutzkleidung und der knappe Personalschlüssel in der Altenpflege dramatische Auswirkungen auf alle Betroffenen.

Lilie sprach den Angehörigen der Verstorbenen seine tiefe Anteilnahme aus. Er dankte im Namen der Diakonie Deutschland allen Mitarbeitenden für ihren großartigen Dienst, den sie während der Krise mit größtem Engagement und hohem persönlichem Einsatz geleistet haben: "Trotz allen Leids, trotz der Probleme bei der zeitnahen Beschaffung von Schutzausrüstung, trotz aller Unsicherheiten haben Sie bis an ihre körperlichen und psychischen Erschöpfungsgrenzen und darüber hinaus zum Wohle der Bewohnerinnen und Bewohner gearbeitet! Die Gesellschaft schuldet ihnen und allen anderen viel zu oft überhörten Alltagsheldinnen und -helden nicht nur Dank, sondern faire Arbeitsbedingungen und eine angemessene Bezahlung. Dazu brauchen wir dringend den politischen Willen zu einer zukunftssicheren Pflegereform."

Lilie verwies dabei auf das vor einem Jahr von der Diakonie und dem Evangelischen Verband für Altenhilfe und Pflege (DEVAP) erarbeitete Pflegereformkonzept. Es soll die bisherige Pflegeversicherung in eine Pflegevollversicherung mit begrenzter Eigenbeteiligung überführen. "Doch dazu muss mehr Geld in die Pflege", sagte Lilie: "Und das erfordert einen echten Systemwechsel bei der Finanzierung und daher auch eine öffentliche Diskussion, die wir jetzt endlich führen müssen."

Auch Rainer Sonntag warnt: "Die Pflege muss bezahlbar bleiben. Es kann nicht so weitergehen, dass jede Qualitätsverbesserung, jede Erhöhung des Personalschlüssels oder jede Vergütungssteigerung von den Versicherten selbst getragen werden muss. Auch der Pflegeberuf muss aufgewertet werden - vor allem durch verbesserte Arbeitsbedingungen und mehr Zeit! Wenn nichts geschieht, gehen wir sehr ungepflegten Zeiten entgegen!"

Autor: Diakonie / © EU-Schwerbehinderung



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Gesundheitsverwaltung und AOK Nordost richten Kriseneinsatzteam für die ambulante Pflege ein

Bildbeschreibung: Eine Frau die telefoniert.
Foto: © Gundula Vogel

In Berlin leben circa 80 Prozent der Pflegebedürftigen in ihrer häuslichen Umgebung. Ein Großteil der Versorgung wird von Angehörigen, Nachbarn und Freunden übernommen. Darüber hinaus werden ca. 30 Prozent der Pflegebedürftigen ergänzend oder ausschließlich von ambulanten Pflegediensten betreut. Diese Versorgung kann sowohl in der Privatwohnung, in einer Wohngemeinschaft oder in sogenannten Service-Wohnkonzepten erfolgen.

Im Gegensatz zur stationären Pflege gibt es derzeit für den ambulanten Bereich in Berlin keinen zentralen Ansprechpartner, der in Versorgungsnotfällen tätig wird. Daher haben die AOK Nordost und die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung gemeinsam ein Kriseneinsatzteam für die ambulante Pflege eingerichtet. Dieses Team bestehend aus Mitarbeiter*innen der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung und der AOK Nordost unterstützt in Corona-bedingten Notfallsituationen ambulante Pflegeeinrichtungen, ambulant versorgte Pflegebedürftige sowie deren Angehörige.

Bei Fragen zum Personalmanagement und zur Sicherstellung des Versorgungsauftrags steht das Team beratend und unterstützend zur Seite. Auch werden Meldungen von wesentlichen Beeinträchtigungen zur Sicherstellung der pflegerischen Versorgung nach § 150 Abs. 1 SGB XI in Randzeiten und am Wochenende gesichtet. Die konkrete Unterstützung erstreckt sich von der Ausrüstung mit Schutzmaterial über die Kommunikation mit den Gesundheitsämtern bis zur Aufrechterhaltung der Versorgungsleistung der ambulanten Dienstleister sowie der Pflegebedürftigen und ihrer pflegenden Angehörigen selbst.

Das Kriseneinsatzteam ist Montag bis Freitag von 8:00 bis 20:00 Uhr und an Wochenenden von 10:00 bis 18:00 Uhr unter 030/9028-1550 sowie unter der E-Mailadresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar.

Autor: AOK Bundesverband / © EU-Schwerbehinderung



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Corona-Sonderregelungen: Von diesen Vorteilen profitieren Pflegebedürftige noch bis 30.09.2020

Bildbeschreibung: Ein ältere Mann der eine Zeitung liest.
Foto: © bruce mars

In Corona-Zeiten gibt es für die häusliche Pflege eine Reihe von Sonderregelungen. Vielen Betroffenen fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Der Verband Pflegehilfe informiert deshalb über die wichtigsten coronabedingten Gesetze und Erweiterungen für Pflegebedürftige, die zu Hause leben und für deren Angehörige.

Für viele ist es neben Homeoffice, Kinderbetreuung oder Kurzarbeit herausfordernd, die Pflege und Betreuung eines Familienmitgliedes zu organisieren und zu finanzieren. Bereits ohne Corona kann es schwierig sein, im Gesetzesdschungel der Pflege den Überblick zu bewahren: Je nach Pflegegrad, Pflegesituation und sozialen Bedingungen unterscheiden sich die Ansprüche und Rechte von Pflegebedürftigen.

Um während der Corona-Pandemie die häusliche Versorgung bestmöglich und schnell zu organisieren, fasst der Verband Pflegehilfe die wichtigsten Sonderregelungen für Angehörige, pflegende Angehörige und Pflegebedürftige kurz zusammen.

20 Tage Pflegeunterstützungsgeld bei kurzzeitiger Arbeitsverhinderung

Vor Corona galt die Regelung, dass sich Berufstätige für bis zu zehn Tage von der Arbeit freistellen lassen dürfen, um die Pflege eines Familienmitgliedes zu organisieren. Für diese Zeit haben Betroffene Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatzleistung.

Auf Grund der aktuellen Situation besteht bis zum 30. September 2020 ein erleichterter Zugang zum Pflegeunterstützungsgeld: Arbeitnehmende, die die Pflege von Angehörigen übernehmen, können die Leistung für 20 Tage in Anspruch nehmen. Die Regelung gilt auch, wenn ein Versorgungsengpass bei der häuslichen Pflege besteht. Dazu zählt beispielsweise, wenn ein ambulanter Pflegedienst verhindert ist oder eine Pflegekraft ausfällt.

Haben Angehörige bereits den Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld genutzt, können sie diesen erneut geltend machen. Allerdings werden die bezahlten Tage, die Sie bereits genutzt haben, von den 20 Tagen insgesamt abgezogen.

Flexiblere Teilzeit durch Familienpflegezeit

Grundsätzlich ermöglicht die Familienpflegezeit Arbeitnehmenden, die ein Familienmitglied länger als sechs Monate zu Hause pflegen, bis zu zwei Jahre teilweise aus dem Beruf auszusteigen. Voraussetzung ist, dass das Unternehmen, in dem sie angestellt sind, mehr als 25 Mitarbeitende umfasst.

Bis zum 30. September 2020 können Arbeitnehmende, die die Familienpflegezeit noch nicht oder noch nicht ganz beansprucht haben, flexibler nutzen. Ursprünglich galt eine gesetzliche Mindestarbeitszeit von 15 Wochenstunden. Diese können Corona-Betroffene nun für einen Monat unterschreiten. Um den geringeren Lohn während der Familienpflegezeit auszugleichen, kann ein Darlehen beantragt werden - pandemiebedingte Einkommensausfälle werden bei der Ermittlung der Darlehenshöhe nicht berücksichtigt.

Bildbeschreibung: Das Bild hat die Überschrift: Corona-Sonderregelungen für pflegende Angehörige und zeigt die Sonderregelungen auf.

Erweiterungen der Entlastungsleistungen bei Pflegegrad 1

Bislang haben Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1, die zu Hause leben, monatlich Anspruch auf einen Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro. Dieser Zuschuss kann beispielsweise für die Kostenerstattung körperbezogener Pflegemaßnahmen eines ambulanten Pflegedienstes genutzt werden.

Bis zum 30. September 2020 haben Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 nun die Möglichkeit, den Entlastungsbetrag unkompliziert auch für andere Hilfen, wie zum Beispiel Nachbarschaftsdienste, zu verwenden. Voraussetzung ist, dass die Hilfe erforderlich ist, um coronabedingte Versorgungsengpässe zu überwinden.

Für Pflegebedürftige der Pflegegrade 1 bis 5 gilt weiter die Möglichkeit, die Ansparung bisheriger nicht in Anspruch genommener Entlastungsleistungen einmalig um drei Monate zu verlängern.

Zuschuss zur Kurzzeitpflege in stationären Rehabilitations- und Vorsorgeeinrichtungen

Generell gilt, ist es Angehörigen vorübergehend nicht möglich, ein Familienmitglied zu Hause zu pflegen, besteht ein Anspruch auf stationäre Kurzzeitpflege. Normalerweise übernimmt die Pflegekasse jährlich für die Dauer von acht Wochen Kosten von bis zu 1.612 Euro für die Kurzzeitpflege.

Um quarantänebedingte Engpässe während der Pandemie zu überbrücken, findet die Kurzzeitpflege während der Pandemie auch in stationären Einrichtungen der Rehabilitation und in Krankenhäusern statt. Bis zum 30. September 2020 haben Pflegebedürftige einen erhöhten Anspruch auf bis zu 2.418 Euro für die Kurzzeitpflege, wenn diese in stationären Rehabilitations- und Vorsorgeeinrichtungen geleistet wird.

Das Kurzzeitpflegegeld ist bis Ende September weiterhin zu 100 Prozent mit den Leistungen der Verhinderungspflege kombinierbar. Somit ergeben sich insgesamt 4.030 Euro für die Kurzzeitpflege in einer Einrichtung zur Rehabilitation oder medizinischen Vorsorge.

Anspruch auf Verhinderungspflege bei Homeoffice

Auch ohne Pandemie benötigen pflegende Angehörige bei der Pflege eines Familienmitgliedes gelegentlich kurzzeitig eine Vertretung, zum Beispiel während dem Urlaub oder bei Krankheit. In diesem Fall können sie die Leistungen der Verhinderungspflege in Höhe von bis zu 1.612 Euro in Anspruch nehmen. Voraussetzung ist, dass sie den oder die Angehörige bereits länger als sechs Monate zu Hause versorgen.

Bis zum 30. September 2020 können auch pflegende Angehörige, die wegen der Pandemie im Homeoffice sind und bei der Pflege durch entfernte Verwandte, Freunde oder Nachbarn unterstützt werden, bei der Pflegekasse die Leistungen der Verhinderungspflege fordern. Voraussetzung ist, dass die zu pflegende Person über einen Pflegegrad 2 bis 5 verfügt.

Erhöhter Zuschuss für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch

Vor Corona bekamen Pflegebedürftige für die häusliche Pflege und Versorgung monatlich die Kosten von Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch von bis zu 40 Euro erstattet. Dazu zählen Einmalhandschuhe, Mundschutze, Bettschutzeinlagen, Schutzschürzen sowie Hand- und Flächendesinfektionsmittel.

Rückwirkend ab dem 01. April 2020 und bis zunächst zum 30. September 2020 gilt jetzt ein abweichender monatlicher Höchstbetrag von bis zu 60 Euro für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch. Pflegebedürftige benötigen dazu keinen gesonderten Antrag und können die Rechnung wie gewohnt bei der Pflegekasse einreichen.

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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DEKV warnt vor voreiligen Schlussfolgerungen aus der Pandemie für die Krankenhaus-Strukturplanung

Bildbeschreibung: Mehrere Ärzte im OP-Saal.
Foto: © Günter Valda

Die Corona-Krise hat gezeigt, dass das deutsche Gesundheitssystem auch unter den erschwerten Bedingungen der Pandemie funktioniert und arbeitsfähig ist. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Diskussion über die Krankenhausstruktur in Deutschland an Bedeutung. Die Konzepte: Zentralisierung und Spezialisierung auf der einen Seite, bedarfsgerechte Versorgung mit Blick auf die Besonderheiten der Region auf der anderen.

Dazu Christoph Radbruch, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Evangelischen Krankenhausverbandes (DEKV): „Ich warne davor, bereits jetzt schon Lehren aus der Corona-Krise zu ziehen. Um Schlussfolgerungen für eine zukünftige Krankenhausstruktur abzuleiten, die unser Gesundheitswesen auf Dauer mitbestimmt, benötigen wir belastbare Daten. Subjektive Einschätzungen und Meinungsumfragen sind keine Basis für eine langfristige Planung, mit der wir zu einer systemischen Antwort kommen.“

Das 2. Bevölkerungsschutzgesetz bei einer epidemischen Lage nationaler Tragweite verpflichtet die Krankenhäuser zum 15. Juni und 15. Oktober zusätzliche fallbezogene Daten an das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) zu liefern. Ihre Auswertung wird zeigen, welches Leistungsgeschehen im Krankenhaus unter Pandemiebedingungen stattgefunden hat. „Diese Daten müssen unter verschiedenen Aspekten ausgewertet werden, damit die langfristige Planung auf einem Gesamtbild der aktuellen Versorgungslage basiert und das Ergebnis gut ausbalanciert ist. Planungsrelevant sind zudem die Ergebnisse der aktuellen Beratungen im G-BA zu den Qualitätsanforderungen für Zentren und Schwerpunkte. Daraus werden sich strukturelle, personelle und fachliche Kriterien ergeben. Für uns als evangelische Krankenhäuser ist es wichtig, die Patientinnen und Patienten mit ihren Bedürfnissen in den Mittelpunkt zu stellen. Unser Ziel ist es, sie bedarfsgerecht und qualifiziert zu versorgen. Das ist nicht automatisch an die Größe eines Krankenhauses gebunden. Daher ist die Anzahl der Betten für mich kein aussagekräftiger Parameter, um die qualifizierte Versorgung zu beurteilen. Ein wichtiger Aspekt der Patientensicherheit ist für uns dabei die Versorgungssicherheit“, betont Radbruch.

Pflege braucht unterschiedliche Qualifikationen

Für eine sichere und qualifizierte Patientenversorgung sind gut ausgebildete und motivierte Pflegekräfte eine wichtige Voraussetzung. Aufgrund der Pandemie waren die Pflegepersonaluntergrenzen ausgesetzt. Seit 1. August gelten sie für die Intensivmedizin und die Geriatrie wieder. „Um die Patientensicherheit zu gewährleisten, ist eine Mindestanzahl an Pflegepersonal unerlässlich. Die Kritik an den aktuellen Regeln zu den Pflegepersonaluntergrenzen richtet sich gegen ihre starre, bürokratische Ausgestaltung und die pflegefachlich nicht begründete Berechnung einer statistischen Durchschnittsgröße.

Der DEKV fordert, dass jede Pflegebemessungsregelung einen Mix an Qualifikationen ermöglicht, wie er in den Krankenhäusern bereits täglich gelebt wird. Dies bedeutet vor allem eine moderne, arbeitsteilige Gestaltung, die darauf abzielt, die examinierten Pflegefachkräfte zu entlasten und zu unterstützen. Passend zum Bedarf auf den Stationen sind dazu zum Beispiel Medizinische Fachangestellte, Anästhesietechnische Assistenzen, Notfallsanitäterinnen und -sanitäter oder Heilerziehungspfleger und Heilerziehungspflegerinnen eingesetzt. Dieser Mix an Qualifikationen trägt maßgeblich dazu bei, alle Patientengruppen qualifiziert und bedarfsgerecht zu versorgen. Und nur so kann die Sicherheit der Patienten durch ausreichend Personal sichergestellt werden. Vor diesem Hintergrund sind wir auf die Ergebnisse der ersten Zwischenbilanz zu den Pflegepersonaluntergrenzen, die Krankenhäuser, Krankenkassen, Pflegeverbände, ver.di, InEK und das Bundesgesundheitsministerium am 5. August 2020 gemeinsam ziehen, gespannt“, so Radbruch.

Autor: DEKV / © EU-Schwerbehinderung



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Verbändebündnis fordert nationalen Strategieplan in der Pflege

Bildbeschreibung: Eine Ärztin mit einem Tablet.
Foto: © Elena Borisova

Vom steigenden Bedarf an Pflegedienstleistungen bis hin zum Fachkräftemangel – die Herausforderungen des demografischen Wandels treten im Pflegebereich schon heute deutlich zutage. Digitale Lösungen bieten ein großes Potenzial bei der Bewältigung dieser Aufgaben. Sie können das Pflegepersonal von bürokratischen Tätigkeiten entlasten, eröffnen den Pflegebedürftigen neue Chancen der Teilhabe und erhöhen die Qualität und Sicherheit. Bislang bremsen ungeklärte rechtliche, technische und ökonomische Fragen die Digitalisierung in diesem Bereich jedoch aus.

Um die Entwicklung voranzutreiben, hat sich das neue Verbändebündnis „Digitalisierung in der Pflege“ (getragen von bvitg e. V., DEVAP e. V., DPR e. V., FINSOZ e. V., vediso e. V. und VdDD e. V) gegründet und zentrale Handlungsfelder in einem gemeinsamen Grundsatzpapier zusammengefasst:

Strategische Weichenstellungen für die Zukunft

Um den nachhaltigen und umfassenden Wandel der Pflegeversorgung nutzenstiftend zu gestalten, sprechen sich die Verbände für einen koordinierten Ansatz bei der Digitalisierung der Pflege aus. Zentrales Ziel muss die Erarbeitung eines nationalen Strategieplans sein. Ausgearbeitet werden könnte dieser von einem Kompetenzzentrum analog zum Health Innovation Hub (hih) des Bundesgesundheitsministeriums. Dieses kann darüber hinaus die Digitalisierung unter Einbeziehung aller beteiligten Gruppen konzeptionell und koordinierend unterstützen. Bestandteil dieser Organisationseinheit wäre ein interdisziplinäres Expertengremium, das aufbauend auf einer Erhebung des Digitalisierungsgrads verbindliche Standards und Leitlinien erarbeitet.

Technische Infrastruktur und Innovationen

Begleitet werden muss diese Strategie laut dem Grundsatzpapier von einem entschlossenen Ausbau der zugrundeliegenden Infrastruktur: vom Breitbandausbau über ein Mobilfunknetz, mindestens im 4G-Standard, bis hin zur technischen Ausstattung in den Einrichtungen selbst. Um mehr Anreize für Innovationen zu schaffen, schlagen die Verbände darüber hinaus die Einrichtung eines zentralen Innovationsfonds für digitale Innovationen in der Pflege vor. Dieser könnte deutlich einfacher und unbürokratischer als bisher Einrichtungen bei der Einführung neuer Technologien unterstützen. Ein besonderer Schwerpunkt sollte dabei auf Telemedizin und Telepflege und Smart-Homecare-Lösungen liegen, da diese besonders große Mehrwerte versprechen.

Refinanzierung von Investitionen und personellen Ressourcen

Die Digitalisierung der Pflege wird aus Sicht des Bündnisses nur dann an Fahrt aufnehmen, wenn die gesetzlichen Regelungen zur Refinanzierung der Pflegeeinrichtungen angepasst bzw. ergänzt werden. In angemessenem Umfang zu refinanzieren sind demnach Investitionen in die digitale Infrastruktur (beispielsweise in die Vernetzung von Gebäuden oder den Erwerb von Endgeräten), die aus der Digitalisierung resultierenden Betriebskosten (beispielsweise Wartungsgebühren und neue Lizenzierungsmodelle) sowie vor allem die personellen Ressourcen, die nötig sind, um die Potenziale der Digitalisierung auch tatsächlich zu heben. Veraltete Kostenrichtwerte der Förderbehörden bzw. Kostenträger seien anzupassen.

Digitale Kompetenzen und Teilhabe fördern

Für einen langfristigen Erfolg der Digitalisierung betonen die Verbände die zentrale Rolle der Akzeptanz und damit eine durchgehende Einbindung aller an der Pflegeversorgung Beteiligten. Daher muss aus Sicht des Bündnisses der Aufbau digitaler Kompetenzen stärker als bisher in die pflegerischen Ausbildungs-Curricula integriert und auch später durch regelmäßige Fort- und Weiterbildungen befördert werden. Darüber hinaus sind auch ganz neue Tätigkeitsprofile und Berufsbilder denkbar – etwa in Form eines „Pflege-Digital-Begleiters“ als Vermittler zwischen Pflegenden und IT. Die Möglichkeiten einer Aus-, Fort- bzw. Weiterbildung mit Hilfe digitaler Methoden sollten bei all diesen Maßnahmen konsequent mitgedacht werden.

Über das Bündnis „Digitalisierung in der Pflege“ Um die Digitalisierung auch in der Pflege in Deutschland voranzubringen, haben sich sechs Verbände aus dem Gesundheits- und Sozialwesen zum Bündnis „Digitalisierung in der Pflege“ zusammengeschlossen. Übergeordnete Forderung ist ein Kompetenzzentrum sowie ein nationaler Strategieplan zur Digitalisierung der Pflege.

Das Bündnis setzt sich zusammen aus dem Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) und dem Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland (VdDD) als Initiatoren sowie dem Deutschen Pflegerat (DPR), dem Deutschen Evangelischen Verband für Altenarbeit und Pflege (DEVAP), dem Fachverband Informationstechnologie in Sozialwirtschaft und Sozialverwaltung (FINSOZ) und dem Verband für Digitalisierung der Sozialwirtschaft (Vediso). Weitere Informationen sowie das gemeinsame Grundsatzpapier finden Sie hier.

Zur Gründung des „Bündnis zur Digitalisierung der Pflege“ erklärt Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Alten- und Pflegepolitik von den Grünen:

Die Digitalisierung in der Pflege eröffnet neue Wege, ist aber keineswegs ein Selbstläufer. Damit sich die Hoffnungen erfüllen und wir die Chancen ergreifen können, braucht es eine klare, breit aufgestellte Strategie und eine nachhaltige Finanzierung. Es wird Zeit, dass wir uns gemeinsam auf den Weg machen. Deshalb begrüßen wir die Initiative des „Bündnis für Digitalisierung in der Pflege“. Wesentlich ist, dass durch die Digitalisierung älteren und pflegebedürftigen Menschen ein längeres Leben im eigenen Zuhause und soziale Teilhabe ermöglicht werden kann. Für das Pflegepersonal könnten schnellere Informationen und mehr Zeit für eine gute Versorgung der pflegebedürftigen Menschen zur Verfügung stehen. Damit die Menschen tatsächlich auf digitale Technologien zurückgreifen und von möglichen Vorteilen profitieren können, muss ihre Perspektive schon in der Entwicklung berücksichtigt werden. Wir machen uns deshalb für einen Digitalpakt für die Digitalisierung in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Pflegediensten und einen Innovationsfonds für die Pflege stark, damit endlich die Saat der Digitalisierung auf fruchtbaren Boden fallen kann.

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung



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Pflegebeauftragte Baehrens lobt Arbeit der Pflegeeinrichtungen und -dienste während der Coronakrise

Bildbeschreibung: Ein Mann mit Mundmaske im Hintergrund ist ein Bett zu sehen.
Foto: © Alexandra_Koch

Die Pflegebeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion Heike Baehrens hat die Arbeit der Pflegedienste und -einrichtungen während der Coronakrise gelobt. Je nach Entwicklung des Infektionsgeschehens müsse es gegebenenfalls vonseiten der Bundespolitik weitere Unterstützung geben. "Die professionell Pflegenden haben mit hoher Fachlichkeit Konzepte und Standards entwickelt und ich bin der Überzeugung, dass Infektionsrisiken erheblich minimiert wurden", erklärte die Abgeordnete bei einem Besuch der Tagespflege Uhingen im Oberdorf, die Mitglied im Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa) ist.

Sie stehe in ständigem Austausch mit Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten, sagte Baehrens. "Ich weiß um die Verunsicherung bei vielen Menschen, hoffe aber sehr, dass sie Entlastungsangebote wie die Tagespflege wieder stärker in Anspruch nehmen."

Für die 24 Gäste der Tagespflege Uhingen, von denen viele die Einrichtung als ein zweites Zuhause ansehen, sei mit dem Lockdown ein wichtiger Teil des Alltags verloren gegangen, berichtete die Inhaberin Evelyn Papp im Gespräch mit der Abgeordneten. "Jetzt ist ein Besuch der Tagespflege wieder möglich; viele Tagesgäste und deren Familien freuen sich, aber es gibt auch noch Verunsicherung, der wir mit Aufklärung und einem umfassenden Hygienekonzept begegnen."

Für Tagespflegeeinrichtungen sei die Coronakrise auch wirtschaftlich belastend, sagte der baden-württembergische bpa-Landesvorsitzende Rainer Wiesner. "Der Rettungsschirm für Pflegeeinrichtungen, dessen Fortsetzung aufgrund der andauernden Pandemie geboten ist, war ein starkes Signal der Bundesregierung an die Pflege. Wir benötigen aber auch eine Refinanzierung der entgangenen Investitionskosten." Hier greife der Rettungsschirm nicht, sagt Wiesner und nimmt die Landesregierung in die Pflicht. "Andere Bundesländer sind hier schon weiter. Ohne Unterstützung durch das Land ist das in den letzten Jahren gut gewachsene Angebot der Tagespflege gefährdet."

Autor: bpa / © EU-Schwerbehinderung



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Steigende Heimkosten in der Pflege stoppen

Bildbeschreibung: Ein ältere Mann.
Foto: © Tim Doerfler

Schlechte Nachrichten für Pflegebedürftige: Die Kosten für die Betreuung in den Heimen in Deutschland steigen immer weiter. Das geht aus den jüngsten Zahlen des Verbands der Ersatzkassen hervor. Im bundesweiten Schnitt sind inzwischen mehr als 2000 Euro fällig. Die regionalen Unterschiede sind groß: Am teuersten bleiben Heimplätze in Nordrhein-Westfalen mit nun durchschnittlich 2405 Euro. Dagegen ist die Belastung in Sachsen-Anhalt mit 1436 Euro am niedrigsten. Zum Vergleich: die durchschnittliche Altersrente betrug 2018 864€.

Der Sozialverband VdK fordert mehr Tempo von der Politik. VdK-Präsidentin Verena Bentele dazu:

„Pflege betrifft jeden. Pflege ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Wir brauchen endlich eine Pflegevollversicherung, die alle pflegebedingten Kosten abdeckt. Schon heute bekommt ein Drittel aller Pflegeheimbewohner Sozialhilfe. Die Eigenanteile in der Pflege müssen endlich sinken. Pflege darf nicht regelhaft zum Ruin führen.“

Die Leistungen der Pflegeversicherung decken die Pflegekosten in den Heimen nicht ab, sie sind seit Einführung der Pflegeversicherung nicht mit der Preisentwicklung mit gestiegen. Hinzu kommen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung und die Investitionskosten, die eigentlich die Länder zahlen sollten.

Auch in der ambulanten Pflege steigen die Probleme: ambulante Pflegedienste nehmen keine neuen Patienten mehr auf, für Tagespflegeeinrichtungen gibt es Wartelisten. Die ambulante Pflege geht häufig zu Lasten der Gesundheit und des Einkommens der pflegenden Angehörigen.

„Die Pflegeversicherung muss endlich die Pflegekosten übernehmen – und nicht nur einen Zuschuss. Die zu erwartenden Kosten für eine Pflegevollversicherung wären für die Versicherten und Arbeitgeber über¬schaubar - aber nur dann, wenn die gesetzliche und die private Pflegeversicherung nicht mehr getrennt wären. Außerdem müssen die Länder endlich die Investitionskosten übernehmen.“

Autor: VDK Presse und Öffentlichkeitsarbeit / © EU-Schwerbehinderung



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Huml schafft neues Beratungsangebot in der Pflege

Bildbeschreibung: Eine Frau mit einem Telefon Headset.
Foto: © Gerd Altmann

Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml baut das Beratungsangebot für pflegebedürftige Menschen in Bayern weiter aus. Mit der "Koordinationsstelle Pflege und Wohnen" gibt es dafür seit August in Bayern eine neue Anlauf- und Beratungsstelle für Kommunen. Die Ministerin betonte am Dienstag: "Menschen möchten auch im Alter möglichst selbstbestbestimmt und eigenverantwortlich leben. Wir möchten Pflegebedürftige bei ihrem Wunsch unterstützen, möglichst lange in der gewohnten häuslichen Umgebung bleiben zu können. Die ‘Koordinationsstelle Pflege und Wohnen‘ ist ein wichtiger Baustein, um individuelle Lösungen zu Wohn-, Pflege und Betreuungsformen, angepasst an die regionalen Gegebenheiten vor Ort, zu entwickeln."

Aufgrund der demografischen Entwicklung sind die einzelnen Kommunen meistens die erste Anlaufstelle bei Problemen im Pflege-Setting. Die Beratung und fachliche Unterstützung wird unter anderem für alle bayerischen Gemeinden, kreisfreien Städte, Landkreise und Bezirke vor Ort abrufbar sein. Dieses Angebot, insbesondere in der aufsuchenden Form, ist gerade für kleine Kommunen wichtig. Denn sie verfügen oft über kaum oder gar keine Ressourcen für die Gestaltung des sozialen Nahraums ihrer pflegebedürftig gewordenen Bürgerinnen und Bürger."

Die Koordinationsstelle berät aber auch kostenfrei und neutral alle Interessierte, Pflegebedürftige, Angehörige und Initiatoren zu ambulant betreuten Wohngemeinschaften, Tagespflegeeinrichtungen und sonstigen innovativen Wohnformen.

Huml ergänzte: "Alternative und innovative Wohn-, Pflege- und Betreuungsformen gewinnen durch den demografischen Wandel zunehmend an Bedeutung. Es freut mich daher, dass wir mit der "Koordinationsstelle Pflege und Wohnen" ein zusätzliches Angebot für die Kommunen geschaffen haben, um Pflegebedürftigen ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Durch innovative Lösungen wird es künftig noch häufig möglich sein, dass Pflegebedürftige möglichst lange in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung bleiben können oder durch alternative Wohnprojekte ein neues Zuhause finden."

Mit der Koordinationsstelle sollen Kommunen und Initiatoren kleiner pflegerischer Angebote gestärkt und dabei unterstützt werden, eine regional individuell angepasste Lösung für eine Förderung der pflegerischen Infrastruktur zu entwickeln.

Die neue Koordinationsstelle wird von einem Team der Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung in München betrieben und knüpft an die erfolgreiche bisherige Arbeit der bereits Anfang 2015 beauftragten und etablierten Koordinationsstelle für ambulant betreute Wohngemeinschaften an.

Die Koordinationsstelle mit Sitz in München bietet persönliche und individuelle Beratungsgespräche an und wird regelmäßig Fachtagungen, Seminare und Fachvorträge im Rahmen von Veranstaltungen in allen Regierungsbezirken Bayerns abhalten.

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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Pflegeheime werden immer teurer

Bildbeschreibung: Ein ältere Mann der im Sessel sitzt.
Foto: © Roland Kay-Smith

Für die Betreuung im Heim müssen Pflegebedürftige immer mehr selbst bezahlen. Die Eigenanteile sind nach Angabe des Verbandes der Ersatzkassen jetzt über die Marke von 2000 Euro im Monat gestiegen. (wir berichteten) Dazu sagt Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik in der Diakonie Deutschland: "Eine grundlegende Reform der Pflegeversicherung ist längst überfällig. Schon lange dringen wir darauf, dass die Eigenanteile für die Pflege mindestens begrenzt werden. Die Pflegeversicherung sollte das Pflegerisiko absichern. Davon sind wir heute weit entfernt. Dahin müssen wir aber zurückkommen. Zügiges politisches Handeln ist angesichts der demographischen Entwicklung alternativlos.

Außerdem braucht es eine neue Investitionsförderung durch die Länder, die sich nicht aus der Verantwortung für eine Pflegeinfrastruktur stehlen dürfen."

Die Eigenanteile, die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen selbst bezahlen müssen, setzen sich zusammen aus den Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie aus der Beteiligung an den Investitionskosten des Heimträgers und an den Kosten für die Pflege im Heim. Die Eigenanteile an den Pflegekosten sollten durch eine Reform der Pflegeversicherung im ersten Schritt gesenkt und perspektivisch wieder vollständig über die Pflegeversicherung finanziert werden.

Autor: Diakonie / © EU-Schwerbehinderung



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Klima geht uns alle an - auch die Pflege!

Bildbeschreibung: Das Bild zeigt auf der linke Seite eine dürre Landschaft und auf der rechten Seite eine Wiese mit roten Blumen.
Foto: © enriquelopezgarre

Es gibt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Klima und Gesundheit - und so haben die Auswirkungen des Klimawandels auch direkten Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden von Menschen. Zugleich trägt der Gesundheitssektor selbst zum Klimawandel bei. Er verursacht z.B. einen deutlich größeren CO2-Fußabdruck als die Luftfahrt.



Für die Versorgung von Personen mit Pflegebedarf ist das Thema deshalb höchst relevant. Insbesondere bei Hitzewellen rückt das Problem verstärkt in unser Bewusstsein. Hitzewellen stellen auch Gesundheits- und Pflegeinrichtungen vor große Herausforderungen. Besonders ältere, kranke oder pflegebedürftige Menschen sind gefährdet. Wegen der großen Hitzewelle 2003 sind in Europa geschätzt 70.000 Menschen gestorben.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) hat zum Thema eine Broschüre veröffentlicht. Unter dem Titel ‚Pflege im Umgang mit dem Klimawandel‘ gibt es insbesondere zu Hitzewellen umfassende Informationen und Tipps was pflegerisch dabei getan werden kann.

Der DBfK unterstützt die Aktion ‚Health for Future‘ (healthforfuture.de) und wirbt für ihre Ziele. Es ist eine Aktionsplattform der übergeordneten Initiative KLUG (Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit) für die Gesundheitsberufe.

Autor: DBfK / © EU-Schwerbehinderung



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Verband fordert Kriterium "Hygiene" wieder in den Pflege-TÜV aufzunehmen

Bildbeschreibung: Eine Waschmaschine mit einem Handtuch.
Foto: © Steve Buissinne

Der neu geregelte sogenannte „Pflege-TÜV“ findet nach der Corona-Pause, ab September wieder Einsatz in der Bewertung der vollstationären Pflege durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). Seit der Reform der MDK-Qualitätsprüfung im Jahr 2019 wurde beim Prüfverfahren für Pflegeeinrichtungen das Kriterium Hygiene rausgenommen. Der Interessenverband „Klasse Wäsche“ fordert die Wiederaufnahme des Kriteriums in den „Pflege-TÜV“.

Dabei steht die Kontrolle hauswirtschaftlicher Bereiche wie Küche und Wäscherei, sowie die Sauberkeit von Wäsche und Geschirr in den Pflegebetrieben beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) nicht mehr auf der Checkliste. Diese Vorgehensweise kritisiert, der Verband: "Die vom MDK vorgelegten Fragebögen orientieren sich fast ausschließlich an der Pflege. Die Qualität der Hauswirtschaft steht überhaupt nicht mehr im Fokus", erklärt "Klasse Wäsche"-Sprecher Markus Wendlinger. "Sauberes Geschirr und saubere Wäsche sind aber ein Teil der Hauswirtschaft. Besonders im Umgang mit älteren Menschen, welche oft ein schwaches Immunsystem besitzen, ist Hygiene essenziell, um Ansteckungen zu vermeiden. Außerdem trägt sie nicht unerheblich zum Wohlbefinden der Pflegebedürftigen bei."

Walter Ecker, stellvertretender Sprecher von "Klasse Wäsche", ergänzt: "Die Hauswirtschaft wird in dieser Qualitätsprüfung nicht gleichberechtigt zur Pflege behandelt. Dieser Kontrollmangel führt dazu, dass es auch keine Verpflichtung mehr für Qualität in der Hauswirtschaft gibt".

Gemeinsam mit der hauswirtschaftlichen Beratung KlöberKassel setzt sich „Klasse Wäsche“ dafür ein, dass die Qualität der pflegebetriebsinternen Hauswirtschaft auch weiterhin kontrolliert wird.

Die Geschäftsführerin, Christine Klöber von KlöberKlassel fordert: „Der aktuelle Prüfkatalog des MDK fokussiert nur die Ergebnisqualität beim Bewohner. Das Fehlen der hygienischen Beurteilung signalisiert unterschwellig, dass das Thema nicht wichtig sei. Die Notwendigkeit eines guten Hygienemanagements durch die Hauswirtschaft, mit all seinen Leistungsbereichen, ob Küche, Wäsche, Reinigung oder Corona-Krisenmanagement, hat sich gerade in den vergangen Monaten der Pandemie als ein wichtiger Stützpfeiler der Infektionsvermeidung und -Minderung herausgestellt. Hygiene ist lebenswichtig, es gehört auf die Tagesordnung der politischen Verantwortlichen und des MDK, tragen Sie Sorge dafür, dass die personellen und finanziellen Rahmenbedingungen zur Hygienesicherung in Pflegeeinrichtung und damit dem aktiven Bewohnerschutz geschaffen werden und dass Hygiene wieder ein Prüfbestandteil wird!”

„Wer derzeit eine Pflegeeinrichtung für einen Angehörigen sucht, kann sich am „Klasse Wäsche“-Siegel orientieren“, empfiehlt Markus Wendlinger. „Dieses steht für kontrollierte Sauberkeit und höchste Hygienestandards in ausschließlich hauseigenen Wäschereien der zertifizierten Hotellerie, Gastronomie und Pflegebetrieben in Deutschland, Österreich und Südtirol“.

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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Deutliche Verbesserung fordert der VdPB für die Pflege

Bildbeschreibung: Eine Frau mit einer Mundmaske.
Foto: © Luiza Braun

Die jüngsten Zahlen des Robert-Koch-Instituts sind beunruhigend, denn sie deuten auf eine zweite, möglicherweise durch Rückkehrer aus Risikogebieten ausgelöste Welle der COVID-19-Pandemie in Deutschland. Das Infektionsgeschehen nimmt in der Fläche zu und ist nicht mehr auf einzelne Hotspots beschränkt. Die Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB) fordert die Politik auf, unverzüglich vorbereitende Maßnahmen für alle im Gesundheitswesen Tätigen zu ergreifen, um besser für eine zweite Infektionswelle gewappnet zu sein. Georg Sigl-Lehner, Präsident der VdPB, betonte: „Wir erwarten klare Konzepte, die auch geeignet sind, weitere Belastungen für die beruflich Pflegenden zu verhindern und die Risiken für das gesamte medizinische Personal zu reduzieren.“

Nachdem vor einem halben Jahr die ersten Corona-Erkrankungen in Bayern zunächst glimpflich verlaufen waren, drohte schon kurze Zeit später die Überforderung des deutschen Gesundheitswesens durch den sprunghaften Anstieg schwerer COVID-19-Verläufe. Noch bevor die erste Infektionswelle in Deutschland ihren Höhepunkt erreichte, beeilten sich die politischen Entscheidungsträger mit ersten Maßnahmen, um eine Situation wie in Spanien oder Italien zu vermeiden – vor allem die beruflich Pflegenden, die plötzlich zumindest nominell als systemrelevant gewürdigt wurden, zahlten den Preis dafür: Pflegepersonaluntergrenzen wurden ausgesetzt, 12-Stunden-Schichten legitimiert, Schutzkleidung war weder in Kliniken noch in Einrichtungen der Langzeitpflege oder ambulanten Diensten ausreichend vorhanden.

„Obwohl die befürchtete Überlastung der intensivmedizinischen Versorgung bis heute ausgeblieben ist, mussten Kolleginnen und Kollegen in der Akutpflege vielerorts über ihr Belastungs-Limit gehen, um die Folgen der Pandemie aufzufangen. Auch in der Langzeitpflege zeigen sich jetzt im Personalbereich massive Überlastungserscheinungen, nicht nur weil unter den Bewohnern der Einrichtungen besonders viele Opfer zu beklagen waren, sondern auch weil die Schutzmaßnahmen wie Besuchsverbote und Quarantäneauflagen die durch den Personalmangel ohnehin angespannte Situation zusätzlich verschärft haben. Der eklatante Mangel an Schutzausrüstung hat in allen Bereichen, stationär wie ambulant, für eine enorme Verunsicherung gesorgt und dazu beigetragen, die Infektionszahlen in der Pflege in die Höhe zu treiben“, fasst Sigl-Lehner zusammen. „In der Summe hat das zu einer großen Unzufriedenheit in der Berufsgruppe geführt, viele fühlen sich verheizt und vor allem von der Politik allein gelassen, zumal es außer Beifall vom Balkon nur wenig bis gar keine Anerkennung gab.“

Bislang lässt die Politik nach Ansicht der VdPB die Bereitschaft vermissen, aus den bisherigen Erfahrungen notwendige Konsequenzen zu ziehen. Zwar gelten vom 1. August an die Pflegepersonaluntergrenzen für Intensivstationen und Geriatrie wieder, von fundierten und am Bedarf orientierten Personalbemessungsinstrumenten, wie sie die VdPB fordert und die eine echte Entlastung der Pflege bieten können, ist man allerdings sowohl in der Akut- als auch in der Langzeitpflege noch weit entfernt. Die Arbeitsbedingungen, die sich in der Coronakrise weiter massiv verschlechtert haben, werden kaum noch thematisiert. Dabei erwartet die Berufsgruppe an dieser Stelle deutliche Verbesserungen, die echte Wertschätzung der Leistung erkennen lassen.

„Bei vielen Kolleginnen und Kollegen ist schon lange der Eindruck entstanden, dass es gar keinen echten Willen zu fundamentalen Veränderungen gibt. Auch die Zahlung von Corona-Boni, die nicht einmal die gesamte Berufsgruppe erreicht hat, entspricht nicht der Anerkennung, die die Pflegenden erwarten. Bei einer drohenden zweiten Infektionswelle ist nicht damit zu rechnen, dass sie unter diesen Umständen noch einmal die Hauptlast schultern werden. In Israel hat der erneute Anstieg der Infektionen zu einem Streik der Pflege geführt. Applaus aus den Parlamenten wird eine solche Reaktion in Deutschland womöglich nicht verhindern. Darum ist eine entsprechende Vorbereitung auf eine zweite Infektionswelle und Berücksichtigung der berechtigten Anliegen beruflich Pflegender unerlässlich“, fordert der VdPB-Präsident ausdrücklich.

Autor: md / © EU-Schwerbehinderung



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Die Eigenanteile für die Pflege steigen weiter an

Bildbeschreibung: Eine Seniorin und eine Pflegerin mit Mundmaske.
Foto: © cc0 / EU-Schwerbehinderung

Im Jahr 2018 waren 72,8 Millionen Menschen in der sozialen Pflegeversicherung (SPV) versichert, über eine halbe Millionen mehr als 2017. Der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) teilt zur Ausgabenentwicklung in der Pflege mit:

Die Zahl der Leistungsempfänger nahm ebenfalls deutlich zu: Sie stieg von knapp 3,3 Millionen auf rund 3,7 Millionen im Jahr 2018. Grund für den deutlichen Zuwachs bei den Leistungsempfängern ist vor allem der 2017 mit den Pflegestärkungsgesetzen eingeführte neue Pflegebedürftigkeitsbegriff sowie die Alterung der Gesellschaft.

Diese Entwicklung macht sich natürlich auch bei der Ausgabenentwicklung bemerkbar. Die Ausgaben der SPV erhöhten sich 2018 auf 41,3 Milliarden Euro (+7,1 Prozent). Die Einnahmen betrugen hingegen 37,7 Milliarden Euro (+4,5 Prozent). Damit verblieb 2018 ein Defizit von rund 3,6 Milliarden Euro. Die Rücklagen gingen von 6,9 auf 3,4 Milliarden Euro (entspricht 1,0 Monatsausgabe) zurück.

Problematisch ist, dass sich die Eigenanteile, die die Pflegebedürftigen für den einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE), die Unterkunft und Verpflegung sowie die Investitionskosten zu tragen haben, stetig erhöhen. Der durchschnittliche monatliche Anteil betrug im Juli 2020 2.015,00 Euro. Hier gibt es auch große Unterschiede in den einzelnen Bundesländern.

Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Alten- und Pflegepolitik von den Grünen teilt zur vdek-Studie zu den steigenden Pflege-Eigenanteilen mit:

Die Pflegeversicherung wird dem Anspruch gesellschaftlicher Solidarität der Versichertengemeinschaft immer weniger gerecht. Ihre derzeitige Systematik verhindert, den pflegebedürftigen Menschen die notwendige Pflege zukommen zu lassen und die betroffenen Familien bei den Pflegekosten zu entlasten. Bisher übernimmt die Pflegeversicherung nur einen Teil der Kosten für die Pflege, während die pflegebedürftigen Menschen selbst ständig steigende Eigenanteile tragen müssen. Wir müssen diesen Trend endlich stoppen! Deshalb bieten wir mit der doppelten Pflegegarantie eine pragmatische Lösung, wie wir die Eigenanteile schnell senken und dauerhaft deckeln können. Zukünftig so ll die Pflegeversicherung alle darüber hinaus gehenden Pflegekosten übernehmen. Das verhindert Altersarmut und entlastet die Kommunen, die für steigende Ausgaben der Hilfe zur Pflege aufkommen müssen.

In Zeiten des demografischen Wandels ist die Reform der Pflegeversicherung mit einer soliden, gerechten Finanzierung notwendiger Pflege eine gewaltige Herausforderung, die ein breites politisches und gesellschaftliches Zusammenwirken braucht. Deshalb ist es nur schwer nachvollziehbar, warum Gesundheitsminister Spahn noch immer keinen Vorschlag vorgelegt hat. Die Bundesregierung steht bei den pflegebedürftigen Menschen und ihren Familien seit Jahren in der Pflicht.

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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SPD und Linke fordern eine Pflegevollkaskoversicherung

Bildbeschreibung: Eine Frau mit einer Mundmaske.
Foto: © Ben Kerckx

Die Pflegekräfte mussten in der Corona-Krise großen Einsatz leisten, die SPD-Landtagsfraktion fordert für den Pflegeberuf eine Pflegevollkaskoversicherung. Dabei soll die Pflegeversicherung künftig Leistungen vollumfänglich und nicht mehr zum Teil übernehmen, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Lisa Kapteinat am Dienstag in Düsseldorf. Aus Steuermitteln soll die Vollversicherung finanziert werden. Dieses lasse sich nicht durch Beitragserhöhungen stemmen.

Davon Profitieren würden nicht nur die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen, sondern auch die Tausenden Beschäftigten in der Pflege.

Pia Zimmermann, Sprecherin für Pflegepolitik der Fraktion DIE LINKE teilt heute mit:

„Eine Reform der Pflegefinanzierung reicht nicht mehr. Wir brauchen eine Pflegerevolution – in allen Bereichen. Die steigenden Eigenanteile für Menschen mit Pflegebedarf in der stationären Pflege. „Pflegebedarf macht arm, und diese Armut lässt immer mehr Familien verzweifeln. Das ist seit Jahren bekannt, aber die Bundesregierung verschleppt Erleichterungen für Menschen mit Pflegebedarf. Diese Untätigkeit ist rücksichtslos.“

„Wir brauchen endlich eine Pflegevollversicherung, in der alle pflegebedingten Leistungen übernommen werden. Es ist nicht zu verstehen, warum Pflegebedarf ein individuelles Problem sein soll, das man sich leisten können muss. Mit einer solidarischen Gesundheits- und Pflegeversicherung, in der alle Einkommensarten herangezogen werden - nicht nur Erwerbseinkommen, sondern auch Mieteinkünfte und Kapitalerträge - kann man das System der Gesundheit und Pflege endlich solide finanzieren und diese Aufgaben gesellschaftlich sicherstellen. Dann sind steigende Löhne für Pflegekräfte und sinkende Eigenanteile für Menschen mit Pflegebedarf möglich. Beides ist dringend nötig. Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie sich dieser Aufgabe stellt und nicht länger nur leere Versprechungen macht.“

Autor: md / © EU-Schwerbehinderung



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Gesundheitsfachberufe: Ausbildung in Hessen ab 1. August 2020 schulgeldfrei

Bildbeschreibung: Ein Studentin die etwas schreibt in einem Notizblock.
Foto: © cc0 / EU-Schwerbehinderung

Zum 1 August 2020 tritt in Hessen ein Gesetz zur Abschaffung des Schulgeldes in Gesundheitsfachberufen in Kraft. Das Land fördert demnach entsprechende Schulen künftig jährlich mit bis zu fünf Millionen Euro, damit die Auszubildenden kein Schuldgeld mehr zahlen müssen. Mit der neuen Regelung wurde eine wichtige Forderung des Sozialverbands VdK Hessen-Thüringen im Kampf gegen den akuten Fachkräftemangel in diesen Berufsfeldern erfüllt. "Der Wegfall der hohen Ausbildungskosten, die bisher viele Schulabgänger auf der Suche nach einer Lehrstelle abgeschreckt haben, ist eine sinnvolle und wirksame Maßnahme, um diese Berufe für junge Leute wieder attraktiv zu machen", sagt der VdK-Landesvorsitzende Paul Weimann.

Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, Diätassistenten und Podologen bilden eine tragende Säule des Gesundheitswesens: Die Behandlung dort ist nicht nur als Anschlussheilbehandlung unverzichtbar, sondern kann Patientinnen und Patienten vor Erwerbsunfähigkeit oder Pflegebedürftigkeit bewahren. "Dies ist vor allem in Hinblick auf die Lebensqualität und gleichberechtigte Teilhabe von älteren Menschen sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen von enormer Bedeutung", betont Paul Weimann.

Die Übernahme der Ausbildungsgebühren sei allerdings nur ein erster Schritt in die richtige Richtung, so der VdK-Landesvorsitzende. Der Verband bedauert, dass der Schulgelderlass nicht auch rückwirkend für das Ausbildungsjahr 2019/20 greift. Die kostenfreie Ausbildung allein reicht jedoch nicht aus, um die gravierende Versorgungslücke im Therapiebereich zu schließen. Darüber hinaus sind aus Sicht des VdK eine angemessene Entlohnung sowie Zuschüsse zu den Kosten für die vorgeschriebenen Fortbildungen in den Gesundheitsfachberufen zwingend erforderlich.

Aktuell steigt einer Umfrage der Hochschule Fresenius zufolge jeder vierte Physio- und Ergotherapeut wegen schlechter Arbeitsbedingungen aus dem Beruf aus. „Als Sozialverband sehen wir die fatalen Folgen dieser Entwicklung für die Patienten“, warnt Paul Weimann. "Immer mehr Menschen brauchen therapeutische Hilfe, um nach Krankheit oder Unfall wieder eigenständig zu werden oder gesundheitlichen Einschränkungen vorzubeugen. Es ist nicht akzeptabel, dass sie kaum Chancen auf einen zeitnahen Behandlungstermin haben."

Autor: VDK Presse und Öffentlichkeitsarbeit / © EU-Schwerbehinderung



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Höhere Löhne, geregelte Arbeitszeiten, mehr Mitsprache: Das soll mehr Pflege-Kraft bringen

Bildbeschreibung: Eine Frau mit einer Mundmaske.
Foto: © Marek Studzinski

Eine bessere Vergütung, geregelte Arbeitszeiten und mehr Mitsprache für die Pflege – dies sind drei zentrale Forderungen von Teilnehmenden der Aktion „Mehr Pflege-Kraft“. Im Rahmen der Aktion „Mehr Pflege-Kraft“ hatte das Bundesgesundheitsministerium die professionell Pflegenden gefragt: Welche Maßnahmen und Ideen braucht es vor Ort für mehr Pflege-Kraft? Über 6.000 Vorschläge sind eingegangen. Die Beiträge wurden vom Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e. V. ausgewertet. Neben konkreten Vorschlägen für mehr Schlagkraft in der Pflege enthalten sie auch gute Beispiele aus der Praxis. Die Themen und Lösungsansätze werden auf der Website pflegenetzwerk-deutschland.de vorgestellt.



„Die Einreichungen zeigen, dass wir an den richtigen und wichtigen Themen arbeiten. Wir haben aber auch erfahren, dass die bereits geschaffenen Neuerungen und Gesetzesänderungen noch nicht überall in der Praxis angekommen sind“, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu den Ergebnissen.

Das Wichtigste im Überblick:

Mehr Wertschätzung durch höhere Entlohnung

Auf die Frage, was Deutschland mehr Pflege-Kraft bringen könne, entfielen die mit Abstand meisten Nennungen auf das Thema Vergütung. Die Befragten sprachen sich insbesondere für eine Anhebung der Löhne für Beschäftigte der Altenpflege und der Hilfskräfte aus und forderten eine gesellschaftliche Aufwertung der Pflege.

Mehr Mitsprache und stärkere Entlastung durch geregelte Arbeitszeiten

Auf der organisatorischen Ebene sprachen sich die Befragten am häufigsten für eine stärkere Begrenzung der Arbeitszeiten aus – etwa durch Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit auf 30 Stunden, eine monatliche Obergrenze für Wochenenddienste oder die Vermeidung der erlaubten aufeinanderfolgenden Arbeitstage auf maximal fünf bis acht.

Die Teilnehmenden fordern außerdem mehr Mitsprache ein – in den Einrichtungen selbst etwa bei der Dienstplangestaltung und bei Fragen der pflegerischen Versorgung. Wichtig ist es den in der Pflege Tätigen aber auch, durch eine Selbstverwaltung mehr in politische Entscheidungsprozesse eingebunden zu werden.

Der Dialog geht weiter: im Pflegenetzwerk Deutschland

Wie Maßnahmen zur Stärkung der Pflege konkret aussehen können, zeigen die eingereichten Praxisbeispiele von der Dienstplangestaltung bis zur Betrieblichen Gesundheitsförderung. Erste Praxisideen wurden im Pflegenetzwerk Deutschland vorgestellt, weitere werden in den kommenden Monaten folgen.

Das Pflegenetzwerk Deutschland ist eine Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit. Es führt den Dialog der Aktion „Mehr Pflege-Kraft" fort, z. B. mit digitalen Praxisdialogen zu aktuellen Themen wie der Ausgestaltung von Besuchsregelungen in Zeiten der Corona-Pandemie. „Die Aufgabe des Pflegenetzwerks ist es, den Austausch zwischen den Netzwerkteilnehmern anzuregen und die in der Pflege Tätigen zu vernetzen. Denn wir wollen, dass viel mehr Pflegende von den guten Lösungen profitieren“, so Bundesgesundheitsminister Spahn.

Autor: md / © EU-Schwerbehinderung



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Beschäftigte mit Mindesturlaub bekommen mehr Urlaubstage

Bildbeschreibung: Ein Kalender.
Foto: © Andreas Lischka

Gute Nachricht für alle Beschäftigten in der Pflege, die nur Anspruch auf Mindesturlaub haben: Es gibt in diesem Jahr bis zu fünf Tage mehr Erholungsurlaub. Darauf weist die Pflegekammer Niedersachsen in Hannover hin. In diesen Tagen beginnt für viele Menschen ihr wohlverdienter Sommerurlaub. Fast untergegangen ist während der Corona-Pandemie eine gesetzliche Regelung aus dem Frühjahr dieses Jahres.

Sie beschert Beschäftigten in der Pflege zusätzlich zum gesetzlichen Urlaubsanspruch bis zu fünf bezahlte Urlaubstage mehr. 2021 und 2022 soll es sogar bis zu sechs freie Tage mehr geben. Einen Haken hat die Regelung jedoch: Anspruch auf mehr Urlaubstage haben nur Pflege-Beschäftigte mit gesetzlichem Mindesturlaub. Konkret heißt das, dass eine Person, die 20 Tage Mindesturlaub hat, 2020 fünf Tage mehr Urlaub nehmen kann. Sollten darüber hinausgehende tarifliche oder arbeitsvertragliche Urlaubsansprüche bestehen, bleiben diese davon unberührt. Wer also mehr als 25 Tage Urlaub bekommt, für den ändert sich nichts.

Die gesetzliche Regelung findet sich in der Vierten Verordnung über zwingende Arbeitsbedingungen für die Pflegebranche, die unter anderem auch den Mindestlohn für Beschäftigte in der Pflege regelt. Die Verordnung gilt bis zum 30. April 2022.

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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Auch OVG lehnt Antrag auf Abbruch der Befragung der Pflegekammermitglieder ab

Bildbeschreibung: Ein Gerichtshammer.
Foto: © succo

Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hat am Dienstag schriftlich mitgeteilt, dass es den Antrag eines Mitglieds der Pflegekammer Niedersachsen, die Befragung der Mitglieder im Rahmen einer einstweiligen Anordnung abzubrechen, abgelehnt hat. Der Antragsteller hatte sich zuvor bereits vor dem Verwaltungsgericht Hannover gegen die Weitergabe seiner Adressdaten an den Dienstleister, der mit dem Versand der Zugangsdaten zur Befragung beauftragt wurde, gewehrt.

Das Sozialministerium hatte daraufhin zugesichert, dass seine Daten nicht weitergegeben würden. Beide Gerichte folgten mit ihren Entscheidungen der Argumentation des Ministeriums, dass der Anlass für den Antrag auf Abbruch der Befragung damit nicht mehr gegeben sei.

„Damit kann die Befragung zur Zukunft der Pflegekammer nun endlich starten. Wir hoffen auf eine hohe Beteiligung, um ein möglichst umfassendes Meinungsbild unter den Pflegekräften in Niedersachsen zu erhalten“, erklärt der Staatssekretär des Sozialministeriums, Heiger Scholz.

Die Zugangsdaten für die rund 78.000 Fragebögen werden ab Mittwoch an die Kammermitglieder versandt. Die Abgabe der Fragebögen wird bis zum 6. September möglich sein.

Autor: md / © EU-Schwerbehinderung



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Pflegekräfte in Kliniken gehen beim Pflegebonus leer aus

Bildbeschreibung: Eine Frau mit einer Mundmaske.
Foto: © Jonathan Borba

In der Corona-Pandemie wurde von der Bundesregierung ein Pflegebonus beschlossen. Auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) ist zu lesen, für wenn der Pflegebonus gedacht ist. Das BMG schreibt auf seiner Webseite: "Alle Beschäftigten in der Altenpflege, die im relevanten Zeitraum und Umfang im Jahr 2020 hauptsächlich in der direkten Pflege und Betreuung arbeiten, können den Betrag von bis zu 1.500 Euro erhalten. Die Beschäftigten in Berlin, Niedersachsen und Thüringen erhalten bislang bis zu 1.000 Euro. Das betrifft insbesondere Pflegefach- und Pflegehilfskräfte, Alltagsbegleiterinnen und Alltagsbegleiter, Betreuungskräfte, Assistenzkräfte und Präsenzkräfte, Beschäftigte in der hauswirtschaftlichen Versorgung und verantwortliche Pflegefachkräfte. Auch Leiharbeiter und Mitarbeiter in Servicegesellschaften erhalten die Prämie nach den gleichen Regeln."

Petra Brand, Fraktionssprecherin der LINKEN in der Stadtverordnetenversammlung kritisiert die Entscheidung des Bundes, dass nur Altenpfleger*innen einen Pflegebonus bekommen sollen: "Die Pflegekräfte in den Krankenhäusern waren und sind ähnlichen Zusatzbelastungen durch die Corona-Krise ausgesetzt wie diejenigen in der Altenpflege. Klinikpfleger*innen berichten ebenfalls, dass sie durch das ständige Tragen der Maskeneiner erhöhten körperlichen Belastung ausgesetzt sind. Sie werden ebenfalls ständig von der Angst begleitet, sich selbst, Patienten oder ihre Angehörigen zuhause anzustecken."

Das Gesundheitsministerium hatte die Ausgrenzung des Klinikpersonals damit begründet, dass die Entlohnung in der Altenpflege aktuell noch nicht so hoch sei wie z. B. die Entlohnung von Pflegekräften in Krankenhäusern. Brand fährt fort: "Es ist schon traurig, dass Pflegekräfte überhaupt mit einem einmaligen Bonus abgespeist werden sollen, anstatt sie dauerhaft leistungsgerecht zu bezahlen. Wenn jetzt ein Teil davon noch nicht mal einen Bonus bekommen soll, dann ist das eine Schande für unser Gesundheitssystem. Ich fordere alle Verantwortlichen auf, sich dafür einzusetzen, dass Arbeit im Dienst des Menschen endlich angemessen bezahlt wird!"

In einer Pressekonferenz der Bundesregierung, war der Pflegebonus thematisiert worden. (wir berichteten) Frage an die Bundesregierung: "Es geht um den Pflegebonus, der nun ja doch nicht an die Krankenpfleger in den Kliniken bezahlt wird. Der Minister sagte, das sollten nun die Krankenhäuser übernehmen und sei über das Pflegebudget gedeckt, was die Kliniken wiederum abstreiten. Diese sagen, sie seien durch Corona in enormen finanziellen Schwierigkeiten. Warum bekommen denn jetzt nur die Altenpfleger den Bonus und nicht auch die Krankenpfleger?"

Sebastian Gülde vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG): "Zu diesem Thema haben wir uns hier schon häufiger geäußert. Wir haben immer davon gesprochen, dass dieser Bonus in der Altenpflege ausgezahlt wird. In der Krankenpflege ist jetzt die Vereinbarung solcher Boni möglich. Wir haben - das habe ich hier auch schon ausgeführt - zu Beginn des Jahres die Pflegekosten aus den Fallpauschalen herausgenommen. Alles, was in der Pflege anfällt, wird vollständig refinanziert. Das gilt auch für tariflich vereinbarte Boni."

"Macht es sich der Minister nicht prinzipiell etwas zu einfach, wenn er politische Versprechen nun auf Kliniken abwälzt?" Gülde vom BMG stellte dazu klar: "Wir haben keine politischen Versprechen in dieser Richtung gemacht."

Für große Enttäuschung sorgte diese Regelung, bei den Pflegekräften, die in den Krankenhäusern arbeiten und teilweise in der Hochphase der Pandemie, an die Grenzen der Belastbarkeit gegangen sind. Ein Umdenken in der Bundesregierung scheint es nicht zu geben, denn die Bundesregierung hat sich klar zu der Frage geäußert: "Gibt es beim Thema Pflegebonus einen neuen Stand, also eventuell doch Pläne, den Bonus auf Krankenhauspersonal auszuweiten?"

Die Bundesregierung verneinte dieses, wie aus der Antwort der Bundesregierung deutlich wird: "Nein. Wir haben uns schon mehrfach zu diesem Thema geäußert. Beim Pflegebonus ging es darum, Pflegekräften in der Altenpflege eine Prämie auszuzahlen. Hintergrund des Ganzen ist, dass Pflegekräfte gerade in der Altenpflege hohen Belastungen im Zuge der Coronapandemie ausgesetzt waren und dass dort auch die Löhne vergleichsweise niedrig ausfallen. Daher haben wir für Pflegekräfte einen solchen Pflegebonus ermöglicht. In der Krankenpflege gestaltet sich das anders. Dadurch, dass wir dort die Entlohnung der Pflegekräfte, die Pflegefinanzierung, aus den Fallpauschalen herausgenommen haben und sämtliche Vereinbarungen, die die Tarifpartner dort in Eigenregie treffen, refinanzieren, ergibt sich dort bereits die Möglichkeit, solche Boni zu vereinbaren."

Autor: kk / © EU-Schwerbehinderung



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Zielführende Personalbemessung statt Reaktivierung starrer Vorgaben

Bildbeschreibung: Eine Pflegerin die sich um einen älteren Mann kümmert.
Foto: © Alterio Felines

„Die von Minister Spahn vorgesehene Wiederinkraftsetzung der Pflegepersonalbesetzungsvorgaben auf Intensivstationen ist ein falsches Signal zum falschen Zeitpunkt“, erklärt DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum. (wir berichteten) Damit wird der Eindruck erweckt, die Pandemie sei überwunden. Tatsache ist aber, dass jederzeit Intensivstationen mit COVID-Patienten in Cluster-Regionen so in Anspruch genommen werden könnten, dass die starren bundesweiten Vorgaben in den Kliniken vor Ort nicht eingehalten werden könnten. Die infizierten Intensivpatienten müssten dann in andere Kliniken verlegt werden. „Niemand weiß, wie sich in den nächsten Wochen nach der Urlaubsperiode die Infektionslage entwickeln wird. Richtigerweise ist die Pandemiegesetzgebung für den Krankenhausbereich auf Ende September bzw. bis Ende des Jahres ausgerichtet“, so Baum.

Die DKG erinnert daran, dass die Krankenhäuser in den letzten Monaten gezeigt haben, dass sie zur höchstverantwortlichen Stellung aller erforderlichen personellen Kräfte in der Lage sind. Die Reaktivierung der Personaluntergrenzen im Intensivbereich ist auch angesichts der grundsätzlichen und von allen maßgeblich Beteiligten geführten Kritik am Pflegeuntergrenzen-Konzept unverständlich.

Dass auch die Pflegekräfte die PPUG ablehnen zeigte eine im Mai veröffentlichte Umfrage. Zwei Drittel der Pflegekräfte in den Krankenhäusern empfanden die von der Politik verordneten Personaluntergrenzen für Kliniken keineswegs als hilfreich. Die Hauptkritikpunkte waren: Bürokratie und keine Verbesserung der Situation der Pflegekräfte.

Seit Monaten liegt dem Ministerium das Konzept von Ver.di, dem Deutschem Pflegerat und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) vor, dass mit einem Pflegepersonalbedarfsbemessungsinstrument eine bessere Personalausstattung in den Kliniken sichern und unbürokratisch erzielen will. Es ist an der Zeit, die nicht sachgemäßen Untergrenzen abzulösen und mit einem Bedarfsbemessungsinstrument eine zukunftsfähige Lösung zu implementieren“, forderte Georg Baum „Mit der PPR 2.0 haben wir ein unbürokratisches Personalbedarfsbemessungsinstrument vorgelegt, das eine bedarfsgerechte pflegerische Versorgung der Patienten im Krankenhaus abbildet und ein weitaus bedarfsgerechteres Verfahren zur Sicherung der Pflegequalität darstellt.

Autor: dm / © EU-Schwerbehinderung



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