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Anhebung des Wohngelds geplant

Bildbeschreibung: Auf dem Bild ist Geld zu sehen, dass aus einer Hosentasche raushängt.

Die Bundesregierung hat dazu den Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung des Wohngeldes eingebracht, wonach das Wohngeld zum 1 Januar 2020 erhöht werden soll. (Drucksache 19/10816).

Darin heißt es, zuletzt sei das Wohngeld zum 1. Januar 2016 angepasst worden. Seitdem seien die Wohnkosten und die Verbraucherpreise deutlich gestiegen und würden voraussichtlich weiter steigen. Die Leistungsfähigkeit des Wohngeldes nehme dadurch mit der Zeit ab. Zusätzlich würden bereits Erhöhungen der Einkommen, die nur die Entwicklung der Verbraucherpreise ausgleichen würden, zu einer Reduktion oder zum Verlust des Wohngeldanspruchs führen. Dies habe zur Folge, dass die Zahl der Wohngeldempfänger und die Reichweite des Wohngelds sinke.

Der Gesetzentwurf sieht eine Anpassung der Parameter der Wohngeldformel vor, um die Zahl der Wohngeldempfängerinnen und Wohngeldempfänger zu erhöhen und die Reichweite des Wohngelds zu vergrößern. Eine Anpassung an die allgemeine Entwicklung von Mieten und der nominalen Einkommen in Höhe der Inflation sei dabei berücksichtigt. Vorgesehen ist die Einführung einer Mietenstufe VII in bestimmten Gemeinden und Kreisen, um Haushalte mit besonders hohen Mietniveaus gezielter bei den Wohnkosten zu entlasten. Außerdem werden die Höchstbeträge, bis zu denen die Miete berücksichtigt wird, regional gestaffelt angehoben. Zudem soll das Wohngeld künftig dynamisiert werden, das heißt, alle zwei Jahre per Verordnung an die eingetretene Miet- und Einkommensentwicklung angepasst werden. "Eine regelmäßige Fortschreibung des Wohngelds stellt sicher, dass seine Leistungsfähigkeit als sozialpolitisches Instrument der Wohnungspolitik erhalten bleibt", begründet die Regierung die Dynamisierung.

In der Begründung des Gesetzentwurfs heißt es, ohne eine Reform würde die Zahl der Wohngeldempfängerhaushalte von rund 630.000 Ende 2016 auf voraussichtlich 480.000 Ende 2020 absinken. Im Hinblick auf den Anstieg der Erst- und Wiedervermietungsmieten sei eine Stärkung des Leistungsniveaus und der Reichweite des Wohngelds über eine reine Realwertsicherung hinaus erforderlich, denn zwischen 2015 und 2017 seien die Erst- und Wiedervermietungsmieten um durchschnittlich zehn Prozent auch stärker gestiegen als die Nominallöhne mit fünf Prozent.

Quelle: Heute im Bundestag (hib)

Weil Pflegebedürftigkeit keine Altersgrenze kennt - So digitalisiert ein junges Unternehmen die Vorsorge

Bildinhalt: Ein Mann schreibt etwas auf einen Notizblock neben ihm steht ein Laptop auf dem Tisch.

Obwohl fast jedem Deutschen die Wichtigkeit der Patientenverfügung ein Begriff ist, haben nur 15% eine erstellt, wie eine Studie der lFD Allensbach belegt.

Dass Themen wie Tod oder Pflegebedürftigkeit keine sind, mit denen man sich gerne beschäftigt, erkannten auch die kreativen Köpfe hinter meine-vorsorgedokumente.de. Fehlende Aufklärung über notwendige Dokumente oder unzureichendes Interesse an der Thematik führen in den meisten Fällen dazu, dass die Vorsorge aufgeschoben wird - oft bis es zu spät ist. Aus diesem Grund hat es sich das junge Team zur Aufgabe gemacht, die Erstellung und Hinterlegung von Vorsorgedokumenten so angenehm und einfach wie möglich zu gestalten. So wollen sie mehr Leute dazu bewegen, sich mit dem wichtigen Thema zu beschäftigen.

Das digitale Angebot soll eine persönliche Beratung durch den Anwalt nicht ersetzen, sondern eine kostengünstige und digitale Alternative bieten. So scheitert die Erstellung der Dokumente bei großen Teilen der Bevölkerung nicht zuletzt am hohen Preis der Rechtsberatung. Das aktuell noch kostenlose Angebot wird auch langfristig immer günstiger als eine persönliche Rechtsberatung bleiben - das ist die Vision von meine-vorsorgedokumente.de

Nutzer können sich auf der Plattform meine-vorsorgedokumente.de über wichtige Dokumente wie Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht oder Sorgerechtsverfügung informieren und diese anschließend mithilfe des Vorsorgeassistenten erstellen. "Wichtig ist nicht nur, dass der Nutzer sein Vorsorgedokument über unsere Plattform erstellen kann, sondern dass er auch genau weiß, was das Dokument beinhaltet. Vor der Erstellung klären wir den Nutzer über die Bedeutung der Inhalte sowie rechtliche Themen auf. So können wir sicher sein, dass der Nutzer den Prozess auch wirklich versteht", erklärt Nicola Beringer von meine-vorsorgedokumente.de. Um komplexe und schwer verständliche Formulierungen macht das Team bewusst einen großen Bogen: Durch anschauliche Grafiken und ein einfaches Frage-Antwort-Schema werden relevante Informationen für jedermann verständlich.

Die Benutzung des Vorsorgeassistenten ist einfach: Durch die Beantwortung von Fragen wird der Nutzer durch die Erstellung seines persönlichen Vorsorgedokuments geleitet. Bei Verständnisproblemen helfen klar formulierte Begriffserklärungen bei der Beantwortung einzelner Fragen. Besonderes Highlight ist die Live-Dokumentvorschau: Sie bietet dem Nutzer jederzeit die Möglichkeit, den aktuellen Stand seines Dokuments zu überprüfen und direkt Änderungen vorzunehmen. "Hier schätzen Nutzer vor allem die Transparenz der Dokumententstehung, die Dank der Live-Vorschau jederzeit gegeben ist", berichtet Beringer.

Doch die digitale Lösung auf https://meine-vorsorgedokumente.de hört nicht bei der Erstellung der Vorsorgedokumente auf. Noch viel wichtiger ist es, die Dokumente im Ernstfall zugänglich zu machen. Der Nutzer kann Kontaktpersonen benennen, diesen einen Lesezugriff erteilen und durch wenige Klicks vermerken, wo sich der rechtsgültige, unterschriebene Ausdruck befindet.

Zukünftig will das junge Team sein Angebot um weitere Vorsorgedokumente und Zusatzleistungen erweitern, wie beispielsweise eine Expertenberatung, um seinen Nutzern das "All-Inclusive-Paket" zur digitalen Vorsorge zu bieten. 

Quelle: CodeCamp:N GmbH 

 

Psychische Gefährdung für Studenten

Bildbeschreibung: Auf diesem Bild ist einer Person zu sehen, die an einem Schreibtisch Notizen auf einem Block macht.

Wie aus einer kleinen Anfrage im Deutschen Bundestag hervorgeht, leiden immer mehr Studenten unter psychischen Störungen. Allein im Zeitraum von 2010 bis 2015 stieg die Zahl der Erstgespräche der psychotherapeutischen Ambulanz in Göttingen für Studenten um 30 Prozent, heist es in der kleinen Anfrage (Drucksache 19/10799). 

Die Zahlen zeigen eine Tendenz, die sich auch bei berufstätigen Menschen wieder spiegelt. Offensichtlich sind es die immer weiter ansteigenden Anforderungen, nicht nur im Berufsleben, sondern bereits in der Ausbildung. Selbst dort sind bereits Symptome von posttraumatischen Belastungsstörungen gehäuft zu beobachten. In unserem Bildungssystemen müssen wir uns also mit der Frage auseinandersetzen: Wie viel Bildung ist eigentlich leitbar? Eine mögliche Ursache könnte die Umstellung des Studiums auf Bachelor- und Masterabschlüsse sein. Allerdings gibt es auch andere Studien, die den Bologna-Prozess als Ursache ausschließen. (Bologna-Prozess: Europaweite Vereinheitlichung von Studiengängen). Sprich es konnte kein erhöhtes Burnout-Erleben durch Bachelor- oder Masterstudenten, im Vergleich zu anderen Abschlussgruppen, festgestellt werden. Andere Studien zeigen aber, dass es besondere Auffälligkeiten bei Magister Studierenden gibt.

Gerade die Jungen Menschen sollen in der Zukunft unseren Bedarf an Sozialleistungen wie Renten, decken. Daher ist diese Entwicklung nicht nur alarmierend, sondern muss mit großer Sorgfalt beobachtet werden, um dieser Entwicklung entgegenwirken zu können. Nicht selten führen psychische Belastungen, gerade wenn diese dauerhaft stattfinden und sich chronifizieren, zu einer Erwerbsminderung der betroffenen Personen. Der Arztbericht der Barmer (hier als PDF-Download) zeigt die derzeitige Entwicklung und untersucht entsprechende Hintergründe.

Betrachtet man die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung, beobachtet man einen leichten Rückgang bei den EM- Rentenzugängen. Waren es 2016 173.996, so waren es 2017 165.638. Allerdings ist das kein Anlass, sich zurückzulehnen, denn eine Entspannung in der Antragslage ist das nicht. Schließlich liegt die Anzahl der psychischen Erkrankungen immer noch bei 43%. Leider sind uns keine Zahlen bekannt, wie viele Fälle dadurch zu Pflegefällen wurden.

Tendenziell ist auch zu beobachten, dass immer mehr Menschen auf Leistungen nach SGB XII angewiesen sind. Also Grundsicherung bei Erwerbsminderung oder im Alter. Das statistische Bundesamt hat zu dem Thema Zahlen veröffentlicht. Waren es im Dezember 2016 noch 500.308 Personen die auf Grundsicherung bei Erwerbsminderung angewiesen waren, so waren es im Dezember 2017 bereits 514.737 Personen.

Sozialpolitisch sollten diese Zahlen mehr als nur alarmierend sein, denn gerade erwerbsgeminderte Menschen, die dann meist durch die Erwerbsminderung auch noch eine Schwerbehinderung bekommen, sollten Teil der Gesellschaft bleiben.

 

Bundeskabinet beschließt bessere Löhne in der Pflege

Bildbeschreibung: Auf dem Bild sind Geldscheine zu sehen

Heute hat das Bundeskabinett dem Entwurf zu dem Gesetz für bessere Löhne in der Pflege zugestimmt. Das Pflegelöhneverbesserungsgesetz ist eines der "Konzertierten Aktion Pflege" zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflegebranche.

Dazu sagte Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales: „Mit diesem Gesetz schaffen wir die Grundlage für bessere Entlohnung und Arbeitsbedingungen in der Pflegebranche und stärken die Handlungsfähigkeit der Pflegekommission. Es wird die Arbeitsbedingungen spürbar besser und den Pflegeberuf deutlich attraktiver machen. Davon profitieren Pflegerinnen und Pfleger im Beruf. Ein weiterer Schritt, um den Personalmangel in der Branche einzudämmen. Wir stärken die Voraussetzungen dafür, dass nach Tarif bezahlt wird - und die Höhe sich unterscheidet, je nachdem ob Hilfskräfte oder examinierte Pflegekräfte im Einsatz sind. Außerdem vereinfacht das Gesetz die Berufung und die Beschlussfassung der Pflegekommission, die zukünftig ein ständiges Gremium wird. Ich bin froh, dass wir dieses zukunftsweisende Gesetz auf den Weg bringen konnten. Jetzt sind die Sozialpartner gefragt, die Möglichkeiten des Gesetzes zu nutzen.“ 

Weiter heißt es vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales:

Für die Durchsetzung spürbarer Verbesserungen wäre die Erstreckung tarifbasierter Arbeitsbedingungen auf Grundlage des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes (§ 7a AEntG), also eine Tarifvertragslösung, die beste Variante. Das Verfahren nach dem AEntG wird unter Berücksichtigung des kirchlichen Selbstbestimmungsrechts und der großen Bedeutung der Religionsgesellschaften in der Pflegebranche angepasst. Unser Ziel ist, dass es künftig Mindestlöhne differenziert nach Hilfs- und Fachkräften gibt und die Ost-/West-Unterschiede beendet werden.

Es ist nun die Aufgabe von Gewerkschaften und Arbeitgebern zu verhandeln und gemeinsam zu entscheiden, ob sie einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag schaffen oder weiter den Wegüber den Pflegemindestlohn beschreiten wollen.

Im Gesetz wird außerdem die Handlungsfähigkeit der Pflegekommission gestärkt. Die Pflegekommission spricht Empfehlungen über Mindestarbeitsbedingungen (Mindestentgelte, Urlaub) aus. Diese Empfehlungen können zum Gegenstand von Rechtsverordnungen gemacht werden. Die Pflegekommission soll zukünftig als ständiges Gremium mit einer grundsätzlich fünfjährigen Amtszeit berufen werden. Ebenso gibt es Klarstellungen zur Auswahl der Mitglieder (insbesondere bzgl. der Berücksichtigung des Grundsatzes der Trägervielfalt) und zur Beschlussfähigkeit, so dass die Pflegekommission nicht mehr nur in Anwesenheit aller Mitglieder oder deren Stellvertreter beschließen kann.

Das Gesetz soll bis Ende des Jahres in Kraft treten.

Quelle: BMAS

Das Nuscheln der anderen

Bildinhalt: Jemand hält in der Hand Hörgeräte mit einer Ein Euro Münze um die größe zu vergleichen.

Viele Menschen im Alter kennen es das, sie plötzlich nicht mehr so richtig die anderen verstehen. "Die anderen Leute nuscheln immer so!" Wer das mehr als zweimal pro Woche denkt, sollte zum Ohrenarzt oder Hörakustiker gehen. Denn das vermeintliche Nuscheln ist keine schlechte Angewohnheit der jungen Generation, sondern entsteht oft erst im eigenen Gehör.

Hörakustiker hören den Satz fast täglich, und auch in mancher Familie wird es die Diskussion über schlechte Aussprache häufiger geben. Doch bei einem Hörverlust ist dies das erste typische Anzeichen. Meist wissen die Betroffenen gar nichts davon, dass sie schlecht hören, oder wollen es vielleicht auch nicht wahrhaben. Denn Hörverlust tut nicht weh und macht zunächst einmal keine Beschwerden - außer den anderen Menschen um einen herum, die sich die Vorwürfe anhören müssen. Das soll schon zu manchem familiären Konflikt geführt haben, der mit einer guten Hörsystemversorgung zu vermeiden wäre.  

Gerade gesprochene Sprache in Unterhaltungen oder im Fernsehen wird bei schlechtem Hören undeutlich und "nuschelig" - mehr als die meisten anderen Töne und Geräusche, die der Betroffene ja vermeintlich noch "gut" hört. Dies hat einen handfesten Grund: Die verschiedenen Laute in unserer Sprache haben einen ganz bestimmten Klang, der besser oder schlechter hörbar sein kann. So klingen die Laute /o, u, a/ laut und tief, was für die meisten noch gut hörbar ist. Andere Buchstaben wie /s, t, k/ oder /f/ sind für viele Menschen mit einem Hörverlust nicht gut zu hören. Gerade Schwerhörigen fehlen beim Sprache-Hören mitten im Wort einfach diese Laute, denn sie liegen oft genau in ihrem verlorenen Hörbereich. Betroffene können das Gehörte dann nicht mehr sinnvoll verstehen, denn sie hören nur einen Teil des Wortes. Den anderen Teil "verschluckt" ihr schlechtes Gehör - und nicht der Sprecher! Zum Beispiel hört man bei "Boot", "Moor" oder "Moos" das lange /o:/ sehr gut, man kann das Wort ungefähr einordnen. Doch der genaue Anfangs- oder Endlaut kommt verwaschen an, und man muss raten, was der andere gesagt haben könnte. Hören ist also noch lange nicht dasselbe wie Verstehen! Findet die Unterhaltung bei Hintergrundgeräuschen statt, wie im Restaurant oder bei einer Feier, ist das Verstehen noch sehr viel schwieriger.

Die gute Nachricht dabei: Unser Gehirn kann die fehlenden Buchstaben bis zu einem gewissen Grad "überbrücken", indem es den Zusammenhang kennt und vieles ergänzen kann. So fällt das mangelnde Verstehen zunächst gar nicht auf. Doch die schlechte Nachricht: Dieses ständige Ergänzen und Mitdenken ist auf Dauer sehr anstrengend für den Kopf. Menschen mit Hörverlust müssen sich stärker konzentrieren als andere, um alles mitzubekommen. Sie sind dann oft nach längeren Unterhaltungen oder Feiern völlig erschöpft. Fachleute sprechen hier von Höranstrengung. Und wer etwas als sehr anstrengend empfindet, zieht sich davon zurück, innerlich oder auch äußerlich: Betroffene nehmen an Unterhaltungen keinen Anteil mehr oder meiden Treffen sogar ganz.

Die Präsidentin der Europäischen Union der Hörakustiker e. V., Beate Gromke, empfiehlt: "Wer all das schon einmal bei sich beobachtet hat, sollte sein Gehör testen lassen, um rechtzeitig etwas zu unternehmen!" Die meisten Hörakustiker machen Hörtest und Beratung kostenlos - und kein Mensch muss dann noch das "Nuscheln der anderen" entschlüsseln.

Gerade bei älteren Menschen führt ein Hörproblem zur Isolation. Die Mitmenschen leiden unter dem nicht verstanden werden und müssen immer lauter Reden. Auch wird der Fernseher immer lauter gemacht, so dass die Nachbarn ihn schon hören, denn Anwesenden im Raum tun die Ohren weh, somit wird die Isolation noch größer.

Wenn man dann das Thema Hörgerät anspricht wird es gerne verdrängt. Die älteren Menschen wollen oft aus Scham kein Hörgerät, doch gerade dieses sorgt dafür das Sie sich noch mehr von der Außenwelt Isolieren, als Sie es bereits durch ihr schlechtes Gehör tun.

Quelle: EUHA

Jobcenter darf Vermieter nicht über Hartz IV Bezug informieren

Bildbeschreibung: Aud dem Bild ist das Gebäude des Bundessozialgerichts zu sehen

Wer Hartz IV bezieht, zahlt im Regelfall seine Monatsmiete weiterhin direkt an den Vermieter. Sollte sich jedoch der Leistungsempfänger/In nicht in der Lage sein, die Miete direkt an das Jobcenter zu zahlen, kann unter bestimmten Umständen das Jobcenter die Miete direkt an den Vermieter zahlen (§ 22 Abs.7 SGB II). So ist es auch einer jungen Frau passiert. Sie sagt selber "Ich war alleinerziehend und habe ergänzend Hartz 4 bekommen. Einmal konnte ich meine Miete nicht zahlen und war schon eine Monatsmiete in Verzug. Ich schrieb meinem Sachbearbeiter, dass ich um ein Darlehen bitte, damit ich die Miete noch zahlen kann, bevor der Vermieter mahnt. Stattdessen hat mein Sachbearbeiter meine Miete direkt an den Vermieter überwiesen, ohne mich zu fragen und ohne mein Einverständnis. Damit hat er den Vermieter in Kenntnis gesetzt, dass ich ergänzend Hartz 4 bekomme."

Darf also das Jobcenter überhaupt Sozialdaten an den Vermieter weitergeben? Grundsätzlich erst einmal nicht. So heißt es einem Urteil des BSG (Az.: B 14 AS 65/11 R) "der Kläger unbefugt Sozialgeheimnisse der Kläger offenbart hat, indem er den Leistungsbezug der Kläger mitgeteilt hat.". Das Jobcenter Herford gibt auf seiner Internetseite explizit folgenden Hinweis: "Aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen zum Sozialdatenschutz darf das Jobcenter ohne Zustimmung des Leistungsberechtigten einem Vermieter keinerlei Auskünfte erteilen." (Quelle: Link). Auch andere Jobcenter geben auf ihrer Internetseite deutlich zu verstehen "Auskünfte an den Vermieter dürfen somit ohne aus- drückliche schriftliche Zustimmung des Mieters nicht erteilt werden."  



Das zuständige Jobcenter, das für den von uns geschilderten Fall zuständig ist, war bisher zu keiner Stellungnahme bereit. Ein Hinweis auf die Regelung, dass keine Auskünfte an den Vermieter erfolgen dürfen, ist auf der Webseite des zuständigen Jobcenters ebenfalls nicht ersichtlich.

Laut § 22 Abs.7 SGB II kann das Jobcenter durchaus Miete direkt an den Vermieter zahlen:

(7) Soweit Arbeitslosengeld II für den Bedarf für Unterkunft und Heizung geleistet wird, ist es auf Antrag der leistungsberechtigten Person an den Vermieter oder andere Empfangsberechtigte zu zahlen. Es soll an den Vermieter oder andere Empfangsberechtigte gezahlt werden, wenn die zweckentsprechende Verwendung durch die leistungsberechtigte Person nicht sichergestellt ist. Das ist insbesondere der Fall, wenn

1.
Mietrückstände bestehen, die zu einer außerordentlichen Kündigung des Mietverhältnisses berechtigen,
2.
Energiekostenrückstände bestehen, die zu einer Unterbrechung der Energieversorgung berechtigen,
3.
konkrete Anhaltspunkte für ein krankheits- oder suchtbedingtes Unvermögen der leistungsberechtigten Person bestehen, die Mittel zweckentsprechend zu verwenden, oder
4.
konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die im Schuldnerverzeichnis eingetragene leistungsberechtigte Person die Mittel nicht zweckentsprechend verwendet.

Ob aber genau diese Umstände in dem geschilderten Fall überhaupt zutreffen ist fragwürdig, zumal das Handeln des Sachbearbeiters mit der Leistungsempfängerin nicht einmal abgesprochen wurde und keine entsprechende Zustimmung oder Beantragung der Leistungsempfängerin vorlag. 

Eine weitere Frage, ob das Jobcenter überhaupt den Mietvertrag kopieren darf, hat der Unabhängige Landes- Datenschutzbeauftrage von Schleswig- Holstein wie folgt bewerten: "Wie so oft hilft auch hier ein Blick in das Gesetz. Der Gesetzgeber erlaubt das Anfertigen von Kopien nämlich nur dann, wenn diese für die weitere Aufgabenerfüllung der Leistungsträger erforderlich sind (§ 67c Abs. 1 SGB X). Da Mietverträge jedoch oftmals eine Vielzahl von Informationen enthalten, die für das Amt nicht von Relevanz sind, vertritt das ULD die Auffassung, dass vollständige Kopien häufig nicht benötigt werden." (Quelle: ULD-SH)

Dieser Fall zeigt also ganz deutlich, dass das Thema "Sozialdatenschutz" offensichtlich immer noch nicht so ganz ernst genommen wird.

 

Europäische Inkontinenz-Studie: Viele Betroffene leiden im Stillen

Bildinhalt: Eine ältere Dame deren Kopf man nur von hinten sieht.

Wer den Zeitpunkt der Blasenentleerung nicht mehr selbst bestimmen kann, ist nicht nur körperlich eingeschränkt - auch das psychische Wohlbefinden, das Selbstwertgefühl, Hobbies, Beziehungen und das Sexualleben leiden. Für 74 Prozent der betroffenen Deutschen wirkt sich Harninkontinenz negativ auf ihr Leben aus. Dies ist das Ergebnis der Studie "Breaking the Silence: A European Report" des führenden internationalen Anbieters für Medizin- und Hygieneprodukte, HARTMANN.

Bildbeschreibung: Grafische Darstellung zut Inkontinenz in Deutschland

Betroffene meiden soziale Aktivitäten

Scham, Sorge und Unsicherheit prägen den Alltag der Betroffenen in allen fünf betrachteten Ländern (Deutschland, Frankreich, Schweiz, Spanien, Tschechien). Deshalb ziehen sich die Betroffenen häufig aus dem gesellschaftlichen Leben zurück.

Für fast die Hälfte der Deutschen (45 Prozent) hat Inkontinenz Auswirkungen aufs Liebesleben (Europäischer Durchschnitt: 39 Prozent).

- Sex und Sport sind mit 45 Prozent die Aktivitäten, auf die Betroffene hierzulande am ehesten verzichten.

- In Spanien dagegen haben nur 27 Prozent wegen ihrer Inkontinenz weniger Sex.

- Am meisten in Zurückhaltung üben sich die Tschechen, von denen 52 Prozent auf Sex und 61 Prozent auf Sport verzichten.

Spanier sprechen offen über Inkontinenz, Deutsche streiten häufig ab

In Deutschland leiden mehr als 9 Millionen Menschen unter Inkontinenz, die Dunkelziffer liegt laut der Deutschen Kontinenz Gesellschaft deutlich höher. Wenn die Symptome erstmals auftreten, verdrängen viele das Problem. "Inkontinenz ist eine unterschätzte Volkskrankheit. 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung sind betroffen - je nach Altersgruppe", sagt Dr. Chima Abuba, Leiter HARTMANN Deutschland und ergänzt: "Die Betroffenen schämen sich häufig und das führt zur Sprachlosigkeit: Sie vertrauen sich niemandem an und versuchen, irgendwie klar zu kommen."

Gerade die Deutschen sind Meister im Leugnen, wie der europaweite Vergleich zeigt:

- 59 Prozent der Betroffenen dachten, das Problem werde von selbst wieder verschwinden.

- 75 Prozent waren der Meinung, sie würden allein damit zurechtkommen.

- Viele Betroffene haben hierzulande noch nie mit ihrem Partner (39 Prozent der Befragten in einer Beziehung), ihrer Familie (53 Prozent) oder ihren Freunden (69 Prozent) über ihre Inkontinenz gesprochen.

Eine offene Kommunikation zeigt positive Auswirkungen auf das Selbstvertrauen und die Beziehung: Sechs von zehn Befragten gaben an, sie hätten sich nach dem Gespräch mit ihrem Partner besser unterstützt gefühlt (61 Prozent). Den offensten Umgang mit ihrer Inkontinenz pflegen die Spanier, die sich insgesamt weniger beschämt zeigen als die Betroffenen in den Nachbarländern. Nur 35 Prozent der befragten Spanier in einer Beziehung hat sich dem Partner gegenüber nie geöffnet. Tschechen hingegen sind sehr verschlossen: 53 Prozent von ihnen haben noch nie mit dem Partner gesprochen, viele fühlen sich durch die Inkontinenz älter und weniger attraktiv.

Selbstbestimmung durch Wissen und Integration

Mehr als die Hälfte der befragten Deutschen (52 Prozent) empfindet Harninkontinenz immer noch als gesellschaftliches Tabuthema. Sieben von zehn wünschen sich mehr Informationen (72 Prozent) und 58 Prozent einen offeneren Umgang mit dem Thema in der Gesellschaft.

Besonders die Welt-Kontinenz-Woche bietet einen Anlass, das Tabu zu thematisieren, denn der Bedarf wird steigen. "Aufgrund des demografischen Wandels wird 2050 bereits mehr als jede dritte Person über 60 Jahre alt sein*. Viele werden unter Inkontinenz leiden", erläutert Dr. Chima Abuba und betont: "Es ist deshalb Zeit, das Schweigen über Inkontinenz zu brechen und die Millionen, die damit leben, zu stärken. Die Menschen haben es verdient, ein normales Leben führen zu können."

Zur Studie "Breaking the Silence: A European Report"

Im Auftrag der HARTMANN GRUPPE hat das unabhängige Forschungs- und Analyseunternehmen Edelman Intelligence Online-Interviews durchgeführt mit 2.311 Personen, die an Harninkontinenz leiden (24 Prozent Männer und 76 Prozent Frauen). Befragt wurden Menschen im Alter von über 45 Jahre in Deutschland, Frankreich, Tschechien, Spanien und der Schweiz. Die Stichprobe setzt sich dabei wie folgt zusammen: 505 Befragte in Deutschland, 502 Befragte in Frankreich, 502 Befragte in Tschechien, 502 Befragte in Spanien und 300 Befragte in der Schweiz. Die Untersuchungen fanden im Februar 2019 in den jeweiligen Landessprachen statt.

Weitere Informationen sowie den Studienreport finden Sie unter www.breaking-the-silence.de. *Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2016. Ältere Menschen in Deutschland und der EU

- Harninkontinenz wirkt sich negativ auf alle Lebensbereiche, soziale Beziehungen und Sexualität aus

- 39 Prozent der betroffenen Deutschen in einer Beziehung haben noch nie mit ihrem Partner über das Thema gesprochen

- Die Welt-Kontinenz-Woche vom 17. bis 23. Juni 2019 gibt Anlass, dieses Tabu zu brechen

Quelle: PAUL HARTMANN AG

Bundestag: Fachkräftezuwanderungsgesetz für Fachkräfte aus Drittstaaten beschlossen

Bildinhalt: Eine Frau die einen OP-Kittel trägt, sie hat einen Mundschutz und einen Haarschutz.

Am 7 Juni 2019 hat der Bundestag den Fachkräfteeinwanderungsgesetz zugestimmt. Durch dieses soll es für Fachkräfte aus Drittstaaten leichter sein nach Deutschland zu kommen. Ziel ist es dadurch Fachkräftezusichern. Bei der Abstimmung haben 369 Abgeordnete abgestimmt, dabei gab es 257 gegen Stimmen.

Durch das Gesetz soll es für Fachkräfte mit einer Berufsausbildung die Möglichkeit geben befristet nach Deutschland zu kommen und einen Arbeitsplatz zu suchen, sowie für Fachkräfte mit akademischer Ausbildung und dabei für fünf Jahre befristet erprobt werden.

Horst Seehofer von der CSU, der Bundesinnenminister sagte: „Von all den Gesetzen des Migrationspaktes ist das Fachkräfte-Gesetz aus meiner Sicht das notwendigste und das wichtigste".

Zudem sollte auch die häufigen monatelangen Wartezeiten für die Visavergabe verkürzt werden, damit es Wirkung zeige. 

Für qualifizierte Arbeitnehmer aus Drittstaaten soll der Weg nach Deutschland einfacher sein. Außerdem soll die Begrenzung auf Mangelberufe wegfallen, sowie die Überprüfung ob die Stelle nicht von Deutsche oder andere EU-Bürger besetzt werden können. Bis zu sechs Monate Aufenthalt bei der Arbeitsstellensuche sollen alle bekommen die bereits Deutsch können und ausreichende Qualifikationen mitbringen.

Lars Castellucci von der SPD, sagte: „Deutschland sei ein Einwanderungsland, und Einwanderung brauche Regeln, die mit dem Gesetz geschaffen würden. "Es ist ein guter Tag für Deutschland, dass wir das heute tun". 20 Jahre habe die SPD für solch ein Gesetz gekämpft.

René Springer von der AfD sagte“ Wir wollen kein Lohndumping durch Arbeitsmigration".

Johannes Vogel von der FDP, sagte das Gesetz sei „zu wenig“ für die Herausforderungen. Deutschland sucht dringend Fachkräfte.

Mathias Middelberg von der CDU bezeichnete, das Fachkräfteeinwanderungsgesetz einen „sehr guten und ausgewogenen Kompromiss" zwischen einer Öffnung hin zu "mehr Einwanderung, die wir brauchen", und dem Ziel, diese Einwanderung bedarfsorientiert zu steuern. 

Filiz Polat von den Grünen bestätigte der Koalition eine „Einwanderungsverhinderungspolitik". „vollkommen unzureichend“ sei zudem auch das Ausbildungs- und Beschäftigungsduldungsgesetz.

André Hahn von Die Linke sagte das Fachkräfteeinwanderungsgesetz würde einseitig die Interessen von Wirtschaftsverbänden und Firmen bedienen. Einwanderung werde "allein nach ökonomischen Verwertbarkeitskriterien" ausgerichtet: "Wer nützlich ist, darf kommen; alle andere müssen draußen bleiben".

Fachkräfteeinwanderungsgesetzes (19/8285)

Quelle: das-parlament.de

 

Ein neuer Pflege-Spitzenverband soll ins Leben gerufen werden

Bildinhalt: Zwei Personen jeder hat ein Dokument vor sich, beide halten jeweils einen Kugelschreiber in der Hand.

Für die gut 1,6 Millionen, die in der Kranken- und Altenpflege tätig sind soll durch den Pflege-Spitzenverband eine Organisation geschaffen werden, die gegenüber Deutschland die Interessen vertritt und durchsetzt. Am 14 Juni soll laut dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland" die Pflegekammerkonferenz geründet werden in Berlin als Vorläufer der geplanten Bundespflegekammer.

Sandra Mehmecke, die niedersächsische Kammerpräsidentin sagte den Zeitungen: „Die professionell Pflegenden brauchen endlich eine kraftvolle Stimme auf Bundesebene". Die Pflegekammer in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Scheslwig-Holstein und der der Deutsche Pflegerat als Dachverband gehören schon zu den Gründungsmitgliedern. Mehmecke sagte: „Die Vorläuferorganisation soll sich nicht nur um die Lobbyarbeit in Berlin kümmern. 

Es gehe unter anderem auch darum, die von Land zu Land unterschiedlichen Berufs- und Weiterbildungsordnungen für die Pflegeberufe abzustimmen und zu harmonisieren. Damit sichern wir bundesweit eine hohe Qualität der Pflege". Auch solle die Bildung von weiteren Landespflegekammern unterstützt werden wie in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.

Die Bundespflegekammer soll, wenn die Kammern ins Leben gerufen wurden sind endgültig gegründet werden. Als Vorbild dient die für Bundespflegekammer die 1947 gegründete Bundesärztekammer, ganz oben steht der Ärztepräsident. Laut Mehmecke soll die Pflegekammerkonferenz Anfangs nach außen nicht durch einen Präsidenten, sondern durch Chefs der Organisationen die gleichberechtigt sind vertreten werden.

Quelle: finanznachrichten.de

Statt Misstrauenskultur: Klinikärzte wollen weniger Verwaltung und mehr Zeit am Krankenbett

Bildinhalt: Ein Arzt mit Stethoskop

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) prüft in den vergangenen Jahren immer mehr Krankenhausabrechnungen, um angebliche Falschabrechnungen aufzudecken. Was für die beauftragenden Kassen nicht selten erfreuliche Einsparungen zur Folge hat, wird von deutschen Klinikärzten zu 93 Prozent als Misstrauenskultur erlebt, die bei 79 Prozent eine Steigerung des Dokumentationsaufwands in den vergangenen fünf Jahren bewirkt hat und 85 Prozent der Stationsärzte und 68 Prozent der leitenden Ärzte frustriert. Das ergab eine Online-Befragung von 200 Klinikärzten über DocCheck im Auftrag der Asklepios Kliniken. Die Krankenhausärzte halten die Prüfung von Qualität, Kosten und Leistung stationärer Behandlungen zwar für sinnvoll, empfinden die Kontrolle durch die Krankenkassen mit Hilfe des MDK aber zu 92 Prozent als zu stark, wünschen zu 89 Prozent Standards für die Prüfungen und sogar 93 Prozent plädieren für eine unabhängige Kontrollinstanz.

"Die Studienergebnisse bestätigen auf erschreckende Weise, wie sich der Missbrauch des Medizinischen Dienstes durch die Kostenträger auf die Kliniken auswirkt", sagt Kai Hankeln, CEO der Asklepios Kliniken GmbH & Co. KGaA. "Mithilfe der Prüfungen erhalten sie einen immer größeren Anteil erbrachter Leistungen praktisch kostenfrei", so Hankeln weiter, "der Versuch das zu vermeiden, erhöht ständig den Dokumentationsaufwand für die Kliniken und belastet das Personal in inakzeptabler Weise." Tatsächlich waren fast allen Klinikärzten Fälle von nicht erstatteten Leistungen aus den vergangenen zwölf Monaten bekannt, 22 Prozent gaben sogar an, dass dies "oft" in ihrer Klinik vorgekommen sei. Bei Kliniken konfessioneller Träger berichteten das für die eigene Station 24 Prozent und für die eigene Klinik 32 Prozent. Aus Krankenhäusern öffentlicher und privater Trägerschaft wurde das für die eigene Station mit 13 bzw. 20 Prozent und für das eigene Haus mit 21 bzw. 15 Prozent berichtet. 

Ausufernde Bürokratie frustriert 85 Prozent der Stationsärzte und 68 Prozent der leitenden Ärzte

Da die deutschen Kliniken aufgrund ihrer ökonomisch schwierigen Lage und der im internationalen Vergleich geringen Erlöse für die Fallpauschalen (DRG) auf die Kostenerstattung erbrachter Leistungen angewiesen sind, steigt der Aufwand, um dem MDK keinen Vorwand für Beanstandungen zu liefern. So haben alleine in den vergangenen fünf Jahren aus Sicht der Ärzte die Nachweispflicht um 89 Prozent, die Bürokratie um 88 Prozent und die Belastung durch Dokumentation und Administration um 86 Prozent zugenommen. Stationsärzte verbringen im Schnitt 46 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Administration und Dokumentation, bei 32 Prozent macht dies mehr als die Hälfte ihrer Arbeitszeit aus. 79 Prozent sehen sich gezwungen, deutlich mehr Zeit für Administration und Dokumentation aufzubringen als sie möchten, 74 Prozent der Ärzte frustriert das, 70 Prozent haben den Eindruck, dass die Kostenvorgaben der Krankenkassen über dem medizinischen Sachverstand der Ärzte stehen, und 62 Prozent können viel weniger Zeit für die Behandlung der eigenen Patienten aufbringen, als es nötig wäre. Mit 56 Prozent kann über die Hälfte Ablehnungen nicht nachvollziehen und jeder zweite Arzt fühlt sich bevormundet.

Wenig überraschend, dass sich diese negativen Eindrücke auf die Attraktivität des Berufsbildes "Klinikarzt" auswirken: Sie nahm parallel um 56 Prozent ab. Für die Betroffenen ist die Lösung naheliegend: Zu 97 Prozent sind sie dafür, dass Ärzte und Pflegekräfte sich weniger mit Verwaltung und Dokumentation beschäftigen sollten, sondern mehr mit der Behandlung ihrer Patienten. Mit dieser Forderung sind sie nicht allein, denn in einer repräsentativen Umfrage der Bevölkerung vertraten 94 Prozent der Befragten den gleichen Standpunkt. Auch andere Fachleute sehen es ähnlich, denn erst im Januar dieses Jahres hat die Hamburger Krankenhausgesellschaft unter dem Motto "Weg vom Schreibtisch - zurück zum Patienten" ein Ende der Kontrollkultur und Bürokratieabbau gefordert. Statt Kontrolle zu Lasten der Patienten unabhängige Prüfinstanz gefordert

Die Klinikärzte wehren sich nicht prinzipiell gegen eine Qualitätskontrolle, sie wünschen sie sich lediglich zu 93 Prozent durch eine unabhängige Instanz, die nicht wie der MDK den Interessen einer anderen Partei unterworfen ist und gemäß nachvollziehbarer Standards für die Prüfungen. Die von 93 Prozent der Klinikärzte erlebte Misstrauenskultur geht eindeutig zu Lasten der Patienten: Entscheidungen nach Aktenlage gehen für 84 Prozent an deren Bedürfnissen vorbei, 67 Prozent sehen Patienten leiden, weil notwendige Rehabilitationen oder Hilfsmittel nicht bewilligt wurden. Für 62 Prozent erfolgt die Kostenkontrolle zu Lasten der Patienten und 27 Prozent finden, sie verhindert sogar teilweise, dass die Patienten gesund werden. Auch unter der Allgemeinbevölkerung findet die Idee einer unabhängigen Prüfinstanz mit 80 Prozent eine breite Zustimmung, und mehr Behandlung statt Dokumentation befürworten 94 Prozent der Befragten. Zugleich scheinen sie sich von idealistischen Vorstellungen gelöst zu haben und vermuten zu 78 Prozent, dass Ärzte mehr auf die Kosten als auf die Bedürfnisse der Patienten achten müssen. 64 Prozent vermuten als Grund für die Kontrollen, dass so ein Anstieg der Krankenkassenbeiträge vermieden werden soll. 

  •  79 Prozent beklagen eine Steigerung des Dokumentationsaufwands alleine in den vergangenen fünf Jahren
  •  Kein Geld für erbrachte Leistungen erlebt mehr als jeder fünfte Arzt
  •  Der MDK prüft nach ihrer Meinung zu viel, zu sehr zu Lasten der Patienten und zu sehr im Sinne der Krankenkassen

Quelle: Asklepios Kliniken

 

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